Akten im Stasi-Archiv
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Umbau der Stasiunterlagen-Behörde geplant Wohin mit den Symbolen der Revolution?

Immer weniger Menschen verlangen Einsicht in ihre Stasi-Akten. Deshalb könnten einige der zwölf Außenstellen der Bundesbehörde in den neuen Ländern geschlossen werden. Davon betroffen wären wohl auch Chemnitz und Dresden. Sachsen kritisiert diese Einspar-Pläne und will, dass die Akten dort bleiben, wo sie erobert worden sind.

Akten im Stasi-Archiv
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27 Jahre nach der Deutschen Einheit wollen immer weniger Bürger Einsicht in ihre Stasi-Akten haben. Deshalb müsse die Stasiunterlagen-Behörde dringend verkleinert werden, sagte der Bundesbeauftragte Roland Jahn. "Wir müssen weg von einer Generalaufarbeitungs-Behörde wie in den 90er Jahren hin zu einem Stasiunterlagen-Archiv, was sich auf die Akten konzentriert", sagte Jahn. Einige der derzeit zwölf Außenstellen in den ostdeutschen Ländern sollten geschlossen oder zusammengelegt werden. Das empfiehlt auch eine Experten-Kommission. Sie hat mindestens eine Außenstelle pro Bundesland vorgeschlagen.

Lutz Rathenow
Lutz Rathenow ist gegen die Zentralisierung der Stasi-Akten-Archive. Alle drei Standorte in Sachsen sollen bleiben. Bildrechte: dpa

Es gilt, so etwas wie eine Aufarbeitungsbalance zu halten.

Luth Rathenow Sachens Landesbeauftragter für SED-Unrecht

Gegen diese Pläne regt sich Widerstand in den Ländern. Für Sachsen - so wird es diskutiert - könnte in Dresden und Chemnitz von Schließungen betroffen sein. Der sächsische Landesbeauftragte für SED-Unrecht, Lutz Rathenow, will mehrere Außenstellen der Stasiunterlagen-Behörde im Freistaat erhalten. Er lehnt ein mögliches zentrales sächsisches Stasiakten-Archiv in Leipzig ab. In der Messestadt gebe es mit dem vom Bund betriebenen Zeitgeschichtlichen Forum und der Gedenkstätte "Runde Ecke" in der ehemaligen Stasi-Zentrale schon mehrere Einrichtungen, die sich mit der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit befassen, begründete Rathenow. In Dresden und Chemnitz dagegen könnte der Wegfall der Außenstellen "sehr viel schwerer oder überhaupt nicht ersetzt werden", meinte Rathenow.

Interview mit Roland Jahn
Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen Roland Jahn muss sparen und überlegen, wo überall Standorte geschlossen werden könnten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es macht keinen Sinn, sich zu verzetteln.

Roland Jahn Bundesbeauftragter der Stasiunterlagen-Behörde

Noch ist keine Entscheidung gefallen, meinte der Bundesbeauftragte Jahn. Keine der Außenstellen genüge derzeit den Ansprüchen einer dauerhaften Lagerung. Es werde geprüft, wie die Akten zusammengefasst und archivgerecht gelagert werden können. Wo eine funktionierende Gedenkstättenlandschaft existiert, sollten die Akten als Teil der DDR-Aufarbeitung eingebettet werden. "Wir müssen uns dabei fragen, wo stehen wir in 20 Jahren?", sagte Jahn. Da komme man schnell zu dem Schluss, auch vor dem Hintergrund rückläufiger Aktennutzung und Besucherzahlen: "Wirtschaftlich-effizient wäre es, alle Akten nach Berlin zu bringen und hier zu verwalten". Das werde aber in den Ländern zu Recht nicht akzeptiert.

