Sachsen

Jahrhundertflut vor zehn Jahren : Gedenken an die Flut - Radtour durchs Müglitztal

Sachsen erinnert in den nächsten Wochen und Tagen mit vielen Veranstaltungen an die verheerende Jahrhundertflut vor zehn Jahren. Vor allem in den damals am ärgsten getroffenen Orten entlang der Elbe und ihrer Nebenflüsse sind Gottesdienste und Gedenkstunden geplant. Auf einer Erinnerungsradtour hat Regierungschef Stanislaw Tillich die Sachsen abermals zur Eigenvorsorge vor drohenden Unwetterschäden aufgerufen.

Am Sonntag haben die Gemeinden des 2002 schwer verwüsteten Müglitztals im Osterzgebirge zu einer gemeinsamen Erinnerungs-Radtour eingeladen. Hunderte Menschen folgtendem Weg des damaligen Hochwassers von Altenberg nach Heidenau. Als prominentester Teilnehmer war Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich dabei. Sachsen habe aus der Unwetterkatastrophe gelernt und die Hochwasser-Vorsorge im Freistaat als ein komplexes System weiter entwickelt, sagte der CDU-Politiker. "Wir gehen seit 2002 bewusster mit einem dauerhaft bestehenden Hochwasserrisiko um." Tillich erklärte weiter, ihm sei es wichtig, dass auch bei schönem Wetter den Menschen dieses Risiko in bestimmten Gebieten Sachsens bewusst ist und jeder deshalb auch eine eigene Vorsorge trifft.

Auch die Pirnaer waren am Sonntag zu einem Gedenkstunde in der Marienkirche zusammengekommen.

MDR-Spezial: Die Jahrhundertflut - 10 Jahre danach

Im Sommer 2002 wurde Mitteldeutschland von einer Hochwasser-Katastrophe heimgesucht. Der MDR erinnert an dieses Ereignis, erzählt die Geschichten Betroffener und von Helfern. Erfahren Sie mehr darüber im MDR-Spezial. [mehr]


Schon am Sonnabend hatte im Döbelner Stadtmuseum eine Fotoausstellung mit Bildern der damaligen Katastrophe geöffnet. Zuvor hatte die Stadt zu einer Gedenkstunde für die Ereignisse vom August 2002 ins Rathaus eingeladen, anschließend wurde ein Bürgerfest gestartet. In Meißen fand ein Open-Air-Konzert unter dem Titel "Liederflut" statt, bei dem an die Überflutung der Stadt durch die Triebisch und die Elbe vor zehn Jahren erinnert wurde.

Das an der Weißeritz gelegene Freital gedachte mit einer Filmvorführung und einer Lesung der Ereignisse. Die Weißeritz hatte ufernahe Bereiche in Freital und Teile Dresdens verwüstet, ihre Wassermassen waren einem alten Flussbett folgend unter anderem durch den Dresdner Hauptbahnhof geschossen. Bereits Freitag wurde in der Grimmaer Klosterkirche die Foto-Ausstellung "WasserZeichen" eröffnet. Die etwa 60 Bilder entstanden während des Hochwassers und in den Tagen danach.

Tillich
MDR aktuell

Gedenken an die große Flut

Vor zehn Jahren haben Wassermassen Sachsen überflutet und hinterließen Schäden und Leid. An diesem Wochenende wurde an die dramatischen Ereignisse von damals erinnert.

12.08.2012, 19:30 Uhr | 01:17 min

Grimma weiht Pöppelmannbrücke ein

In der Landeshauptstadt öffnet ab 17. August die Ausstellung "Dresden - Zehn Jahre nach der Flut" mit vielen Informationen und Exponaten. Die Muldestadt Grimma, die zu den am schwersten zerstörten Orten zählte, erinnert am 18./19. August an das Hochwasser. Dort wird die von den Fluten zerstörte und nun sanierte Pöppelmannbrücke eröffnet. Das knapp 300 Jahre alte Bauwerk stand lange Zeit nur noch als Ruine da. Eine Performance am Flussufer mit Lichtprojektionen, Fotos und Film lässt außerdem die Tage der Katastrophe Revue passieren. Zu einer weiteren Veranstaltung lädt der Landkreis Nordsachsen nach Eilenburg ein. Dort ist ein ökumenischer Gottesdienst mit Gedenkstunde geplant.

Versicherung
MDR aktuell

Grimma - zehn Jahre nach der Flut

Auch Grimma war 2002 von der Flut betroffen. Damals wussten viele nicht, wie es weiter gehen sollte. Heute aber ist die Kleinstadt im Muldental ein echtes Schmuckstück.

