Sachsen

Erinnern : Chemnitz gedenkt mit Friedenstag der Zerstörung 1945

In Chemnitz ist mit einem Friedenstag an die Bombardierung der Stadt kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges erinnert worden. Auf dem städtischen Friedhof wurde bei einer Kranzniederlegung der mehr als 2.100 Menschen gedacht, die beim Luftangriff in der Nacht zum 6. März 1945 ums Leben gekommen waren.

Von Friedenskreuz bis Kundgebung

Gegendemonstranten protestieren gegen einen Naziaufmarsch in Chemnitz
Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin hatte die Bürger aufgerufen, für Demokratie auf die Straße zu gehen.

Die meisten Gedenkveranstaltungen spielten sich am Dienstag in der Innenstadt ab. Dort war ein begehbares Friedenskreuz aufgebaut worden. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig hatte die Bürger aufgerufen, für Demokratie und gegen Rechtsextremismus auf die Straße zu gehen. Ihrem Aufruf waren nach Polizeiangaben mehrere Tausend Menschen bis zum Dienstagabend gefolgt. Unter dem Motto "Es ist unsere Stadt - Nazis haben hier keinen Platz" demonstrierten die Chemnitzer dabei auch gegen den für den Dienstagabend angekündigten Neonazi-Aufmarsch. Der Rektor der TU Chemnitz, der Südafrikaner Arnold van Zyl, mahnte in seiner Rede in der Innenstadt an, dass jeder Chemnitzer, jeder Deutsche und Europäer sich persönlich für Menschenrechte einsetzen könne.

Linkes Bündnis demonstriert gegen Rechts

Auftakt zum Protest gegen Neonaziaufmarsch am 5. März 2013 in Chemnitz
Gegendemonstranten gegen den Nazi-Aufmarsch

Am Neonazi-Aufmarsch beteiligten sich nach Polizeiangaben am Dienstagabend rund 200 Rechtsextreme. Das linke Bündnis "Chemnitz Nazifrei" hatte im Vorfeld angekündigt, gegen die Rechten zu demonstrieren. 600 Demonstranten hatten sich zwischenzeitlich eingefunden. Einen Aufruf, die Rechtextremen mit Blockaden aufzuhalten, wie etwa in Dresden am 13. Februar, gab es vom Chemnitzer Bündnis nicht. Politiker der Linken und der Grünen wollten sich an den Protesten beteiligen. Die Demonstrationen verliefen friedlich. Die Polizei hatte angekündigt, alle angemeldeten Versammlungen und Aufmärsche zu schützen.

Zehn Luftangriffe auf Chemnitz

Luftaufnahme der zerstörten Chemnitzer Innenstadt von 1945.
Luftaufnahme der zerstörten Chemnitzer Innenstadt von 1945.

Chemnitz wurde zwischen dem 6. Februar und dem 11. April 1945 insgesamt zehn Mal aus der Luft angegriffen. Dabei kamen rund 4.000 Menschen ums Leben. Den schwersten Angriff flogen die Alliierten am Abend des 5. März. Waren es am Vormittag noch circa 250, so bombardierten am Abend ab 21:37 Uhr um die 700 Flugzeuge die Stadt. Der abendliche Angriff dauerte 31 Minuten, zerstörte 80 Prozent der Innenstadt und kostete 2.100 Menschen das Leben. Noch heute sind in Chemnitz die Narben durch riesige Baulücken im Stadtbild sichtbar.

