Region Dresden

Dresden : Waldschlößchenbrücke wird erst 2013 fertig

Die Freigabe der Dresdner Waldschlößchenbrücke verzögert sich um ein weiteres Jahr. Wie die bauausführende Arbeitsgemeinschaft auf Anfrage des MDR erklärte, kann die Elbquerung erst im Frühjahr 2013 für den Verkehr freigegeben werden. Das ist ein Jahr später als der von der Stadt Dresden zuletzt angekündigte Fertigstellungstermin im Mai 2012.

Einig bei den Gründen, Streit über die Folgen

Ursprünglich sollten bereits vor einem Jahr die ersten Autos über die Brücke rollen. Die Liste der Gründe für die anhaltenden Verzögerungen seit dem Baubeginn im August 2007 ist lang: der Streit mit der UNESCO und den Brückengegnern inklusive Baustellenblockaden und gerichtlich angeordneter Baustopps; Umplanungen der Brücke, die letztlich wieder verworfen wurden; Anschläge auf die Baufahrzeuge; Bauunterbrechungen wegen strengen Frosts; das spätere Einschwimmen des Mittelteils wegen fehlender Genehmigungen.

Über diese Gründe für die Verzögerungen sind sich Stadt und Baufirmen einig, bei deren Bewertung in Bezug auf den Bauablauf gehen die Meinungen aber weit auseinander. Das geben beide Seiten offen zu. Die Stadtverwaltung erklärte, sie habe die Störungen bei der Fortschreibung des sogenannten Bauzeitenplans ausreichend berücksichtigt und habe dabei den offiziellen Freigabetermin im Mai kommenden Jahres errechnet. Sie werde deshalb weiterhin auf die zügige Fertigstellung der Brücke zu diesem Zeitpunkt drängen.

Qualität vor Zeit stellen

Eisenflechter prägen in Dresden das Bild auf der im Bau befindlichen Waldschlösschenbrücke.
Der Guss der Betonteile der Brücke folgt einem genau berechneten Zeitplan, denn mit jedem fertiggestellten Abschnitt verändert sich die Statik der Brücke.

Rainer Möbius, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Waldschlößchenbrücke, vertritt dagegen die Auffassung, dass auch bei noch so viel Drängen die Brücke nicht vor Mai 2013 in Betrieb genommen werden kann. Auch er verwies auf Anfrage des MDR auf die Bauverzögerungen. Wer sich den aktuellen Zustand der Brücke ansehe, erkenne deutlich, dass die verbleibenden gut acht Monate bis zum Wunschtermin der Stadt nicht ausreichten – trotz eines optimierten Bauablaufs mit Wochenendarbeit und Überstunden. Das sei auch der Dresdner Verwaltung schon länger bekannt, da sie ständig über den Baufortschritt sowie über Behinderungen und Verzögerungen informiert werde.

Theoretisch könne die Waldschlößchenbrücke zwar eher fertig werden, erläuterte Möbius. Dazu würden aber zusätzliche Verschalungen für den Betonguss gebraucht. Werde dieser beschleunigt, müsste jedoch auch die Statik der Brücke für den schnelleren Bauablauf neu berechnet werden. Nicht zuletzt würden die Abdichtungsarbeiten am Bauwerk im Winter stattfinden. Das koste alles zusätzlich Geld und sei aus bautechnischer Sicht einfach nicht sinnvoll, erklärte Möbius. Nach seiner Ansicht sollte deshalb Qualität vor Zeit gehen, um spätere Nachbesserungen gleich zu vermeiden. Das Fazit des Geschäftsführers: Vor Mai 2013 rollt am Waldschlößchen kein Auto über die Elbe.

Zuletzt aktualisiert: 01. September 2011, 17:08 Uhr

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