In der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen wird ein limitiertes Sammlerstück mit den Gekreuzten Schwertern versehen
Die Blauen Schwerter sind das Markenzeichen von Meissen. Die Staatliche Manufaktur macht Verluste. Bildrechte: dpa

Wie weiter? Porzellanmanufaktur Meissen bleibt Sorgenkind

Die Staatliche Porzellanmanufaktur Meissen ist seit Jahren defizitär. Die Umwandlung von Meissen zu einer Luxusmarke klemmt, im Kerngeschäft Porzellan fehlen Innovationen. Der Freistaat Sachsen aber hält an dem Traditionsbetrieb fest - trotz eines Verlustes im Jahr 2014 von gut 19 Millionen Euro. Sachsens Finanzminister Georg Unland fordert aber zugleich von der Geschäftsführung, die Ursachen für die Verluste abzustellen. Klar benannt wurden die Probleme bisher allerdings nicht - obwohl die Manufaktur seit 2008 Verluste macht.

In der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen wird ein limitiertes Sammlerstück mit den Gekreuzten Schwertern versehen
Die Blauen Schwerter sind das Markenzeichen von Meissen. Die Staatliche Manufaktur macht Verluste. Bildrechte: dpa
"Meissen Couture" eröffnet Nobelshop in Peking.
Passen Seitentücher zu einer Porzellanmanufaktur? Bildrechte: MDR/Birgit Menzel-Dolze

Sachsens Finanzminister Georg Unland will die Porzellanmanufaktur Meissen definitiv als Staatsbetrieb weiterführen. Der CDU-Politiker sagte MDR SACHSEN: "Die Frage ist nur, wie man jetzt damit umgeht." Hoffnung auf schnelle Antworten gibt Unland indes nicht: "Es ist erst einmal der Vorstand, der die Jahresbilanz aufstellen muss. Dann gibt es Wirtschaftsprüfer und zu guter Letzt kommt man erst einmal intern zu einer Einschätzung und das wird dann auch entsprechend veröffentlicht."

Die Ursachen müssten analysiert werden. "Und wenn es Ursachen gibt, müssen sie abgestellt werden." Unland fordert unmissverständlich, dass die Prozellanmanufaktur perspektivisch Geld verdienen müsse. Geschäftsführung und Aufsichtsrat prüften aktuell die 2009 eingeschlagene Unternehmensstrategie auf Nachhaltigkeit. Angeführt wurde bisher lediglich, dass es vor allem Probleme beim Geschäft in Italien gegeben hätte. Der Verkauf neuer Produkte, wie Möbel, Schmuck, Handtaschen und Kleider, brachte jenseits der Alpen nicht die erwarteten Erträge. Als weiterer Grund wurde die 2015 unerwartet geringe Nachfrage aus Russland und China genannt.

Jahresergebnisse der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meissen
Jahr Verlust/Gewinn in Euro
2009 - 7,7 Millionen
2010 - 35.000
2011 1,5 Millionen
2012 - 1,2 Millionen
2013 - 2,2 Millionen
2014 - 19,2 Millionen
Gesamt 1991 - 2014 - 46,6 Millionen

Zuvor ließen die Verantwortlichen die Stimmen von Kritikern regelmäßig verhallen, die einen Umbau der traditionsreichen Porzellanmanufaktur in eine Art "Gemischtwarenladen" für Luxusgüter infrage stellten und eine Konzentration aufs Kerngeschäft mit der Entwicklung neuer und zeitgemäßer Designs forderten.

Personelle Veränderungen gab es in der Zwischenzeit: Der frühere Geschäftsführer Christian Kurtzke ist im vergangenen Frühjahr aus eigenem Entschluss zur Porsche Design Group gewechselt. Er war Verfechter des Umbaus von Meissen zur branchenübergreifenden Luxusmarke und hatte diese angeschoben. Im Herbst wurde dann Aufsichtsrat Kurt Biedenkopf faktisch entmachtet und aus dem Gremium abberufen. Biedenkopf hatte die bisherige Unternehmenspolitik stets gestützt.

Opposition kritisiert Unternehmenspolitik

Die Opposition im Sächsischen Landtag kritisiert die vergleichsweise Gelassenheit des Finanzministers. Sebastian Scheel, finanzpolitischer Sprecher der Linken, erklärte: "Der Staatsminister der Finanzen scheint die Dramatik der Situation bei der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meissen noch nicht erfasst zu haben." Nach den niederschmetternden Ergebnissen des Geschäftsjahres 2014 könne auch ein Finanzminister nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Unland weise jede Verantwortung von sich, verweigere eine Beschäftigungsgarantie für die Belegschaft und jegliche Einschätzungen des Risikos. "Wir haben kein Vertrauen, dass der Minister den Erhalt dieses Traditionsunternehmens gewährleisten kann", so Scheel weiter.

Zeitweise schwand auch der Rückhalt in der Bevölkerung: Für große Verstimmungen hatte die Manufaktur in der Stadt Meißen im Zusammenhang mit einem Markenrechtsstreit um den Namenszug "Meissen" gesorgt. Derzeit herrscht eine Art Burgfrieden. Auch die Zerstörung von Lagerbeständen vor einigen Jahren stieß in der Porzellanstadt auf wenig Verständnis.

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2016, 15:26 Uhr

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6 Kommentare

26.01.2016 09:14 Rasselbock 6

Die Zahlenkolonne ist verheerend. Zumachen diese Kitschbude, und zwar sofort. Tanzende Puppen und ähnliche sogenannte Plastiken, alles Staubfänger. Nur Spiesser brauchen sowas.

26.01.2016 08:08 Frank 5

Mit August dem Starken stand Sachsen immer auf der Verliererseite.

25.01.2016 23:54 waldemar siegert 4

kurtzke und biedenkopf tragen für diese entwicklung persönlich die verantwortung, geld von denen einfordern. haftplichtversichert sind die doch???? erinnert an die sachsen-lb, da war biedenkopf doch auch dabei???? auch milliarden verbrannt, milbradt ist heute noch landtagsabgeordneter, obwohl als finanzminister oberster aufseher der untergegangenen bank. die ostdeutschen sind nach der wende vom regen in die jauche gekommen. abgehalftertes parteivolk aus dem westen okkupierte samt deren lakaien die alte ddr. den rest erledigte dann birgit breuel.

25.01.2016 22:47 Andreas Hickisch 3

Es ist immer das Gleiche. Die Großen versemmeln das Geschäft, und die Kleinen müssen es ausbaden. Wieso kann Soetwas so lange geduldet und geschürt werden?

25.01.2016 19:10 boehmi 2

Ich finde der Markt ist mit Porzellan Produkten uebesersaetigt so das der Verkauf nicht funktioniert. Außerdem sollte die Manufaktur umdenken und auf moderne Produkte umstellen .Im Klartext , immer neue Produkte auf den Markt setzen, die im Design komplett anders sind.

25.01.2016 14:57 Erwin 1

Wie lange sollen hier noch Steuergelder sinnlos verprasst werden?

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