Landgericht Wiesbaden Lebenslange Haft für Schüsse auf Marc Wachs und Familie

Polizeibeamte sichern am 20.12.2016 nach einem Raubüberfall auf einen Kiosk in Wiesbaden (Hessen) den Tatort ab.
Kurz vor Weihnachten wurde dieser Kiosk in Wiesbaden überfallen. Bildrechte: dpa

Wegen tödlicher Schüsse auf die Besitzerin eines Wiesbadener Kiosks muss ein 26-Jähriger lebenslang ins Gefängnis. Vor dem Wiesbadener Landgericht wurde der Mann am Montag wegen Mordes verurteilt. Das Motiv des Täters blieb in dem Verfahren bis zum Schluss im Dunkeln. Die tödlichen Schüsse hatte der Angeklagte in dem Verfahren zugegeben, sich aber beim Tathergang und dem Motiv auf Erinnerungslücken berufen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres die 59 Jahre alte Frau aus kurzer Distanz erschossen hatte. Für den Vorsitzenden Richter bestand kein Zweifel, dass der arbeitslose, alkohol- und drogensüchtige Mann heimtückisch und mit außergewöhnlicher krimineller Energie bei dem Überfall vorgegangen ist.

Eine Tote, zwei Schwerverletzte

Der Ehemann des Opfers erhielt einen Schuss in den Rücken. Auch sein Neffe, Fußball-Profi Marc Wachs vom Zweitligaverein Dynamo Dresden, wurde bei dem Überfall schwer verletzt. Wachs bekam einen Schuss in den Hals: Fünf Millimeter von der Halsschlagader entfernt blieb das Projektil stecken. Er konnte sich trotz der schweren Schussverletzung noch durch einen Hinterausgang des Kiosks ins Freie retten und Hilfe rufen.

Marc Wachs
Marc Wachs hat bis heute mit den Folgen des Überfalls zu kämpfen. Bildrechte: IMAGO

Der Richter betonte in seiner fast zweistündigen Urteilsbegründung, "die Opfer hatten keine Chance zu reagieren." Nur innerhalb von 16 Sekunden hatte der Täter vier Schüsse mit seinem Revolver abgefeuert. Das belegen Videoaufnahmen einer Überwachungskamera in der Nähe des Kiosks. Je eine Kugel traf die drei Familienmitglieder, ein Projektil schlug im Kiosk ein. Der 26-Jährige war nach der Tat geflüchtet. Laut Polizei wurde er aufgrund von DNA-Spuren am Tatort und Zeugenaussagen wenige Tage später vor seiner Wohnung in Wiesbaden gefasst.

Opfer im Gerichtssaal

Der Angeklagte, mit blauem Hemd und heller Jeans bekleidet, ließ die detaillierte Schilderung des Richters über den Tathergang mit blassem, regungslosem Gesicht und gesenktem Blick über sich ergehen. Nur aus den Augenwinkeln blickte der braunhaarige Mann gelegentlich kurz zu den Überlebenden des Überfalls, die ihm im Gerichtssaal direkt gegenüber saßen.

Der Ehemann des Opfers und vor allem Fußball-Profi Wachs, der auch Monate nach der Tat noch Schluckbeschwerden hat, fixierten den Todesschützen dagegen immer wieder mit versteinertem Gesichtsausdruck. Bei der Urteilsverkündung zeigten beide Männer kaum eine Regung. Der Ehemann kann nach der Bluttat nicht mehr in dem Kiosk arbeiten.

Nach schwerer Verletzung zurück auf dem Platz

Wenige Wochen nach den tödlichen Schüssen auf seine Tante teilte der Profi-Spieler auf seinem Instagram Account mit: "Mit einer Kugel im Hals und mit den Gedanken bei der Liebe meines Lebens stand ich, heute vor 3 Wochen, kurz vor der Not-OP. Ich wusste nicht, ob ich wieder aufwachen würde, ob ich danach normal sprechen könnte oder ob mein Körper wie vorher funktionieren würde."

Bereits Anfang des Jahres kehrte Wachs zurück nach Dresden und begann mit dem Aufbautraining. Dynamo-Sportgeschäftsführer Ralf Minge erklärte damals: "Marc war eine lange Zeit raus aus dem Leistungssport und wird von uns nun mit Bedacht und ohne Druck wieder an höhere trainingsspezifische Belastungen herangeführt."

"Willkommen zurück Marc Wachs" steht auf einem Transparent
Als der Abwehrspieler im Februar dieses Jahres nach Dresden zurückkehrte, gab es einen herzlichen Empfang. Bildrechte: IMAGO

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.08.2017 | Regionalnachrichten ab 15:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2017, 18:58 Uhr

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3 Kommentare

21.08.2017 21:49 Phrasenhasser 3

2: Da sind Sie ja eindeutig im Vorteil, wenn Sie aus diesem Bericht entnommen haben, woher der Mann kam, wieso er eine Waffe hatte, usw..

21.08.2017 21:29 Ooch nö, Impudicus 1 2

Es ist doch ziemlich alles faktisch genannt worden. Ansonsten informieren Sie sich bei ehrlicher Anteilnahme bitte yselbst anderweitig und bei weiteren sächsischen Leitmedien und denen da in Hessen. Sonst bleibt nämlich der fade Beigeschmack, dass Sie wie gewohnt Gaganonsens erhoffen.

21.08.2017 18:56 Morchelchen 1

Es wäre doch interessant, mehr über den Täter zu erfahren, oder? Was war der Grund, hatte er persönliche Motive, oder war dieser brutale Überfall nur Mittel zum Zweck? Sicherlich ist ein 26jähriger "ein Mann" gewesen, denn ein Tier dürfte kaum eine Waffe besitzen und damit schießen...