Tarifkonflikt : Lufthansa und Flugbegleiter setzen auf Schlichter
Der dritte Streiktag der Lufthansa-Flugbegleiter ist der bisherige Höhepunkt im Tarifkonflikt. Am Freitag wurden bundesweit alle Airports bestreikt. Etwa 1.000 Flüge fielen aus, 100.000 Passagiere waren betroffen. Am frühen Abend einigten sich beide Seiten auf eine Schlichtung. Damit ist für die nächsten Tage wieder ein normaler Flugbetrieb gesichert, denn während des Schlichtungsverfahrens gilt Friedenspflicht.
Eine Schlichtung soll den Tarifkonflikt bei der Lufthansa lösen. Am bislang heftigsten Streiktag vereinbarten die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO und die größte deutsche Fluggesellschaft ein Schlichtungsverfahren. Damit sind vorerst weitere Arbeitsniederlegungen abgewendet, denn während der Schlichtung gilt Friedenspflicht.
Die Tarifparteien streben nach eigener Aussage bis zum 12. September eine Einigung über die Verhandlungsgegenstände an. Über die Person des Schlichters solle bis Ende kommender Woche entschieden werden. Als möglicher Kandidat gilt der frühere SPD-Chef Franz Müntefering. Im Schlichtungsverfahren soll es den Angaben zufolge nur um eine Vergütungsvereinbarung und eine Ergebnisbeteiligung gehen. Über die anderen strittigen Themen soll parallel verhandelt werden. Ein Kernpunkt des Konflikts ist die Auslagerung von Kabinenpersonal in neugegründete Firmen. Diesen Schritt sieht die Lufthansa als unternehmerische Entscheidung, die nicht Gegenstand von Tarifverhandlungen sein könne.
Rund 1.000 Flüge ausgefallen
Mit ihrem bisher größten Streik sorgten die Flugbegleiter der Lufthansa am Freitag für erhebliche Behinderungen im Flugverkehr. Konzernsprecher Klaus Walther sagte, etwa die Hälfte der insgesamt 1.800 Flüge sei ausgefallen mit 100.000 Passagieren. Walther sprach von einem "schwarzen Tag". Zu Beeinträchtigungen kam es auch auf den Flughäfen Leipzig-Halle und Dresden, wo insgesamt 26 Flüge abgesagt werden mussten.
Für die Lufthansa war es der bisher größte Ausfall ihrer Geschichte. Der Streiktag verursachte zweistellige Millionenverluste, die Buchungszahlen gingen zurück. Unter dem Eindruck des Großstreiks zeigte sich die Konzernleitung daher bereits am Freitagnachmittag zu Zugeständnissen bereit. Vorstandschef Christoph Franz bot für den Standort Berlin einen Verzicht auf Leiharbeit an.
Bahn mit rund 10.000 zusätzlichen Fahrgästen
Um ein Chaos auf den Flughäfen abzuwenden, hatte die Fluggesellschaft rund 55.000 ihrer Passagiere per SMS informiert. Viele Kunden buchten um. Die Konkurrenzgesellschaft Air Berlin übernahm zusätzliche innerdeutsche Flüge. Zudem konnten Flug-Tickets im innerdeutschen Bahnverkehr gegen Fahrscheine umgetauscht werden. Die Bahn meldete rund 10.000 zusätzliche Passagiere, besonders auf den Strecken Frankfurt-München und Frankfurt-Berlin. Auch die Auto-Vermietungen freuten sich über zusätzliche Kunden.
UFO will höhere Löhne durchsetzen
In dem Tarifkampf fordert die Gewerkschaft höhere Löhne für die rund 18.000 Beschäftigten im Bordservice und einen Verzicht auf die Auslagerung von Stellen. Nach Ansicht des Managements sind hingegen Einschnitte nötig, da die Lufthansa sonst nicht mehr konkurrenzfähig sei. Die Airline legte deshalb ein Milliarden-Sparprogramm auf. Sie will unter anderem beim Kabinenpersonal den Zeitraum für Lohnerhöhungen strecken. Zudem setzt das Management verstärkt auf Leiharbeiter. Die erhalten das gleiche Gehalt wie Festangestellte, haben aber nur befristete Verträge.
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