12.08.2012, 21:45 Uhr | 02:33 min

Bilanz: Sechs Milliarden Euro Schaden

Die sogenannte Jahrhundertflut richtete in Sachsen Schäden von mehr als sechs Milliarden Euro an. Nach Rekordregenfällen am 12. August 2002 waren Bäche und kleinere Flüsse zu reißenden Gewässern geworden. Tausende Häuser, Straßen und Brücken wurden zerstört oder beschädigt. Einige Tage später war die Elbe so stark angeschwollen, dass sie weitläufig über die Ufer trat und flussnahe Stadtteile flutete.

MDR FERNSEHEN | Serie: Land in Sicht! - Was kam nach der Elbeflut?

Reporterin Susann Blum hat sich auf eine Reise in die Vergangenheit begeben. Im Kajak folgte sie 330 Kilometer dem Flusslauf der Elbe. Am Ufer traf sie Menschen und ihre Geschichten zur Jahrhundertflut im Sommer 2002. [mehr]


Dresdens früherer Oberbürgermeister Ingolf Roßberg sieht die Hochwasserkatastrophe von 2002 im Nachhinein auch positiv. Die ersten Tage sei es "ein maßloser Fluch" gewesen, sagte er in einem Interview mit der "Sächsischen Zeitung". Der FDP-Politiker resümiert: "Aber wenn man es sich für die Stadt insgesamt anschaut, war es ein Segen." Das, was gemeinsam geschafft worden sei, "ist unglaublich". Das Sofortprogramm des Bundes zur Beseitigung der Hochwasserschäden sei die Chance gewesen, einen zweiten Aufbau Ost zu starten, sagte Roßberg. "Mit den Fluthilfen hat Dresden auch den Sprung in die Topriege der deutschen Großstädte geschafft."

Döbeln
SACHSENSPIEGEL

Döbeln erinnert mit Bürgerfest an die Flut

August 2002 - vor zehn Jahren wurde Sachsen schwer vom Hochwasser getroffen. Döbeln feiert mit einer Dankeschön-Veranstaltung samt THW, Feuerwehr und anderen fleißigen Helfern.

11.08.2012, 19:00 Uhr | 03:22 min

Zuletzt aktualisiert: 12. August 2012, 22:35 Uhr

2. Heinz Faßbender:
War der Tillich denn damals auch als Helfer unterwegs oder hat er sich wie in den "Revolutionstagen" lächelnd im Büro verkrochen und Radelt jetzt nach SED – Politik- Verlogenheitsprinzip alles ab ? Kann mir das jemand beantworten?
12.08.2012
10:17 Uhr
1. Zaumiline:
Leider haben nicht alle das Thema verarbeitet und auch die Regierung sollte sich schämen einige von uns Hochwasseropfern so im Stich gelassen zu haben.Wir haben es am eigenen Laib gespürt.Erst hat man uns das Geld gegeben und dann, muß man alles zurückzahlen.Weil natürlich auf einmal das eindringende Grundwasser ja nicht so schlimm war.Nur weil bei uns kein Schlamm und Dreck im Haus war sind wir keine Hochwasseropfer und damit nicht berechtigt von der SAB oder vom Staat irgend etwas zu bekommen.Wir haben es bis heute nicht geschaft die 5000,00 Euro soforthilfe der SAB zurückzuzahlen. Und es wird immer mehr was wir zurückzahlen sollen.Das ist unser Staat,es kotzt einen manchmal nur nochan. Wirkliche Hilfe haben doch die wenigsten richtig bekommen.Wieviele von den versprechen sind für uns in Erfüllung gegangen-KEINE- Im Gegenteil wir müßen draufzahlen.Wie immer nur leere Versprechen-Es wird keinem schlechter gehen als vorher.Da können wir nur lachen. Gruß Heidi
11.08.2012
18:47 Uhr

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Jahrhundertflut legte Bahnnetz lahm

Die Deutsche Bahn bezeichnet sich selbst als das am stärksten von der Jahrhundertflut betroffene Unternehmen. Die Bilanz: 130 Kilometer unterspülte Bahndämme, 94 beschädigte Brücken, 700 Kilometer überflutete Strecken, 25 beschädigte Elektronische Stellwerke und 240 kaputte Weichen. 200 Bahnhöfe wurden in Mitleidenschaft gezogen, Bilder des von der Weißeritz unter Wasser gesetzten Dresdner Hauptbahnhofs gingen um die Welt. 16 Lokomotiven und Triebwagen, darunter auch Diesel-ICE, waren nicht mehr einsatzfähig. Zahlreiche Waggons wurden geflutet. Von der Müglitztalbahn musste eine Triebzug per Tieflader abgeholt werden, weil ihm die Rückfahrt abgeschnitten war. Die Sanierungsarbeiten dauerten Jahre. Bei Glauchau ging die Muldentalbahn Richtung Leipzig nie wieder in Betrieb.

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