Blick in die Geschichte Lutherbäume – eine lebendige Tradition

Lutherlinde in Possendorf
Die Lutherlinde in Possendorf. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.

Martin Luther zugesprochen

Seit jeher haben Menschen Bäume gepflanzt um besondere Menschen zu würdigen oder an Ereignisse zu erinnern, das gilt nicht nur für Luther. Diese besonderen Bäume bieten Anlass für Feste und sind regionales Brauchtum, sei es beim Aufstellen von Maibäumen oder dem Feiern des skandinavischen Mittsommerfests.

Bäume gelten als Sinnbild des Lebens. Sie überdauern die Lebensspanne der eigenen Generation und übermitteln der Nachwelt ein Andenken. Bäume sind ein wachsendes Symbol, das gilt ganz besonders für die Reformation, deren 500-jähriges Jubiläum bevorsteht.

Luthers Kanzel unter Bäumen

Schon zu Lebzeiten Luthers wurden Bäume zu besonderen Orten der Reformation. Oft waren die kleinen Kirchen der Dörfer überfüllt, in denen Martin Luther Station auf seinen Reisen machte. Kurzerhand wurden die Predigten auf die Dorfplätze verlegt – die Bäume boten nicht nur den Platz für die Massen, sie wurden wichtige Erinnerungsstätten der Bewohner und Gedenkorte für die Reformation.

Lutherlinde in Zwönitz 1583
Eine der ältesten Lutherbäume in Sachsen: Die Lutherlinde in Zwönitz, gepflanzt 1583. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Lutherbäume als Abbild deutscher Geschichte

Eine Wiederbelebung der Tradition erfuhren die Lutherbäume mit der Etablierung des Reformationsfestes ab dem 18. Jahrhundert. Dabei spielte auch das Aufkommen des Nationalstaatgedankens eine Rolle: 1817, zu Zeiten des Wartburgfests und nur vier Jahre nach der Völkerschlacht bei Leipzig, war das Pflanzen von Luther-Eichen zum 300-jährigen Reformationsjubiläum auch zu einem patriotischen Akt geworden.

Tafel an der Luthereiche in Falkenau
Tafel an der 1883 gepflanzten Luthereiche in Falkenau. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch die Geburtstage Luthers wurden gesellschaftspolitisch aufgeladen. Im Jahr 1883 wurden zu seinem 400. Geburtstag landesweit Bäume zu Ehren des Reformators gepflanzt und Luther als Gründungsvater des Deutschen Volks gepriesen. Im dritten Kriegsjahr des Ersten Weltkriegs wiederum wurde das 400. Reformationsjubiläum als Durchhalteschwur propagandistisch benutzt.  Über 500 Jahre spiegelten die Reformations- und Lutherjubiläen immer auch ein Abbild deutscher Geschichte wieder.

Lutherbäume als Vorbild für Revolutionen

Neben dem Gedenken der Reformation und Martin Luthers wurden Gedenkbäume auch zum Vorbild anderer Bewegungen. Im 18. Jahrhundert protestierten die Einwanderer in Nordamerika mit Freiheitsbäumen, den sogenannten "Trees of Liberty", gegen die übertriebene Besteuerung ihrer Kolonien durch Großbritannien.

Freiheitsbäume wurden auch die Symbole der französischen Revolution nach 1789 genannt. Die Bäume wurden in Frankreich und später auch in deutschen Ländern auf Marktplätzen als Bekenntnis zu Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit aufgestellt.

Gedenkstein an der Luthereiche in Röhrsdorf
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Tradition der Lutherbäume fortgesetzt. Gedenkstein der Luthereiche in Röhrsdorf. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zeichen des revolutionären Geistes waren Freiheitsbäume in Deutschland auch im 19. Jahrhunderts. Vor allem zum Hambacher Fest 1832 und der Märzrevolution 1848 erreichte der Ruf nach einer Reformierung des politischen Systems seinen Höhepunkt. Hier standen die Freiheitsbäume für den Wunsch nach nationaler Einheit, Freiheit und politischer Teilhabe.

Den Einheitsgedanken symbolisierten auch die vielen Linden, gepflanzt nach der Wiedervereinigung 1990. Auch Kaiserlinden, Friedenseichen, Goethebuchen und eben die Lutherbäume verraten uns viel aus Geschichte und von Geschichten. Oder um es mit den Worten des Reformators zu sagen:

Vor einem Baum, von dem man Schatten hat, soll man sich verneigen.

Martin Luther Aus den Tischreden Luthers

Zuletzt aktualisiert: 27. März 2017, 12:29 Uhr