Umfrage der sächsischen Staatsregierung "Sachsen-Monitor": Probleme mit Demokratie und rechte Ressentiments

Die Sachsen haben wenig Vertrauen in die Demokratie und weisen eine starke gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit auf - vor allem gegenüber Muslimen. Das sind Ergebnisse des sogenannten "Sachsen-Monitors", der am Dienstag in Dresden vorgestellt wurde.

Starke Hand und starke Partei

Im Auftrag der Staatsregierung hatte das Meinungsforschungsinstitut dimap von Anfang August bis Anfang September erstmals politische Einstellungen der Bevölkerung und ihre Haltung zur Demokratie abgefragt. Dabei vertraten 62 Prozent der gut 1000 Befragten die Meinung, dass Deutschland eine "starke Partei" brauche, die "die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert". Ebenso viele wünschten sich "eine starke Hand".

Zugleich meinten aber 85 Prozent auch, dass eine lebensfähige Demokratie ohne politische Opposition nicht denkbar wäre. An diesem Widerspruch zeige sich auch ein möglicherweise mangelndes Verständnis der demokratischen Grundordnung, sagte Frank Richter, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung und Leiter des Beirates zum Monitor.

"Viele können offenbar nicht nachvollziehen, wie politische Entscheidungen zustande kommen. Sie haben den Eindruck, dass ihre eigenen Interessen nicht zum Zuge kommen." Er mahnte eine deutliche Verbesserung der politischen Bildung nicht nur in Schulen an.

Alarmierende Ergebnisse

Die Ergebnisse zu extrem rechtem, gruppenbezogen menschenfeindlichem und rassistischem Gedankengut nannte Richter "alarmierend". 69 Prozent der Befragten glaubten nicht, dass die in Deutschland lebenden Muslime "unsere Werte" akzeptierten. 39 Prozent sind dafür, Muslimen die Zuwanderung zu untersagen. 18 Prozent der Sachsen glauben, dass Deutsche "anderen Völkern von Natur aus überlegen" sind.

Laut Umfrage haben vor allem Jugendliche Vorurteile gegenüber religiösen Gruppen wie Muslimen und Juden. Der Aussage "Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden" stimmten 39 Prozent der Sachsen, aber 46 Prozent der 18- bis 29-Jährigen zu. Ein Drittel der jungen Menschen und ein Viertel aller Sachsen finden, dass "Juden versuchen, Vorteile daraus zu ziehen, dass sie während der NS-Zeit die Opfer gewesen sind".

Einstellungen nicht auf Sachsen beschränkt, aber "ein bisschen extremer"

Dimap-Geschäftsführer Reinhard Schlinkert sagte: "Man soll sich auch keine Illusion machen, dass diese ganzen Einstellungen nur auf Sachsen begrenzt sind". Im Freistaat seien sie "vielleicht in manchen Ausprägungen etwas stärker als im Rest der Bundesrepublik". Befragungen zeigten aber immer wieder, dass rund die Hälfte aller Deutschen der Aussage "Es macht mir Angst, dass so viele Flüchtlinge kommen" zustimmten. Vor dem Hintergrund des relativ geringen Ausländeranteils in Sachsen seien die Ressentiments gegenüber Fremden jedoch schon "ein bisschen extremer".

Wirtschaftliche Lage und persönliche Situation: Gut

Sowohl die wirtschaftliche Lage im Freistaat als auch ihre persönliche Situation sehen rund Dreiviertel der Sachsen als gut an. Ebensoviele blicken optimistisch in die Zukunft. 94 Prozent machen sich jedoch Sorgen, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander gehen wird. Dreiviertel der Befragten befürchten, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt verloren geht.

Politik will auswerten und politisch bilden

Staatskanzleichef Fritz Jaeckel (CDU) verwies darauf, dass die Regierung in der Sicherheits-, Bildungs und Sozialpolitik bereits Weichen zur Förderung des Zusammenhalts gestellt habe. Jetzt würden zunächst "jede Zahl" des "Sachsen-Monitors" ausgewertet und die Anstrengungen zur politischen Bildung fortgesetzt, sagte er. "Wir brauchen in einer entgrenzten Welt offene Diskussionen über Chancen und Risiken von Zuwanderung, von Globalisierung - aber auch über Anstand, Werte und positive Identitäten." Jaeckel kündigte an, dass es weitere Erhebungen dieser Art geben solle. Ein fester Rhythmus für den "Sachsen-Monitor" sei jedoch noch nicht beschlossen. Er fände es aber gut, wenn die Ergebnisse der nächsten Befragung in zwei Jahren, noch vor Ende der laufenden Legislatur vorliegen würden.

