Einschränkungen im Zugverkehr am Hauptbahnhof Dresden
Am Hauptbahnhof Dresden kam der Zugverkehr fast komplett zum Erliegen. Bildrechte: MDR/Sina Meißgeier

OAZ-Ermittlungen Anschläge auf Bahnanlagen brachten Chaos-Tag in Sachsen

Mehrere Brandanschläge auf Bahnanlagen in Leipzig haben den Zugverkehr in Sachsen am Montag fast zum Erliegen gebracht. Zahlreiche S-Bahnen, Regional- und Fernzüge konnten nicht oder nur mit großer Verspätung fahren. Die Polizei vermutet Linksextremisten hinter den Anschlägen. Ein Bekennerschreiben im Internet stellte einen Bezug zum bevorstehenden G20-Gipfel in Hamburg her.

Einschränkungen im Zugverkehr am Hauptbahnhof Dresden
Am Hauptbahnhof Dresden kam der Zugverkehr fast komplett zum Erliegen. Bildrechte: MDR/Sina Meißgeier

Ein Hubschrauber der Polizei stieg in der Nacht zum Montag auf, um nach Brandorten zu suchen. An den Leipziger Bahnanlagen Leutzsch, Wiederitzsch, Slevoigtstraße und Riesaer Straße/Wurzener Straße standen Kabelschächte in Brand. Diese sorgten für Störungen an den Signalanlagen der Deutschen Bahn in ganz Sachsen.

Bereits am Montagvormittag sagte ein Sprecher der Bundespolizei dem MDR, man gehe von Anschlägen aus. Mittlerweile hat das Operative Abwehrzentrum (OAZ) in Sachsen die Ermittlungen übernommen und schließt eine politische Motivation der Anschläge nicht aus. Angaben des Bundesinnenministerium zufolge hat es deutschlandweit 13 Brandanschläge gegeben - neben Sachsen auch in Niedersachsen, Berlin und Nordrhein-Westfalen.

Sachsens Innenminister Ulbig fordert harte Bestrafung

Am Montag haben sich Anhänger der linksextremen Szene im Internet zu den Brandanschlägen auf die Deutsche Bahn bekannt. Auf der Plattform "linksunten.indymedia.org" wurde der Anfang Juli anstehende G20-Gipfel in Hamburg als Anlass genannt. Eine offizielle Bestätigung der Echtheit des Schreibens durch das OAZ steht bislang noch aus.

Sachsens Innnenminister Markus Ulbig ist sich sicher, dass die Taten politisch motiviert waren und schickte eine Warnung in Richtung der radikalen G20-Gegnern: "Das hat nichts mehr mit Globalisierungs- und Gesellschaftskritik zu tun, das ist einfach nur hoch kriminell und erfordert eine harte Bestrafung."

Entfallene Züge und stundenlange Verspätungen

In Sachsen waren die Störungen im Bahnverkehr vor allem in Leipzig und Dresden gravierend. In beiden Städten kam über den Morgen und Vormittag vorübergehend fast der komplette Zugverkehr zum Erliegen. Vier S-Bahn-Linien, darunter die wichtige Pendler-Verbindung Leipzig-Halle, waren unterbrochen. Auch der Regionalverkehr zwischen Leipzig und Dresden sowie der Fernverkehr unter anderem auf der internationalen Strecke Prag-Berlin waren beeinträchtigt. Erst im Laufe des Vormittags konnten einige Verbindungen wieder aufgenommen werden.

Deutsche Bahn: bis Dienstag Zugverspätungen möglich

Die Bahn teilte jedoch mit, dass weiterhin mit erheblichen Verspätungen und Ausfällen gerechnet werden müsse. Es sei noch nicht absehbar, wann sich der Zugverkehr wieder komplett normalisieren werde, sagte eine Sprecherin. Reisende und Pendler sollen auch am Dienstagmorgen auf mögliche Verspätungen achten. MDR SACHSEN hat die noch bestehenden Einschränkungen auf einen Blick zusammengefasst.

