Sechs mutmaßliche Mitglieder der Freien Kameradschaft Dresden sitzen am 13.09.2017 in Dresden (Sachsen) vor Beginn des Prozesses neben ihren Anwälten in einem Gerichtssaal des Landgerichtes.
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Zweiter Prozess gegen "Freie Kameradschaft Dresden" Angeklagte berichten über schwere Kindheit

Sechs mutmaßliche Mitglieder der Freien Kameradschaft Dresden sitzen am 13.09.2017 in Dresden (Sachsen) vor Beginn des Prozesses neben ihren Anwälten in einem Gerichtssaal des Landgerichtes.
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Vor der Staatsschutzkammer am Landgericht Dresden hat am Mittwoch der zweite Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder der "Freien Kameradschaft Dresden" (FKD) begonnen. Angeklagt sind fünf Männer und eine Frau im Alter zwischen 22 und 29 Jahren. Die Staatsanwaltschaft Dresden wirft ihnen unter anderem Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und gefährliche Körperverletzung vor. Insgesamt sind bis Ende Januar 2018 27 Prozesstage terminiert.

Der 29-Jahre alte mutmaßliche Rädelsführer und drei Mitbeschuldigte wollten sich zu Beginn der Verhandlung nicht äußern. Die 27 Jahre alte Frau und der jüngste Beschuldigte kündigten dagegen zum nächsten Verhandlungstag am Freitag Einlassungen zu den Anschuldigungen an. Am Mittwoch machten beide zunächst Angaben zu ihren persönlichen Verhältnissen.

Missbrauch, Alkohol, falsche Freunde

Die aus Sachsen-Anhalt stammende Frau sagte vor Gericht, sie sei nach dem Abitur bewusst weg von zu Hause nach Freital gezogen, weil sie über sechs Jahre immer wieder vom besten Freund ihres acht Jahre älteren Bruders missbraucht worden sei. Sie habe zudem einen Partner gesucht, der ihr Schutz und Geborgenheit geben könne. Über ihren Ex-Freund sei sie mit der rechtsextremen Szene in Kontakt gekommen. Zum Zeitpunkt der angeklagten Taten im Oktober 2015 habe sie an der TU Dresden begonnen, auf Grundschullehramt zu studieren, später jedoch abgebrochen. Die 27-Jährige ist Mutter eines neun Monate alten Sohnes. Sie ist als einzige Angeklagte auf freiem Fuß.

Auch der 22 Jahre alte Mitangeklagte berichtete von einer schweren Kindheit. Seine Eltern hätten ihm wegen seines krebskranken älteren Bruders wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Er habe Probleme in der Schule und mit Alkohol bekommen und sei in die rechte Szene abgeglitten.

"Kooperation" mit der "Gruppe Freital"

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Dresden wurde die FKD am 29. Juli 2015 mit dem Ziel gegründet, rechtsextremistische und ausländerfeindliche Demonstrationen, Aktionen und Gewalttaten geplant zu haben. Der Angeklagte Benjamin Z. soll dabei als Rädelsführer maßgeblichen Einfluss auf die Gruppe gehabt haben. Für ihre Taten hat sich die FKD nach Ansicht der Staatsanwaltschaft teilweise auch mit der "Gruppe Freital" zusammengeschlossen.


Die Anklage legt den Beschuldigten unter anderem folgende Taten zur Last:

  • Beteiligung an den Krawallen an der Asylunterkunft Heidenau im August 2015 (Feuerwerkskörper, Flaschen und Steine auf Polizeibeamte)
  • Angriff auf das Flüchtlingsheim im ehemaligen Lindenhof Dresden am 23. August 2015
  • Überfall auf das linksalternative Wohnprojekt "Mangelwirtschaft" am 18. Oktober 2015
  • Beteiligung an den schweren Ausschreitungen am 11. Januar 2016 in Leipzig-Connewitz
  • Gewalttaten gegen Flüchtlinge bei Volksfesten in Dresden am 15. und 22. Oktober 2015


In einem ersten Verfahren gegen Mitglieder der Gruppe waren im August zwei 19 und 27 Jahre alte Männer zu Haftstrafen verurteilt worden. Sie hatten zuvor die Vorwürfe eingeräumt und sich auf einen "Deal" mit den Prozessbeteiligten geeinigt.

Wohnprojekt Mangelwirtschaft wieder Nebenkläger

Wie schon beim ersten FKD-Prozess und dem laufenden Prozess gegen die mutmaßliche Terrorvereinigung "Gruppe Freital", haben sich die Bewohner des Wohnprojekts Mangelwirtschaft der Klage angeschlossen. "Da die Interessen von Verletzten in Strafverfahren vor allem bei politisch rechtsmotivierten Taten in Gerichtsverfahren oft eine sehr geringe bis keine Rolle spielen ist es umso dringender, diese durch eine Nebenklage thematisieren zu können", teilten sie in einer Erklärung zum zweiten Prozess gegen die "Freie Kameradschaft Dresden" mit.

Wie die bisherigen Prozesse gezeigt haben, haben Polizei und Staatsanwaltschaft bisher große Mängel in Ermittlung und Strafverfolgung organisierter Neonazinetzwerke in Sachsen erkennen lassen. Im OLG-Verfahren wurde von verschiedenen ZeugInnen ausgeführt, darunter viele PolizeibeamtInnen, wie der rechtsextreme Hintergrund der Taten an vielen Stellen ignoriert und Ermittlungen sogar stellenweise behindert wurden.

Wohnprojekt Mangelwirtschaft Nebenklage

Quelle: MDR/PM/dpa/dk/ah/jr

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.09.2017 | Nachrichten ab 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2017, 20:27 Uhr

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50 Kommentare

15.09.2017 17:39 Udo K 50

@ Janine 46
Auch Sie lesen meine Beiträge nicht wirklich, sondern deuten sie in Ihrer (einzig wahren?) Gedankenwelt so, wie Sie es brauchen.

Auch wenn Sie es nicht glauben, ich verurteile grundsätzlich jede Art von Gewalt, ob rechts, links oder anders geartet!
Und gerade deshalb trete ich auch entschieden gegen alle Versuche auf, die es so darstellen wollen, als gäbe es nur Gewalt von einer Seite und alle anderen sind die Guten!

Schön, dass Sie Fakten sammeln, aber bitte nicht nur einseitig.

15.09.2017 17:38 Udo K 49

@ Hmhmhm 44
Man identifiziert sich keinesfalls zur "Rechtsaußenfront", wenn man Tatsachen bestätigt, auch wenn diese von Ihrem erklärrten Feind Blumenfreund genannt werden.
Ich gehöre nicht zur "Linksfront", sofort bin ich ein böser Rechter?
Und zum Schluß: Achtung von Ihnen erwarte ich nicht, wäre mir eher unangenehm, da ich Sie in Ihren Beiträgen nicht als souverän wahrnehme.

15.09.2017 17:36 Udo K 48

@ Janes 43
Sie sollten richtig lesen und verstehen.
Ich habe Ihnen in # 41 keine Frage gestellt, sondern Sie gebeten, Beweise zu erbringen für Ihre Behauptung, ich würde rechte Gewalttaten verharmlosen und sogar rechtfertigen.
Und wieder gelingt es Ihnen nicht, dieser Bitte nachzukommen.
Sie sollen hier nicht kundtun, was Sie in meine Beiträge persönlich hineininterpretieren, sondern anhand von Zitaten aus meinen Äußerungen einen konkreten Beweis für Ihre Behauptung bringen.
Wenn Sie schon Bezug auf meinen Beitrag 8 nehmen, sollte Ihnen doch nicht entgangen sein, dass ich gerade dort eindeutig geschrieben habe:"Selbstverständlich ist es richtig, dass solche Straftaten verfolgt und bestraft werden, das bestreitet niemand, auch die nicht, die auf andere Straftäter verweisen!"
Sind diese Worte denn so unverständlich?
ICH habe kein Problem, andere Meinungen zu akzeptieren, habe aber ebenso das Recht, andere Äußerungen zu hinterfragen!

15.09.2017 17:20 Räudiger Hund 47

#40.: Nicht nur die namenlose 27-jährige Frau hatte eine schwere Kindheit, über die hier so überaus treffend gespottet wird. Auch Hussein K., bei einem rein regionalen Ereignis anderswo auffällig gewordener Zugelaufener, hatte eine - wenn man denn den fernen Berichten glauben mag...

15.09.2017 09:10 Janine 46

@Udo K (42):
Ach Udo, ich halte es da mit Kennedy und tue etwas für mein Land, indem ich versuche dumme, pauschale und diskriminierende Behauptungen als solche zu entlarven. Mit ein paar Fakten ausgestattet kann sich dann jeder sein eigenes Bild machen. Im übrigen bildet es ungemein, wenn man dummen rechten Behauptungen auf den Grund geht und sich die Fakten aus erster Hand bei den zuständigen Behörden organisiert.