Zuletzt aktualisiert: 22. November 2016, 19:37 Uhr

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76 Kommentare

24.11.2016 16:42 Wieland der Schmied 76

(Teil 2) Man informiert die Bevölkerung nicht über ausufernde Kriminalität(s. Domplatte) , über die horrenden Kosten und die Auswirkungen auf den Arbeitsmatkr bei nachlassenderKonjunktur. Das Volk fühlt sich nicht nur unzureichend weil einseitig informiert, man hat schon wieder Angst, seine Meinung frei in der Öffentlichkeit zu äußern .
Diese Mißstände haben PEGIDAund AfD erst hervorgebracht. Man entzieht sich der Diskussion durch Difammierung, Verleumdung und dem Anhängen mißliebiger Eigenschaften wie Fremdenhass, Nazirestauration, Gewaltbereitschaft u.ä.
Sie können natürlich auch mit auf dieser einseitigen und unzutreffenden Schuldzuweisung und der Verdeckung eklatanten Fehlverhantens der Regierenden beharren. Die Erfahrung aus zwei Jahren AfD und PEGIDA belegen, dass es ihnen jeweils Unterstützung gebracht hat und es gibt auch weitere Wahlen, hoffentlich.

24.11.2016 16:39 Wieland der Schmied 75

Also, diesen Satz am Anfang dieses Artikels kann ich nicht unwidersprochen lassen: „Die Sachsen haben wenig Vertrauen in die Demokratie und weisen eine starke gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit auf - vor allem gegenüber Muslimen.“ Die Allgemeingültigkeit der Satzaussage „die Sachsen haben zu wenig Vertauen in die Demokratie“ist der stärkste Tobak seit langem und sollte schon korrigiert werden. Denn die Sachsen haben sehr wohl ein sehr starkes Verlangen nach Demokratie, aber sehen das weder durch die Staats- noch die Landestregierung verwirklicht und sind dafür 1989 und seit 2014 wieder auf die Staße gegangen. Eklatante Mißstände sind die ohne demokratisch legitimierte Beschlüsse des BTs herbeigeführten Entscheidungen der alleinherschenden Kanzlerin in Fragen ESM, Griechenlandfinanzierung, , Flüchtlingschaos u.v.a.m. (Teil 2)

24.11.2016 09:29 Ekkehard Kohfeld 74

@ Mediator 67 Was waren jetzt noch einmal die Argumente die Sie in ihrem Beitrag Nr. 63 genannt haben? Keine? Ach so - Sie wollten nur meine Person beleidigen. Nur zu, bevor Ihnen der Kopf vor Wut platzt.##Hallo Medilator,nein mir platz bestimmt nicht der Kopf vor Wut eher vor Freude das ich sie geärgert habe,solch Leute wie sie darf man nicht gewähren lassen sie sind eine Gefahr für die Demokratie man muss sie mit allen demokratischen Mitteln bekämpfen.Sie kann ich mir nur Wutschnaubend vor dem PC sitzen vorstellen und kurz davor in die Tastatur zu beißen weil hier bei niemandem ihre Gehirnwäsche fruchtet,guten Appetit wünsche ich.

23.11.2016 22:38 Günter von der Ruhr 73

Ja walter dann sind wir uns ja alle einig. Wir sind alle tolerante Menschen. Wir sind alle bereit andere Menschen zu gestatten anders zu sein und was anderes zu glauben. Dann ist doch alles prima.

23.11.2016 21:51 Steigermann @ Berndimann 72

@61, Bernd:

Achso und noch was zu Deinem hinkendem Beispiel aus Bitterfeld:

Nur mal angenommen, Deine absichtlich nach unten korrigierte Wahrnehmung zum Ausländeranteil (aus Deinem Industriedorf Bitterfeld) entspräche dem "Echtbetrieb", ist das noch längst nicht mit anderen STÄDTEN vergleichbar, wo ich Dir eine gegensätzliche Wahrnehmung garantiere.