Auch Schulklassen von Chaos-Tag betroffen

Einschränkungen im Zugverkehr am Hauptbahnhof Dresden
Bildrechte: MDR/Sina Meißgeier

An den Hauptbahnhöfen Dresden und Leipzig waren nicht nur Reisende und Pendler, sondern auch zahlreiche Schulklassen gestrandet. Weil Züge in die Regionen - unter anderem nach Coswig oder Belgershain - gestrichen wurden, musste an mancher Schule auch Unterricht ausfallen. Am Freien Gymnasium in Leipzig-Borsdorf fiel beispielsweise für die 5. und 6. Klassen die Schule aus, da keine Züge mehr dorthin fahren konnten.

Im Raum Dresden und Chemnitz fielen darüber hinaus Handy-, Festnetz und WLAN von den Anbietern Vodafone und Primacom aus. Die Ausfälle stehen mit den Kabelbränden in Zusammenhang.

Bildergalerie Kabelanschläge sorgen für massive Verspätungen im Bahnverkehr

Seit Montagmorgen lief nichts mehr auf der Schiene. Nach Anschlägen auf Kabelschächte rund um Leipzig kam es zu massiven Verspätungen im Bahnverkehr in ganz Sachsen. Langsam kehrt Normalität zurück und es wird repariert.

Reparaturarbeiten nach Sabotage bei der Bahn im Raum Leipzig
Vergangene Nacht vandalierten Unbekannte an Signalkabeln des Bahnverkehrs rund um Leipzig. Bildrechte: MDR/Dirk Knofe
Reparaturarbeiten nach Sabotage bei der Bahn im Raum Leipzig
Vergangene Nacht vandalierten Unbekannte an Signalkabeln des Bahnverkehrs rund um Leipzig. Bildrechte: MDR/Dirk Knofe
Reparaturarbeiten nach Sabotage bei der Bahn im Raum Leipzig
Christian Meinhold von der Bundespolizei sagte MDR SACHSEN: "Kabelschächte und Stellwerke waren Ziel dieser Anschläge. Man sieht die hohe kriminelle Energie, die auch das Operative Abwehrzentrum ins Boot geholt hat. Die weiteren Ermittlungen werden an dieser Stelle geprüft." Bildrechte: MDR/Dirk Knofe
Reparaturarbeiten nach Sabotage bei der Bahn im Raum Leipzig
Während der Regional- und Fernverkehr in ganz Sachsen noch massiv verspätet ist, laufen die Reparaturarbeiten auf Hochtouren. Bildrechte: MDR/Dirk Knofe
Einschränkungen im Zugverkehr am Hauptbahnhof Dresden
Zahlreiche Reisende und Pendler standen mit fragenden Gesichtern vor den Anzeigetafeln der Deutschen Bahn. Hier zum Beispiel am Dresdner Hauptbahnhof. Bildrechte: MDR/Sina Meißgeier
Einschränkungen im Zugverkehr am Hauptbahnhof Dresden
Auch Schulklassen mussten stundenlang auf ihre Züge warten. Bildrechte: MDR/Sina Meißgeier
Einschränkungen im Zugverkehr am Hauptbahnhof Dresden
Dass der Zugverkehr komplett eingestellt wurde, stimmte nicht ganz. Vereinzelt fuhren Züge, aber mit massiver Verspätung. Die Reisenden beklagten die fehlenden Informationen an den Bahnhöfen. An den Reisezentren bildeten sich lange Schlangen. Bildrechte: MDR/Sina Meißgeier
Bahn
Langsam kehrt die Normalität zurück. MDR SACHSEN informiert Sie über aktuellen Einschränkungen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - das Sachsenradio | Nachrichten | 19.06.2017 | ab 6 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 19.06.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2017, 20:10 Uhr

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29 Kommentare

20.06.2017 15:29 MuellerF 29

@28: Ach was- der Saftladen DB bekommt auch sonst zu Recht genug Zunder aus der Öffentlichkeit: für hohe Preise, Verspätungen, überfüllte Züge, nicht vorhandene bzw. eingestellte Nahverkehrsverbindungen usw. .
Aber hier konnten sie ausnahmsweise mal nichts dafür ;)

20.06.2017 12:07 Matthias Korn 28

Ich denke, die Verantwortlichen schieben den genannten Extremisten die Schuld zu, um ihre eigene Unfähigkeit zu verstecken. Nach einem Tag mit solchem Chaos ist man dankbar, wenn überhaupt noch ein Zug fährt und regt sich über die alltäglichen 1-2stündige Verspätungen nicht mehr auf, sondern sagt artig "Danke" dafür, dass überhaupt noch etwas geht. Also: Nicht von der Bahn und der diese deckenden Politiker hinters Licht führen lassen!

