Verkauf "herrenloser" Grundstücke : Sechs Anklagen im Leipziger Immobilien-Skandal
Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat nach Informationen des MDR im "Zusammenhang mit der Veräußerung vermeintlich herrenloser Grundstücke" Anklage wegen Untreue gegen die zuständigen Rechtsamtsmitarbeiter erhoben. Das berichtet der SACHSENSPIEGEL in seiner Sendung am Mittwoch. Eine Sprecherin des Leipziger Landgerichts bestätigte, es seien die Anklageschriften gegen insgesamt sechs Beschuldigte eingegangen. Drei Angeklagten werde Untreue in je einem Fall vorgeworfen. Bei drei weiteren gehe es um jeweils 36, 48 und 222 Untreue-Fälle. Seit Dezember vergangenen Jahres hatte die Staatsanwaltschaft zunächst gegen die Amtsleiterin, ihre Stellvertreterin und einem Mitarbeiter ermittelt. Nun sind diese Ermittlungen noch ausgeweitet worden. Nach Informationen des SACHSENSPIEGEL sind unter den weiteren Beschuldigten eine ehemalige Rechtsamtsleiterin im Ruhestand und ein Rechtsanwalt, der in 200 Fällen zum gesetzlichen Vertreter unbekannter Erben bestellt worden war.
Ungenügende Recherche nach den Eigentümern
Im März 2011 hatte das MDR-Ratgeber-Magazin Escher aufgedeckt, dass die Stadt Leipzig für angeblich herrenlose Grundstücke gesetzliche Vertreter eingesetzt hatte, die diese Grundstücke später verkauften. Die tatsächlichen Erben waren der Stadt zum Teil bekannt, beziehungsweise hätten ganz einfach ermittelt werden können. Zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung des Rechnungsprüfungsamtes der Stadt Leipzig. Inzwischen steht fest: Mehr als 90 Prozent der Grundstücksakten wurden mangelhaft geführt. In 411 Fällen hat keine Eigentümerrecherche durch das Rechtsamt stattgefunden. Und in mehr als hundert Fällen waren die Eigentümer der Stadt bekannt.
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