Thomas Nitschke, Teamleiter der Projektgruppe zur Rekonstruktion von Stasi-Unterlagen, rekonstruiert am Freitag (14.05.2010) in Zirndorf (Mittelfranken) eine zerrissene Stasi-Akte.
In mühevoller Arbeit sind zerrissenene Stasi-Akten wieder zusammengefügt worden, damit folgende Generationen auch noch darin lesen können. Bildrechte: dpa

Auch Jahn selbst halte die Eroberung der Akten für "Symbole der Revolution, die dort verbleiben sollen, wo sie entstanden sind und wo sie erobert wurden und wo sie als Monument des Überwachungsstaates" zur Geltung kämen. In der hochemotionalen Debatte wolle Jahn beide Seite zusammenbringen. Man müsse den Opfern gerecht werden, aber auch an die nächsten Generationen denken, die Stasi-Akten in 20, 30 oder 100 Jahren nutzen wollen.

Eine Gruppe Demonstranten mit der DDR-Flagge in einem verwüsteten Büro
Demonstranten posieren im Winter 1989 in einer gestürmten Stasi-Zentrale mit Fundstücken. Bildrechte: dpa

Laut Jahn wurden im vergangenen Jahr 48.000 Anträge zur persönlichen Akteneinsicht gestellt. Zu Beginn seiner Amtszeit 2011 seien es noch doppelt so viele gewesen.

Über dieses Thema berichtet MDR auch im Fernsehen: MDR | SoKo Deutsche Einheit - Ermittler in schwieriger Mission | 25.09.2017 | 13:26 Uhr

Quelle: epd/MDR/kk

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Zuletzt aktualisiert: 02. Oktober 2017, 12:03 Uhr

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9 Kommentare

04.10.2017 11:52 Richard Rumbold 9

@7.Wo geht es hin?- George de Santayana hat noch andere tolle Sprüche drauf gehabt:" Das Gedächtnis des Menschen ist das Vermögen, den Bedürfnissen der Gegenwart entsprechend die Vergangenheit umzudeuten." Und für die, die sich DDR- Bürgerrechtler nennen und nennen lassen:
"Die höchste Form der Eitelkeit ist die Ruhmesliebe." Was die weitere Aufarbeitung mit der Versorgung bestimmter Leute mit lukrativen Posten zu tun hat, erschließt sich mir nicht.

03.10.2017 10:09 romo 8

Rathenow und Jahn werden doch nicht den Ast absägen auf dem sie gut sitzen.Dementsprechend fällt auch ihre Meinung aus. Wer 27 Jahre Zeit hatte die Geschichte der DDR aufzuarbeiten und dies nicht nutzte, ist selber schuld.Die Akten sollten ins Zentralarchiv und das eingesparte Geld in andere sinnvolle Projekte gesteckt werde.

02.10.2017 19:50 Wo geht es hin? 7

"Wohin mit den Symbolen der Revolution?" Am besten weit weit weg wird sich so manch einer sagen- nicht das da noch brisantes Material auftaucht. Aber das dürfte schon lange weit weit weg sein - zumindest über`m großen Teich...Und sonst so? Tja, ich weiss durch diese Akten zumindest im Groben, wer nicht unbedingt mein Bestes wollte. Ob es mir dadurch besser geht? Jein - so genau beschreiben kann ich das gar nicht (man schwankt ständig zwischen Fassungslosigkeit über den Verrat UND den Verräter, Wut und Mitleid) - aber ich kenne nun die Methoden und sehe: Geschichte wiederholt sich doch! Also sollten diese Akten als warnendes Beispiel unbedingt erhalten bleiben! "„Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist gezwungen, sie zu wiederholen“ George Santayana - recht hat der gute Mann!

02.10.2017 19:43 Ullrich 6

Einige Kommentatoren sind nicht mehr zu retten.
Die DDR:
Keine Chancengleichheit in der Bildung!
Medizinische Versorgung die Altersdiskriminierend war.
Geschichte wurde gefälscht!
Menschen politisch motiviert (an geltenden Gesetzen vorbei) eingesperrt, ermordet, verkauft. ...!
Keine Gleichberechtigung!
Kurz - In der Endkonsequenz war die DDR ein Unrechtstart.
Auch wenn diese Erkenntnis bitter ist wir sind bis 89 belogen und betrogen worden. Diesem Regime muss mahnend gedacht werden - genau so wie dem dritten Reich.
Verweise auf die heutige Zeit sind Versuche zu relativieren und ganz ehrlich heute leben wir in einem demokratischen sozialen Rechtsstaat Problem für viele ist aber offensichtlich der Teil der Eigenverantwortung!