Zuletzt aktualisiert: 05. März 2013, 21:54 Uhr

9. 3 Affen:
Die Agonie der Sicherheits und Rechtsbehörden spricht Bände. In dieser langen Zeit konnten sich die Nazis nicht nur an Parlaments und Parteienschreibtischen, sondern auch im bewaffneten Untergrund auf ihr menschenverachtendes Wirken vorbereiten. Die Frage müsste also jetzt gelöst sein, wie konnte es passieren dass, ...durch bewusstes Wegsehen der Strafbehörden und passive Unterstützung der Strafverfogungsbehörden, die Nazigegner beobachten lies und gern ins Gefängnis bringen wollte. Man denke nur daran, das schwerste Naziverbrechen unbearbeitet auf den Gerichten herumlagen während darüber diskutiert wurde, ob Sitzmahnstreik legal oder illegal sei...Konsequenzen, bislang keine...
06.03.2013
11:45 Uhr
8. klausen:
Die Stadt Chemnitz versucht es wie auch die Stadt Dresden eine Veranstaltung am Tag der Bombardierung als DIE Zentrale,Offizielle,Einzige aussehen zulassen. Alle Medien ob MDR,Sachsen Fernsehen oder auch Zeitungen sprechen vom "Chemnitzer Friedenstag" das dieser "Friedenstag" eine Veranstaltung von sehr vielen ist, scheint den meisten völlig egal!? Ich kann am 5.3. in Chemnitz und am 13.02. in Dresden keinen "Friedenstag" veranstalten den an einem solchen Tag müssen alle Bürger_innen zusammen stehen und gemeinsam den Aufmarsch verhindern, Dresden hat gezeigt das dies geht, vielleicht klappt das auch mit einigen Mutigen Bürger_innen in Chemnitz ?! Ich hoffe das der MDR sich alle Veranstaltungen und Protestformen ansieht und halbwegs neutral darüber berichtet. Klausen
06.03.2013
07:08 Uhr
7. maxi:
Ein großes Dankeschön an die Polizei. Und viele Wünsche für die Tarifverhandlungen. Sie haben heute Courage bewiesen, sich nicht von Störern provozieren lassen. Ein toller Unterschied zu 2011. Danke nochmals
06.03.2013
02:31 Uhr
6. Rosa Schlüpfer:
.............und in einigen Stunden ist dann wieder Märchenstunde, was die Teilnehmerzahlen anbelangt...........
05.03.2013
20:45 Uhr
5. OssigoWessi:
Ich bin in Dresden geboren und aufgewachsen. Habe dann aber lange in Hamburg gewohnt. Zu dem hier problematisierten Umgang mit den Gedenktagen kann ich nur sagen, dass es für mich extrem auffällig war, wie wenig aufgeregt der Umgang mit dem Jahrestag der Bombardierung in Hamburg ist. In Dresden gehört es zur eigenen Identität, jeden Februar sein eigenes kollektives Leid auf die Straße, in die Politik, in die Medien und in jede kleinste Pore der Öffentlichkeit zu tragen. Wenn es nicht so abgegriffen und albern wäre, könnte ich auf die Idee kommen, an dem Jammer-Ossi ist doch was dran.... Auf jeden Fall ist zwar richtig, das Nazis das ganze Jahr das Problem sind, aber am Beispiel dieser Jahrestage zeigt sich doch eindrucksvoll in welchen kollektiven Strukturen die Ursachen zu suchen sind, dass sich das Bürgertum in Ostdeutschland so verdammt lange hat so extrem schwer getan mit dem Problem Rechtsextremismus überhaupt nur umgehen zu können.
05.03.2013
20:23 Uhr
4. Politischer Laie Ost seit 1975, ohne Nebeneinkünfte:
seolta: Das trifft fast meine Meinung. na klar das ist eine Privatsache der Bürger. Was aber, wenn der Staat ebenfalls gedenken möchte, wie er es auch tun darf...? Das Naziproblem gibt es jedenfalls das ganze Jahr!Man könnte sich in dieser Zeit des Problems annehmen, was erfahrungsgemäss weniger geschah... Tja die melden an, über Jahre hinaus und provozieren so die "Gegenwehr". So werden diese Geh-Denk-Tage zu Kampftagen. Ursachen: sind die Uneinigkeit der Parteien und die soziale Schere zwischen Arm und Reich! Wer redet da schon drüber? Aber da treffen sich Mordverdächtige und Terroristen und der KKK. Deren Gegner in der BRD beobachtet, angezeigt und strafverfolgt werden. Bitte dies auch beachten!
05.03.2013
17:20 Uhr
3. hmüller:
Nun, die Gedenktage haben im Osten einfach Tradition. Im Gegensatz zur Sowjetluftwaffe taten sich Amerikaner und Engländer kurz vor dem Ende besonders an mitteldeutschen Städten "gütlich" Das sie sowjerisch besetzt würden, war anscheinend schon klar. Im Westen dagegen wollte man sich nach dem Ende nicht mit den amerikanischen Geldgebern und"Demokratiebringern"verscherzen.
05.03.2013
16:41 Uhr
2. seolta:
Diese Gedenkveranstaltungen in den neuen Bundesländern hinterlassen gemischte Gefühle. Wessen wird da wirklich gedacht? Wer gibt da wem eine Bühne. Hier in Darmstadt wurde 1944 die komplette Altstadt in einer einzigen Brandnacht zerstört, fast 12.000 (!) Menschen verloren ihr Leben, das haben die Menschen hier nicht vergessen. Aber dem Grauen von damals wird ohne große Publicity gedacht...dafür müssen wir uns auch nicht gegen Aufmärsche der Rechten wappnen.
05.03.2013
13:42 Uhr
1. Honorarschwadronierer:
dann kann wie üblich ja die sächsische [...] mal wieder gegen die Aufrichtigen zulangen..... [Löschung eines Wortes aus rechtlichen Gründen - MDR.DE_Redaktion]
05.03.2013
11:03 Uhr

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