Gerichtsverhandlung in Dresden
Bildrechte: MDR / Anett Apfel

Urteil am Landgericht Dresden "S-Bahn-Schubser" müssen ins Gefängnis

Zwei Asylbewerber, die einen Mann in Dresden vor eine S-Bahn gestoßen haben, müssen ins Gefängnis. Das Landgericht Dresden sprach die beiden Männer der gefährlichen Körperverletzung schuldig. Der Fall hatte für Empörung gesorgt, weil die Staatsanwaltschaft die beiden Verdächtigen kurz nach der Festnahme wieder auf freien Fuß gesetzt hatte. Kurz darauf korrigierte sie ihr Vorgehen und beantragte Haftbefehl.

Gerichtsverhandlung in Dresden
Bildrechte: MDR / Anett Apfel

Wegen der gewaltsamen Attacke auf einen Mann an einer Dresdner S-Bahn-Station sind zwei Asylbewerber zu Freiheitsstrafen wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung verurteilt worden. Für den Haupttäter verhängte das Landgericht Dresden eine Strafe von drei Jahren und zwei Monaten, der Mitangeklagte erhielt zwei Jahre und neun Monate.

Mit ihrem Urteil folgte die Kammer nicht der Anklage und Auffassung der Staatsanwaltschaft, die für die Männer aus Marokko und Libyen auf versuchten Totschlag plädiert hatte. Der Sachverhalt sei nicht einfach, erklärte der Vorsitzende Richter Herbert Pröls. Es habe sich kein Tötungsvorsatz nachweisen lassen, begründete er seine Entscheidung.

Notbremsung rettet Opfer das Leben

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass die 24 und 27 Jahre alten Männer den Pendler samt dessen Fahrrad ohne erkennbaren Grund auf die Gleise gedrängt und nicht auf den Bahnsteig zurückgelassen hatten. Dies sei ein besonders schwerer Fall der Nötigung. Die Nordafrikaner hätten den Familienvater nach dem Ausstieg am Haltepunkt Zschachwitz nach Feuer gefragt, obwohl der Ältere selbst welches dabei hatte. Die Richter gehen davon aus, dass die beiden Männer über ihren Rauswurf aus der Bahn mangels Fahrkarte verärgert waren. Videobilder aus S-Bahnen zeigten sie erst in ausgelassener und dann in gedrückter Stimmung. Ob sie wollten, dass ihr Opfer von einem Zug überrollt wird, sei unklar, erklärte Pröls. Möglicherweise hätten sie die nahende S-Bahn in dem Gerangel nicht bemerkt. Der Zug stoppte dank Notbremsung knapp vor dem damals 41-Jährigen. Das Opfer ist seitdem traumatisiert und bis auf weiteres arbeitsunfähig.

Angeklagte bestreiten Tötungsabsicht

Der 24-jährige Haupttäter bedauerte im Prozess, was geschehen ist. Der Mitangeklagte erklärte sich auch im Schlusswort für unschuldig. Die Verteidigung hatte eine Tötungsabsicht bestritten. Der Anwalt des 24-Jährigen plädierte auf eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung. Der Verteidiger des zweiten Angeklagten forderte kein konkretes Strafmaß.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft hat bereits Revision angekündigt.

Quelle: dpa/kb

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio : MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.12.2017 | ab 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2017, 19:50 Uhr