20.06.2017 11:21 MuellerF 27

Auch wenn ich dem G20-Treffen selbst kritisch gegenüber stehe- was genau haben diese Brandanschläge jetzt "im Kampf gegen das System" gebracht? Ja, ein wenig wirtschaftlichen Schaden für Unternehmen, die versichert sind & tausendfache Unannehmlichkeiten für Bahnreisende & Telekommunikationsnutzer, die sicherlich viel Verständnis (höhö) für den politischen Hintergrund aufbringen werden. Dümmliche Revoluzzer-Folklore, sonst nichts!

20.06.2017 09:18 D.o.M. 26

Das Uniklinikum Jena hatte gestern einen Totalausfall des Telefonnetzes. Warum darf man, angesichts dessen, was das für Folgen in einem Klinikum haben kann, nicht von einem Terroranschlag sprechen ? Weil sich keine rechte Urheberschaft nachweisen läßt ?

20.06.2017 09:03 Klaus 25

@18, die Fakten sind klar:

1. Bekennerschreiben
2. Zeitpunkt (G20 Hamburg)
3. Ort: Leipzig (Hochburg)
und vor allem
4. so viel Unreife kann nur von den Linken kommen.

20.06.2017 07:02 Klaus 24

Ich war selbst betroffen vom Telefonausfall und somit ziemlich sauer. Weiter so, Ihr linken Brüder. Ein Grund mehr AfD zu wählen!

19.06.2017 21:40 Friseurmeister 23

Das war wieder Wahlwerbung vom Feinsten! Vielen Dank, linke "Aktivisten"...

19.06.2017 21:00 Dresdner 22

Gegen 7.45 am Hbf. Zwei ältere Damen wollten nachmittags ihr Schiff in Passau erreichen, fuhren mit einem Kollegen nach Hof, wie mir der Taxifahrer erzählte, der mich "nur" paar S-Bahnstationen fahren musste. Auch die Güterzüge im Hbf. bzw. aus/in Richtg. Tschechien waren jedenfalls um die Zeit betroffen. Das war tatsächlich ein Angriff auf den Lebensvollzug aller. Die "westlich-zivilisierte Welt" in ihrer gegenwärtigen Gestalt zu treffen ist aber genau jetzt nicht nur erklärtes Ziel der Linken und der Islamisten, sondern auch das der Rechten und Russlands. Wohl auch deswegen ist zumindest die Berliner Polizei und die sächsische (hinsichtlich Markkleeberg) deutlich zurückhaltender in jetzigen Schuldzuweisungen. War sie in jüngerer Zeit übrigens öfter auch wegen der Anschläge auf AfD und so. Jedenfalls sollten hier die Ermittlungen durch den Generalbundesanwalt und das BKA gebündelt werden. Vllt. muss mal der VS seine Kenntnisse wenigstens offen legen und der BND einbezogen werden...

19.06.2017 19:57 Buergerx 21

Haben der Mediator, Wessi und wie sie alle heissen, nichts zum Thema zu sagen? Ich sage, übernehmen Sie Herr Maas, sonst kann es Ihnen ja auch nie zu schnell gehen, irgendwelche Straftäter zu maßregeln. Verdächtig ruhig in den Ministerien, kommt nicht der übliche schnelle Aufschrei?

19.06.2017 18:28 Maria A. 20

"Großer Klaus", vielleicht sollten Sie sich umbenennen? Vielleicht in "Kleiner Klaus", weil Sie
so engherzig denken? Für den Normalbürger sind eben einfach zu viele Anzeichen vorhanden für eine linke Aktion. Selbst wenn sich die Medien schwer getan hätten mit der Mitteilung, würde der Großteil der Bürger nicht davon abrücken, dass es die Linksextremen waren. Wen würden Sie vorschlagen? Mittlerweile kennen wir leider ja zur Genüge die "Täterhandschriften", oder? Salafisten machen schlimmere Sachen, Rechte wieder andere. Autos anzünden und bei der Reichsbahn sabotieren - dafür stehen zumeist linke "Pappenheimer"...