Weiterhin sind in Deiner Wahrnehmung schonmal gar nicht die Menschen erfasst, die eben nicht ausländisch aussehen, aber eben Ausländer sind.

Als nicht-hinkendes Beispiel können wir hier die Stadt Zittau heranziehen:
Denn in Deiner Wahrnehmung laufen hier an Dir sehr wahrscheinlich Polen und Tschechen vorbei, ohne das sie in Deine betreffende Statistik mit einbezogen werden.
Subjektiv? In jedem Fall! Und trotzdem alleine schon deshalb ein höherer Wert als tatsächlich von Dir wahrgenommen!

23.11.2016 21:35 walter 71

Entschuldigung an MDR hatte @62 überlesen. Gilt natürlich auch für diesen Kommentar.
Der Kommentator 10 hat nichts von Hass geschrieben!!!!

Ich mag auch HardRock nicht und höre eher deutschen Schlager.
Jetzt kommen Sie bestimmt, dass zeigt die politische Einstellung

23.11.2016 21:29 Username vergeben 70

@110: Und ausgerechnet unser sprichwörtliche Horst will ein "normaler Bürger" sein. Das sich die Bezeichnung "Andersdenker" für Rassisten und Nazis langfristig durchsetzen wird, glaube ich übrigens nicht. Einen schönen Abend noch!

23.11.2016 21:23 Steigermann@Berndiboy 69

Da Du vor Deiner versuchten Argumentation sehr wahrscheinlich Wiki aufgesucht hast, wird Dir sicherlich auch nicht entgangen sein, dass Deine "~800 000 Menschen" (oder eben ~400 000 Haushalte) nur 1% der Privathaushalte in DE betrifft! IN DEUTSCHLAND!!!
Wir reden hier also von einer gesamt-deutschen Zahl!!!!!! Und nicht von einer sächsischen Erhebung.

Unabhängig davon Berndi, kann ich ich als "Amt" nur die Personen an dieser statistischen Um-/Abfrage teilnehmen lassen/einbeziehen, deren Daten ich auch (registriert) habe.

Nun kommen wir wieder zu meinem Kommentar 7 (gleich erster Absatz!) - das liest Du Dir vor Deiner nächsten Antwort nochmal durch, überlegst recht lange, denkst dann nochmal über das bereits nachgedachte nach und antwortest erst anschließend.

Um aber auch auf Deine Frage zu antworten:
Natürlich ist meine "Beobachtungszahl" im geringen Ausmaß. Dafür ist meine Auffassungs- und Beobachtungsgabe außerordentlich gut!

Jetzt Du!

23.11.2016 21:16 walter 68

Und in dem Kommentar 24 -Günter von der Ruhr- sehe ich das alles entscheidende Problem.
@10 hat sinngemäß geschrieben, dass er Muslime nicht mag.
Wo ist an einer freien Meinungsäußerung ein Problem?
Wieso wird ihm gleich Hass unterstellt und diese Äußerung als krank bezeichnet?
Warum muß er seine Gefühle begründen?
Warum liebt man seinen Lebenspartner und nicht einen anderen? Das sind Gefühle und teilweise nicht zu begründen.
Und Herr von der Ruhr mag bestimmt keine AFD-Wähler, vielleicht hasst es diese auch, aber deshalb bezeichnet Ihn auch keiner als krank.

23.11.2016 20:45 Mediator an Ekkehard Kohfeld (63) 67

Im Gegensatz zu Ihnen habe ich aber begründet, warum ich Dreißiger(53) abspreche für DIE Sachsen sprechen zu können.

Weiterhin habe ich den Satz mit Einbildung ist auch eine Bildung bei einem Kommentator verwendet, der einen wirklich dummen Vorschlag gemacht hat.
Angeblich sollte eine Mauer zum Westen alle Probleme des Ostens lösen, weil dieser ja wirtschaftlich potent sei. Dumm nur, dass z.B. Sachsen 40% seines Haushaltes durch andere Bundesländer finanziert bekommt. Dies habe ich ihm auch so dargelegt.

Was waren jetzt noch einmal die Argumente die Sie in ihrem Beitrag Nr. 63 genannt haben? Keine? Ach so - Sie wollten nur meine Person beleidigen. Nur zu, bevor Ihnen der Kopf vor Wut platzt.