Sachsen

Hochschulpolitik : Kritik an Änderungen im Hochschulgesetz

Die sächsische Opposition hat die Pläne der CDU/FDP-Koalition zu Änderungen im Hochschulgesetz kritisiert. Laut ihrer Angaben sollen Studenten nach vier Semestern über der Regelstudienzeit 500 Euro pro Semester zahlen. Weiterhin soll es für Studenten ab dem zweiten Semester möglich sein, aus der verfassten Studierendenschaft austreten zu können. Zu dieser zählen zum Beispiel Fachschaftsräte, Studentenräte oder auch Beratungsstellen zu Nebenjobs, Prüfungsrecht oder BAföG. Zur Finanzierung dieser Gremien zahlen die Studenten von ihrem Semesterbeitrag automatisch sechs bis acht Euro ein.

Studentenräte fürchten um ihre Mitbestimmungsrechte

Kurz vor dem Beginn der Vollversammlung der protestierenden Studenten an der Technischen Universität Dresden sitzen Studenten am Dienstag (08.12.2009) in einem besetzten Hörsaal. Die Studenten wollen heute einen Forderungskatalog vorstellen. Die Forderungen sind Ergebnisse der anhaltenden Kritik an den neuen Bachelor-und Masterstudiengängen. Foto: Ralf Hirschberger dpa/lsn +++(c) dpa - Bildfunk+++
Die Studentenräte in Sachsen fürchten um ihre Mitbestimmungsrechte

Die Studentenräte (StuRa) befürchten nun eine Austrittswelle und damit das Zusammenbrechen der hochschulpolitischen Arbeit. Der Sprecher des Leipziger StuRa, Marcel Wodniock, sagte, in Sachsen-Anhalt seien nach ähnlichen Änderungen 80 Prozent der Studenten aus der "verfassten Studierendenschaft" ausgetreten. Der SPD-Hochschulexperte, Holger Mann, sagte, die schwarz-gelbe Koalition wolle Studiengebühren und betreibe Demokratieabbau. Die Gremien der Studierendenschaft hätten sich bewährt. Fraktionen der Linken und der Grünen schlossen sich der Kritik an. Sie warnten davor, dass die Studentvertretungen handlungsunfähig werden könnten. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sprach vor einem weiteren Schritt der Entdemokratisierung.

CDU und FDP wollen mehr Wahlmöglichkeiten für Studenten

Der Hochschulexperte der CDU-Fraktion, Geert Mackenroth, sprach dagegen von mehr Freiheit, die die Studenten dann bekämen. Bisher seien alle Studierenden zwangsweise Mitglieder der verfassten Studierendenschaft gewesen. Nun könnten sie wählen.

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2012, 08:54 Uhr

7. Oskar:
Suuuuuper...was soll man also machen wenn man vier Semester drüber ist? Anstatt möglichst schnell das Studium abzuschließen, nebenbei noch mehr jobben gehen (BaföG bekommt man in solchen Fällen ja i.d.R. auch nicht) um die Semestergebühren zu bezahlen.
12.09.2012
22:56 Uhr
6. Ingmar:
Das mag sein, aber es steht jedem (konservativen) Studenten frei, sich selbst zur FSR-Wahl zu stellen. Warum der RCDS bei Vernetzungstreffen geschnitten wird, kann ich auch nicht nachvollziehen. Aber deswegen den Fachschaftsräten praktisch die Arbeitsgrundlage zu entziehen, ist ein Schritt in die falsche Richtung.
11.09.2012
20:31 Uhr
5. Konservativer Student:
Ich freue mich als Student über die Pläne. Die StuRa-Beschlüsse erzeugen viel Unmut in machen Universitäten. Etwa der Beschluss das sachsenweite Semesterticket einzuführen, ebenso die Praxis innerhalb des StuRas der TU Dresden, etwa Referat für politische Bildung bei Vernetzungstreffen der Hochschulgruppen keine Piraten-Hochschulgruppe oder RCDS zuzulassen. Ähnliches gilt für demokratisch orientierte Studentenverbindungen an der TU Chemnitz, die nicht gefördert werden. Oder auch die Richtlinie nur noch genderkonform zu texten. Mittlerweile handeln die Studentenräte und Fachschaftsräte in Sachsen zu oft links-ideologisch, gegen den Willen der Studenten.
11.09.2012
12:45 Uhr
4. Sebastian:
Die Austrittswelle bei den Studenten lag weniger am Demokratiegedanken als eher am mangelnden Interesse gegenüber den Aufgaben und dem Nutzen der Studentenräte. Die meisten Studenten denken sich, das sie das Geld viel besser verwenden können. Diese Einstellung ist wenig demokratisch sondern entspricht eher einer sinkenden sozialen Kompetenz! "Erst ich, dann irgendwann alles um mich herum" scheint in diesem Fall das Logo zu sein.
11.09.2012
11:49 Uhr
3. Ingmar Zimmermann:
Die Studenten- und Fachschaftsräte bieten ja nicht nur Beratungsmöglichkeiten an. sie fördern auch Hochschulgruppen und studentische Kulturinitiativen. Vielleicht könnte sich der Hochschulexperte Herr Mackenroth mal zu einem Gespräch mit studentischen Vertretern herablassen, um zu erkennen, wie wertvoll diese Arbeit ist.
11.09.2012
11:47 Uhr
2. Andreas:
Die "verfasste Studierendenschaft" wird ja gar nicht abgeschafft, sondern nur die Zwangsmitgliedschaft in dieser monopolistischen Organisation. Das ist keine Abschaffung der Organisation selbst und auch kein "Demokratieabbau", sondern gerade eine massive Demokratisierung. Die übergroße Mehrheit will ganz offensichtlich nicht für die "verfasste Studierendenschaft" zahlen. Dann kann es nicht sein, dass eine verschwindend geringe Minderheit der übergroßen Mehrheit ihren Willen aufzwingen und sich an ihnen schamlos bereichern, sie ausbeuten kann. Wer allerdings für die "verfasste Studierendenschaft" freiwillig zahlen möchte, darf das offensichtlich auch weiterhin tun. Zwangsmitgliedschaften in irgendwelchen Körperschaften wegen Status oder Beruf (wie z.B. den Kammern oder eben der "verfassten Studierendenschaften", die ja nichts anders ist als Studierendenkammern sind) sind Elemente des Ständestaates und des Faschismus!
11.09.2012
10:46 Uhr
1. Pantoffelheld:
Auch ich als Nicht-Student möchte gern wählen: Mich an der 2013er Bundestagswahl zu beteiligen oder alternativ 10 EUR meiner bezahlten Steuern zurück zu bekommen, da dann weniger Kosten für die Wahlvorbereitung anfallen. Wenn sich dann analog zu den Studenten 80% der anderen "Wähler" auch für das Geld entscheiden... gute Nacht und lebe wohl, Demokratie in Deutschland!
10.09.2012
19:35 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

© 2013 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK