Aktionen zum Weltkindertag Weckruf in Dresden für bessere Kita-Bedingungen

"Wir wollen ein deutliches Zeichen setzen, dass es so nicht weitergehen kann", sagt Jens Kluge, Sprecher des Bündnisses "Die bessere Kita". Denn an der Basis brodelt es. Eine Umfrage unter 1.200 pädagogischen Mitarbeitern von Kindereinrichtungen habe gezeigt, dass zu wenig Zeit für Vor- und Nachbereitung sei. Sie können den Aufgaben, die der Bildungsplan vorschreibt, nicht gerecht werden. Mit fatalen Folgen. Am Mittwoch haben sie ihren Protest auf die Straße getragen.

Kita-Demo Leipzig
Bildrechte: Leipziger Elterninitiative

Jedes Kind passgenau fördern, Eltern zuhören, sich weiterbilden, Team-Beratungen, Praktikanten gut anlernen. All das, was Experten mittelbare pädagogische Arbeit nennen, sollen Sachsens Erzieher und Erzieherinnen leisten. So verlangt es der Bildungsplan von 2006. Problem: Sie haben dafür zu wenig Zeit.

Protestzug durch Dresden

Deshalb hat ein sachsenweites Bündnis von Eltern, Erziehern/innen, Trägern und Gewerkschaften zum Weltkindertag mobil gemacht, "weil Kinder Zeit brauchen". Aktionen gab es in Dresden, Leipzig, Freiberg und Chemnitz. Allein in Dresden gingen nach Angaben der Veranstalter rund 3.000 Menschen auf die Straße. In Leipzig und Chemnitz waren es jeweils 1.000 Eltern und Erzieher. Von der Politik verlangen sie mehr Personal sowie bezahlte Stunden für Vor- und Nachbereitungen in Kitas und Hort-Einrichtungen. Das soll - so ihre Forderung - im nächsten Doppelhaushalt Sachsens aufgenommen werden.

Weltkindertag in Dresden Bunter Protest für bessere Kita-Arbeit

Haupt-Kundgebung zum Weltkindertag für bessere pädaghogische Arbeit in Sachsen in Dresden.
Weil Kinder Zeit brauchen, demonstrierten in Dresden Eltern und Erzieher für bessere pädagogische Arbeit. Bildrechte: Sächsisches Graswurzelbündnis - die bessere Kita
Haupt-Kundgebung zum Weltkindertag für bessere pädaghogische Arbeit in Sachsen in Dresden.
Weil Kinder Zeit brauchen, demonstrierten in Dresden Eltern und Erzieher für bessere pädagogische Arbeit. Bildrechte: Sächsisches Graswurzelbündnis - die bessere Kita
Haupt-Kundgebung zum Weltkindertag für bessere pädaghogische Arbeit in Sachsen in Dresden.
Das Graswurzelbündnis "Für bessere Kitas" hat die Hauptdemo für Sachsen in Dresden organisert. Hunderte Erzieher und Familie liefen vom Rathaus zum Kultusministerium. Bildrechte: Sächsisches Graswurzelbündnis - die bessere Kita
Haupt-Kundgebung zum Weltkindertag für bessere pädaghogische Arbeit in Sachsen in Dresden.
Stress und Krankenstände belasten viele Erzieherinnen. Sie arbeiten für zwei und kommen nicht zu dem, was sie laut Bildungsplan leisten sollen: Kinder pädagogisch gut betreuen. Bildrechte: Sächsisches Graswurzelbündnis - die bessere Kita
Haupt-Kundgebung zum Weltkindertag für bessere pädaghogische Arbeit in Sachsen in Dresden.
Bunter Protest für mehr Fachkräfte in Sachsens Kindereinrichtungen. Die Erzieher wollen auch für Vor- und Nachbereitungsstunden bezahlt werden. Bildrechte: Sächsisches Graswurzelbündnis - die bessere Kita
Kita-Demo Dresden
Der Betrruungsschlüssel ist eine der größten Sorgen. Bildrechte: Sächsisches Graswurzelbündnis - die bessere Kita
Kita-Demo Dresden
Der Protestzug in Dresden, der sich als Weckruf an die Politik sieht, wurde immer größer. Am Ende zählten die Veranstalter rund 3.000 Teilnehmer. Bildrechte: Sächsisches Graswurzelbündnis - die bessere Kita
Auch Vertreter der Horte waren da. Bildrechte: Sächsisches Graswurzelbündnis - die bessere Kita
Haupt-Kundgebung zum Weltkindertag für bessere pädaghogische Arbeit in Sachsen in Dresden.
Die Erzieher fürchten, dass sich die Qualität der Betreuung weiter verschlechtert. Bildrechte: Sächsisches Graswurzelbündnis - die bessere Kita
Haupt-Kundgebung zum Weltkindertag für bessere pädaghogische Arbeit in Sachsen in Dresden.
Der Protest war nicht zu überhören. Bildrechte: Sächsisches Graswurzelbündnis - die bessere Kita
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Haupt-Kundgebung zum Weltkindertag für bessere pädaghogische Arbeit in Sachsen in Dresden.
Kreativer Protest von Erziehern und Eltern in Dresden zum Weltkindertag. Bildrechte: Sächsisches Graswurzelbündnis - die bessere Kita
Kita-Demo Leipzig
Bildrechte: Leipziger Elterninitiative

Der Bildungsplan 2006 sei richtig und wichtig gewesen, meint Astrid Axtmann von der Gewerkschaft Erziehung und Bildung (GEW). Aber die Politik habe nicht die Bedingungen eingeführt, die Erzieher brauchen, für das, was von ihnen verlangt werde. "Wir haben nicht die Zeit bekommen. Dennoch erledigen unsere Fachkräfte die Aufgaben." Eine Umfrage habe ergeben, dass sie das im Schnitt vier Stunden pro Woche trotzdem tun - nebenher und unbezahlt. Die Folge: "Unsere Mitarbeiter werden verschlissen. Es hakt so kräftig, dass die Zeit für Anpassungen überfällig ist", fasst Astrid Axtmann zusammen.

Erzieher am Limit

Die Initiativ-Mitglieder -Die bessere Kita- im Gespräch. In der Kita Heideland in Dresden-Weixdorf haben sie ihre Aktionen zum Weltkindertag bekannt gegeben.
Die Initiativ-Mitglieder -Die bessere Kita- im Gespräch. Bildrechte: MDR/Kathrin König

Wie groß der Unmut ist, weiß der Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Chemnitz, Jürgen Tautz. Seine Mitarbeiter haben der Kultusministerin Brunhild Kurth in einem offenen Brief eine Überlastungsanzeige geschickt, weil sie seit Jahren am Limit sind. "Sie sind an der Leistungsgrenze, die krank macht. Die Ausfälle und Krankenstände belasten die Mitarbeiter noch mehr."

In Chemnitz hat die Stadt reagiert und bezahlt zumindest den Vollbeschäftigten eine Stunde Vor- und Nachbereitungszeit pro Woche. Problem laut Tautz: Wegen der häufigen Krankheitsausfälle können diese Nachbereitungsstunden gar nicht genutzt werden.

Das Land soll zahlen - fürs Kindswohl.

Maria Groß Paritätischer Landesverband Sachsen

Daher sehen die Gewerkschaften und das Graswurzelbündnis auch nicht zuerst die Kommunen in der Pflicht, das Geld für Vor- und Nachbereitungszeit zu bezahlen, sondern den Freistaat. "Er hat den Bildungsplan Gesetz werden lassen. Nun muss er auch für die Kosten bezahlen", verlangt Maria Groß vom Paritätischen Landesverband Sachsen. Zum Weltkindertag soll diese Forderung im Mittelpunkt stehen.

Quelle: PM/MDR/kk/dk

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.09.2017 | Regionalnachrichten aus den Studios ab 05:30 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 20.09.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2017, 22:26 Uhr

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1 Kommentar

22.09.2017 21:08 Na so was 1

Ein offener Brief an Kultusministerin Frau Kurth (CDU) >>> was soll das bewirken ? Sie ist ja auch verantwortlich für die Schulausbildung. Zum Schuljahresbeginn 2017/18 sagte sie sinngemäß, "der Start ins neue Schuljahr ist uns gut gelungen" ! Wenn hunderte Lehrer fehlen, wenn (in Dresden) die Schulbücher erst zwei Wochen nach Schulbeginn zur Verfügung stehen, das ist ein "guter Start" ? Wenn unsere Ansprüche mittlerweile so tief angesetzt sind, dann "Gute Nacht" Schulbildung ! Die Hoffnung der Mitarbeiter und der Gewerkschaft auf eine Besserung der derzeitigen Zustände können sie unter dem Regime von Frau Kurth glatt vergessen !