Ehemalige innerdeutsche Grenze : Bautzener Gedenkstätte erinnert an Mauer-Kunstaktion
Die Gedenkstätte Bautzen erinnert seit Mittwoch an eine Kunstaktion an der Berliner Mauer aus dem Jahr 1986. Wie die Gedenkstätte mitteilte, wurde unter dem Titel "Der weiße Strich" eine Ausstellung zur Vorgeschichte und den politischen Folgen der Aktion in Westberlin eröffnet. Zu sehen sind Fotos, Dokumente, TV-Berichte und Interviews. Mit einem kilometerlangen weißen Strich wollten damals fünf ehemalige DDR-Bürger auf provokante Weise die Mauer in das Bewusstsein der Westberliner bringen. Unter anderem bemalten sie auch bekannte Mauergraffitis mit weißer Farbe.
Protest sollte Funktion der Mauer sichtbar machen
Frühere Mauerkunstwerke wie die des Franzosen Thierry Noir oder des US-Amerikaners Keith Haring waren ab den 1980er-Jahren zu touristischen Attraktionen geworden und ließen nach Angaben der Bautzener Gedenkstätte das Symbol des Kalten Krieges für die West-Berliner zum belanglosen Alltag werden. Der weiße Strich der ehemaligen DDR-Bürger aber war keine Kunst, er war eine Provokation. Mit ihm wollten die jungen Mauermaler den "antifaschistischen Schutzwall" und seine unmenschliche Funktion wieder sichtbar machen. Für die Aktion begaben sich die Szenekünstler und früheren Punks aus Weimar auf einen Mauer-Streifen in West-Berlin. Offiziell gehörte die Fläche aber noch zum Staatsgebiet der DDR. Einer der Beteiligten wurde von Grenzsoldaten verhaftet und kam anschließend in das Bautzener Stasi-Gefängnis.
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der Gedenkstätte Berliner Mauer und der Bundesstiftung Aufarbeitung. "Der weiße Strich" ist in der Gedenkstätte Bautzen noch bis zum 31. Oktober zu sehen.