Ansonsten muss ich Janes(36) recht geben. Immer dann, wenn die folgen rechter Radikalisierung ins Spiel gebracht werden und rechte Straftaten und Straftäter thematisiert werden tauchst du auf und wiegelst ab, und versuchst den Blick nach links abzulenken. Auch ich nenne so etwas verharmlosen! Anscheinend bist du nicht in der Lage solche Straftaten klar und deutlich zu verurteilen. Wir reden hier von Straftaten und nicht von irgendwelchen verbalen AfD Entgleisungen. Das lässt tief blicken!

15.09.2017 08:55 Radebeuler 45

@ Fragender Rentner: Ja, dass sollte für alle Terroristen und Gewaltverbrecher natürlich. Nur leider fallen hier immer wieder besonders die Rechtsverdrehten auf.

14.09.2017 23:52 Hmhmhm an Udo K. 42 44

Werter Udo K., das ist ein netter, aber schwacher Versuch, einen kritischen Kommentar zu diffamierenden Hasskommentaren mit einem "den Ihnen gleichgesinnten..."-Argument abzuwürgen. Auch wenn Sie hier sich versuchen gemäßigt beidseitig kritisch zu geben, kann Ihnen das keiner mehr abnehmen. Eigentlich von Anfang an nicht. In Ihrem ersten Kommentar stellen Sie sich ja ausdrücklich hinter unseren Blumenfroind, der hinlänglich für sein uneingestandenes Bekenntnis zur Rechtsaußenfront bekannt ist. Zwar hetzt er nicht mehr so sehr gegen Asylanten und nicht mal mehr gegen Merkel, jetzt versucht er es mit Hetze gegen den (links)liberalen Flügel. Nun ja, die Rechte ist lernfähig. Das kritische liberale Spektrum lernt über diese Lernfähigkeit mit Statements wie dem Ihren hinzu. Ich habe Sie gesiezt. Das Duzen liegt mir fern. Achtung kann ich nicht wirklich empfinden.

14.09.2017 22:14 Janes 43

@Udo K 41: Ja, welche Frage bitte?! Um sich vor einer Frage zu drücken, müsste erst einmal eine gestellt werden. Im Moment lese ich von ihnen nur Beträge, die den Schluss zu lassen, dass die armen Nazis nichts getan haben und zu Unrecht da sitzen, wärend die bösen Linken das Land zerstören oder die Asylsuchenden, die sich mal nicht so haben sollen, wenn die Nachts abgefacket oder snst wie getötet werden könnten (hier etwa ihr Beitrag 8 in Kritik zu Beitrag 1, der seinerseits seine Meinung kundtut, was er völlig legitim darf, oder zu Beitrag 4, der seinerseits Beitrag 2 kritisiert...und das völlig zurecht, aus meiner Sicht und den MDR, die einen-aus meiner Sicht-normalen Artikel zu einer Verhandlung verfasst hat). Also was ist ihr Problem, außer, dass sie andere Meinungen nicht akzeptieren?

14.09.2017 18:11 Udo K 42

Zitat Janine 30
"Viele Kommentare sind derart unreflektiert, offensichtlich diffamierend formuliert, frei von Argumenten und hasserfüllt, dass es bereits Überwindung kostet, darauf zu antworten."
........
Stimmt, immer eine Ansichtssache.
Wenn die Ihnen Gleichgesinnten "unreflektiert, offensichtlich diffamierend formulieren, sich frei von Argumenten und hasserfüllt äußern" nehmen Sie das aber nicht wahr, denn es entspricht ja Ihrer Wahrheit.
Übrigens zwingt Sie niemand, sich zu einer Antwort zu überwinden.

14.09.2017 17:57 Udo K 41

@ Janes 36
Wahrnehmungsstörung?
Bitte erbringen Sie Beweise für Ihre Behauptung, ich würde rechte Gewalttaten verharmlosen und sogar rechtfertigen.
Wird Ihnen aber nicht gelingen und Sie drücken sich vor der Antwort genau so wie es @ Hippiehooligan 10 praktiziert.
Beschuldigen könnt Ihr hervorragend, weiter reicht es aber nicht.