Tipps und Tricks : Erkältungskiller: Hausmittel statt Medikamente?
Winterzeit ist Erkältungszeit – und das alle Jahre wieder. Angeblich ist jeder Mensch im Laufe seines Lebens rund 200 Mal erkältet. Um Husten und Schnupfen wieder loszuwerden, schwören viele auf Altbewährtes. Ob Gurgeln, Zwiebelsaft oder Wadenwickel – hier finden Sie einige beliebte Hausmittel im Überblick.
Bei Husten: Ätherische Öle, Zwiebeltee und Fußbäder
Der Schleim soll weg? Da hilft es, ätherische Öle zu inhalieren. Thymian, Eukalyptus, Pfefferminz können den Schleim verflüssigen - z.B. bei einem Husten, der viel Auswurf produziert. Einfach zwei Liter Wasser zum Kochen bringen, das Wasser in einen Topf gießen und wenige Tropfen von einem der Öle hinzugeben. Dann das Gesicht über die Schüssel halten, den Kopf mit einem Handtuch abdecken und zehn Minuten lang durch die Nase tief ein- und ausatmen. Aber Vorsicht: Für Kinder ist das nichts! Wenn sie heiße Dämpfe mit ätherischen Ölen einatmen, besteht Erstickungsgefahr!
Wenn hartnäckiger Schleim in den Bronchien sitzt, kann ein Tee aus Zwiebeln das Abhusten erleichtern. Zwiebeln enthalten schwefelhaltige Senföle, die eine desinfizierende Wirkung haben. Dazu eine Zwiebel in Scheiben schneiden und fünf Minuten in einem halben Liter Wasser leicht kochen, den Sud durch ein Sieb gießen und mit etwas Honig süßen. Vier Tassen täglich sollte man möglichst heiß trinken. Eine ähnliche Wirkung hat Rettichsaft. Dazu wird ein schwarzer Rettich ausgehölt und mit Honig gefüllt. Nach drei bis fünf Stunden wird der Rettich kopfüber in eine Schüssel gestellt und der Saft darin aufgefangen. Zweimal täglich sollte man ein kleines Glas davon trinken.
Ein Fußbad, dessen Temperatur nach und nach steigt, verbessert die Durchblutung der oberen Atemwege. Ca. 34 Grad warmes Wasser in eine Schüssel einlaufen lassen und innerhalb der nächsten 20 Minuten immer heißeres Wasser hinzugeben, bis die Temperatur auf etwa 41 Grad angestiegen ist. Einige Minuten in dem heißen Wasser bleiben. Danach Füße abtrocknen, warme Strümpfe anziehen und ab ins Bett.
Bei Schnupfen: Hühnersuppe und Nasenspülungen
Als bewährtes Hausmittel bei Erkältungen gilt die heiße Hühnersuppe. Ihre positive Wirkung wurde inzwischen auch wissenschaftlich bestätigt. Forscher der Universität Nebraska in den USA haben herausgefunden, das die Inhaltsstoffe der Suppe antibakteriell wirken und Infekte der oberen Atemwege hemmen. Eine solche heiße Suppe erhöht außerdem die Körpertemperatur und lindert Gliederschmerzen. Ihre Tests führten die Forscher mit einer klassischen selbst gekochten Hühnersuppe durch. Bei Fertigprodukten variierte der erkältungslindernde Effekt stark.
Selbst herstellen kann man auch Nasenspülungen. Zwar können Nasentropfen oder -sprays aus der Apotheke die Schleimhäute abschwellen lassen, doch Salzwasser erfüllt den gleichen Zweck, desinfiziert und löst den Schleim. Für die Kochsalzlösung eine Messerspitze Salz in 0,2 Liter warmem Wasser verrühren, etwas Salzwasser in die hohle Hand gießen und durch ein Nasenloch einziehen. Dann den Kopf auf die Seite neigen, damit das Wasser in die Nebenhöhle laufen kann. Danach die andere Seite behandeln und dies mehrmals täglich wiederholen.
Bei Halsweh: Gurgeln und Prießnitz-Wickel
Wenn der Hals schmerzt, ist das Gurgeln mit Salbei- oder Kamillentee wohltuend. Die Kräuter hemmen Entzündungen und wirken desinfizierend. Auch Wärme hilft bei Halsschmerzen. Gut geeignet sind zum Beispiel klassische Prießnitz-Wickel. Dazu wird ein dünnes Tuch zu einem Drittel in kaltes Wasser getaucht und so gefaltet, dass die nasse Seite auf zwei trockenen Lagen aufliegt. Der Wickel wird mit der feuchten Seiten vorn auf den Hals gelegt und mit einem trockenen Tuch befestigt. Der Wickel sollte abgenommen werden, sobald er warm wird.
Gegen Frösteln: Kartoffelwickel
Gegen Frösteln helfen Kartoffelwickel: Kartoffeln speichern Wärme und geben sie kontinuierlich ab. Für einen Wickel kocht man vier bis sechs mittelgroße Knollen mit Schale weich, gibt sie in die Mitte eines Geschirrtuches, schlägt sie ein und zerdrückt sie vorsichtig. Das Tuch wird anschließend auf die Brust gelegt oder um den Hals gebunden und mit einem warmen Schal fixiert. Wenn die Kartoffeln nicht mehr warm sind, wird der Wickel wieder entfernt.