02.10.2017 18:20 OHNEWORTE 5

02.10.2017, 16:49 | Fragender Rentner

Ich uebertreibe es mal.... ,

Der Fernsehturm wurde als Honeckers Wahnsinn entsorgt und an der Stelle steht dann ein Monument ,hoeher als das Jesus Christus Monument in Brasilien ....Mutti ... Schon an allen Grenzen zu Deutschland sichtbar. Darunter ein Museum , gewidmet der deutschen Widerstandskaempferin gegen Honeckers Diktatur.
Die Geschichtsbuecher werden nur noch beinhalten die Regierungszeit der Kanzlerin . Die Kinder kennen jede Rede der Kanzlerin auswendig .
Wenn die Frage nach der DDR aufkommt,erfolgt sofort der Verweis auf ausserirdische Lebensform rechts neben dem Mars. Die restlichen Zeitzeugen werden dann als Ureinwohner praesentiert , mit Sichel,Hammer und Zirkel , die weit hinter dem gelobten Land leben.Und die Fachkraefte steigern das Bruttosozialprodukt.

02.10.2017 18:20 Atheist aus Mangel an Beweisen 4

Das was ich noch habe an die DDR halte ich in Ehren.
Es war mein Leben und nach 27 Jahren kann ich sagen ja es war ein gutes Leben, wir hatten keinen Luxus aber eine besseres Schulsystem als heute, die Frauen waren Gleichberechtigter als heute, und die Frauen konnten auch noch Nachts um 12 Uhr alleine Joggen.
--
Wenn ich heute in die Geschichtsbücher meines Enkels schaue frage ich mich immer wo ich denn gelebt habe. Aber so lange ich lebe werde ich meinen Enkel erzählen wie es wirklich war.
Erschreckend ist jedoch festzustellen dass ich im Grunde keinen Historikern mehr glaube da ich als Teil der Geschichte selbst erlebe wie Geschichte umgeschrieben wird.

02.10.2017 16:49 Fragender Rentner 3

Zitat von Oben: Wohin mit den Symbolen der Revolution?

Die können doch nicht verschwinden, ebenso die Geschichte der exDDR, sonst kann man uns doch nicht in irgend eine Ecke mehr stellen.

Wie wird man in 20 Jahren über die exDDR reden, wenn es keine Zeitzeugen mehr geben wird?

02.10.2017 16:47 OHNEWORTE 2

Muss man schon wieder ein paar Akten brisanter Persoenlichkeiten der Vernichtung zufuehren ???

Wieviel Akten sind seit der Wende von der anderen Fakultaet gefuellt worden ??? Bestimmt reichen da nicht die paar Leute aus um die Unterlagen zu durchforsten.Aber,wo kein Klaeger ,oder Sturm , da geht es lustig weiter mit dem Sammeln .....,es dient auch der Geschichtsforschung .

Die braunen Akten wurden verloren bei soviel Sammelei , die ehrenhaften Akten wurden eingestaubt eventuell zur Wiedervorlage. Es ist und bleibt die ewige Motivation der Sammler ,Schild und Schwert der Partei zu sein.

02.10.2017 15:00 HERBERT WALLASCH, Pirna 1

War eine wunderbare, gut bezahlte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Jahrzehnte, natürlich steht dann bei solchen Ankündigungen die Existenzangst im Raum. Aber da hält sich mein Mitleid sehr stark in Grenzen. Das Problem der Geschichtsglättung besteht, einzelne Daten, Personennamen oder Handlungen könnten dann womöglich unauffindbar werden, notfalls für 117 Jahre gesperrt werden, wie unliebsame Akten in Hessen.