Bei Fieber: Wadenwickel
Mitunter geht die Erkältung mit Fieber einher. Mit der erhöhten Temperatur reagiert der Körper auf unliebsame Eindringlinge, die Krankheitserreger. Von Fieber spricht man dann, wenn die Körpertemperatur von der normalen Temperatur um die 37 Grad auf 38 Grad und höher steigt.
Um das Fieber zu senken, kann man Wadenwickel anwenden - allerdings nur dann, wenn der Kranke nicht friert und Hände und Füße warm sind. Dafür werden Tücher mit nicht allzu kaltem, eher lauwarmem Wasser getränkt und um die Waden gelegt. Die Gelenke sollten dabei frei bleiben. Die Tücher bleiben 20 bis 30 Minuten auf der Haut und dürfen nicht zugedeckt werden. Durch Verdunstung wird dem Körper Wärme entzogen und das Fieber sinkt. Die Wickel kann man bis zu dreimal erneuern, allerdings sollte die Körpertemperatur innerhalb von 90 Minuten um nicht um mehr als ein Grad sinken, sonst wird der Kreislauf zu stark belastet. Geht das Fieber nicht zurück, ist der Gang zum Arzt unvermeidlich.
Generell gilt: Abwarten und Tee trinken
Ruhe ist und bleibt die beste Medizin bei Erkältungen. So kann sich der Körper wieder vollständig regenerieren. Entspannend und wohltuend wirken Erkältungsbäder mit Menthol-, Eukalyptus-, Thymian- oder Fichtennadelölen. Sie regen die Durchblutung an und wirken schleimlösend in den oberen Atemwege. Nur bei Fieber sollte man auf das Bad besser verzichten.
Wichtig ist zudem, bei einer Erkältung viel zu trinken, zwei Liter sollten es mindestens sein. Gut geeignet sind dafür Kräutertees. Schweißtreibend wirken Holunder- und Lindenblüten, schleimlösend Thymian, Anis und Süßholz, hustenstillend Eibisch und Spitzwegerich. Schleimlösende Tees sind vor allem tagsüber empfehlenswert, hustenstillende vor dem Zubettgehen. Nicht ratsam ist es, schleimlösende und hustenstillende Tees zu mischen.
Wenn Medikamente, dann richtig
Ist gegen die Erkältung kein Kraut gewachsen, sind Medikamente unvermeidlich - doch sie müssen richtig genommen werden. Fehler bei der Einnahme von Medikamenten führen oft dazu, dass Tabletten ihre Wirkung nicht optimal entfalten können.
Wichtig ist der Zeitpunkt der Medikamenteneinnahme.
- Einnahme vor dem Essen: Die Arznei sollte 60 bis 30 Minuten vor der Mahlzeit eingenommen werden.
- Einnahme während des Essens: Die Einnahme muss innerhalb von fünf Minuten nach der Mahlzeit erfolgen.
- Einnahme nach dem Essen: Zwischen Mahlzeit und Einnahme sollte ein deutlicher Abstand von 30 bis 60 Minuten liegen.
Tabletten nicht mit Alkohol, Milch oder Grapefruitsaft
Medikamente sollten immer mit ausreichend Flüssigkeit - am besten mit Wasser - eingenommen werden. Nicht geeignet sind zur Einnahme Kaffee, Tee, Milch, Fruchtsäfte und alkoholische Getränke: Sie können die Wirkung von Arzneimitteln beeinträchtigen. Wer Probleme mit dem Schlucken hat, kann die Tabletten nach Rücksprache mit seinem Arzt oder Apotheker eventuell auch zerkleinern oder den Kapselinhalt in einem Glas Wasser verrühren.
Bei Antibiotika-Medikamenten gegen Infektionen der Atemwege, des Hals-Nasen-Ohren-Bereichs, der Harnwege oder anderer Organe behindern Minerale wie Kalzium und Magnesium die Aufnahme der Wirkstoffe. Deshalb sollten zwischen dem Genuss von Milch und der Antibiotika-Einnahme mindestens zwei Stunden liegen. Auch bei Eisenpräparaten sollten weder Milch, Sahne, noch Rhabarber oder eiweißreiche Produkte verzehrt werden.
Ganz verzichten sollte man bei der Einnahme von Medikamenten auf Grapefruitsaft. Die in ihm enthaltenen Flavonoide verstärken die Wirkung zahlreicher Medikamente und können z.B. Bluthochdruck auslösen. Dies gleiche gilt auch für Bitterorangen, die in manchen Orangenkonfitüren und -marmeladen enthalten sind.
Vorsicht: Suchtgefahr
Die Einnahme von Tabletten gehört für viele zum Alltag. Schnell eine Pille gegen Kopfschmerzen, eine Tablette zum Einschlafen und eine zur Beruhigung. Doch Achtung: Viele Medikamente können zu Abhängigkeit führen. Schätzungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) zufolge sind ca. zwei Millionen Bundesbürger tablettensüchtig.
