Sachsen

Experiment im Plattenbau : Hoyerswerda rückt zusammen

"AusZeit - Nachdenken über H." – unter diesem Titel hat am Wochenende ein Projekt in der Hoyerswerdaer Neustadt begonnen. Im Zentrum steht dabei die Zukunft der Stadt, die seit der Wende mehr als die Hälfte ihrer Einwohner verloren hat. In einem leerstehenden, dem Abriss geweihten Plattenbau sollen Kulturschaffende, Einwohner und Gäste zusammenkommen, um über die Perspektiven der ostsächsischen Stadt nachzudenken.

Laboratorien für Glück und Bildung

Kunstprojekt in einem kahlen Plattenbau in Hoyerswerda
Ein letztes Mal zieht Leben in den Plattenbau ein.

Für drei Wochen entsteht in dem sechsstöckigen Würfelhaus eine Art Mikrokosmos. Sieben Laboratorien wurden eingerichtet, so zum Beispiel die Labore für Glück, Bildung, Wohnen oder Bürgerbeteiligung. 130 Angebote warten auf die Mitstreiter und Gäste, darunter Cafe, Fitnessoase, Designerwerkstatt, Kinderbaumarkt, Gesprächskreise, Handarbeitsstübchen oder Schreibatelier. Im Wohnzimmerkino laufen jeden Abend ausgewählte Dokumentar- und Spielfilme, die mit der Projektidee etwas zu tun haben. In einer komplett ausgestatteten Küche können sich Besucher zum "Kochen und Klönen" treffen. Im Hostel, dem "Traumlabor", können Akteure, Mitdenker und Nachtschwärmer preiswert übernachten.

Plattenbau wird bald abgerissen

Ein Kran transportiert am 06.06.1967 eine vorgefertigte Betonplatte auf eine Baustelle in Hoyerswerda im Bezirk Cottbus (DDR), wo durch den Staat eine Wohnsiedlung errichtet wird.
Ab 1955 entstanden in Hoyerswerda zehn sogennante Wohnkomplexe.

Organisiert wird das Projekt vom Verein Kulturfabrik Hoyerswerda. Das soziokulturelle Zentrum hat in der Vergangenheit mehrfach mit spektakulären Aktionen auf die Probleme der Stadt aufmerksam gemacht. Geschäftsführer Uwe Proksch hofft, dass in dieser kreativen Runde viele Lebensentwürfe für die Entwicklung der Gesellschaft entstehen und diskutiert werden. "Hoyerswerda rückt symbolisch zusammen", fasst Proksch das Anliegen zusammen. Die Zeichen dafür stünden gut: die Kulturfabrik habe alle 48 Zimmer in dem Würfelhaus "vermietet", sagte Proksch.

Der Plattenbau, der erst seit Mitte Juni komplett leergezogen ist, steht im Wohnkomplex X. Also jenem "WK", das zuletzt in der einstigen Vorzeigestadt errichtet wurde. Und es ist der Wohnkomplex, der zuerst wieder komplett aus dem Stadtbild verschwinden wird. Nur noch wenige Gebäude stehen hier. Kurz nach Ende des Projekts wird auch jenes Haus verschwinden, das jetzt für die "AusZeit" zur Verfügung steht.

Einwohnerzahl halbiert

Für die Hoyerswerdaer Neustadt war 1955 der Grundstein gelegt worden. Die Stadt sollte Wohn- und Schlafstätte der Braunkohlearbeiter werden. Auf dem Reißbrett entstanden Wohnungen für mehr als 70.000 Menschen. Nach der Wende fielen Tausende Arbeitsplätze in der Bergbau- und Energiewirtschaft weg. Die Bevölkerungszahl ging um etwa die Hälfte zurück. Heute leben noch knapp 36.000 Einwohner in Hoyerswerda. Die städtische Wohnungsgesellschaft ließ seit 2000 knapp 5.500 Wohnungen abreißen und verfügt jetzt noch über rund 8.400 Wohnungen. Der zweite Großvermieter, die Genossenschaft "Lebensräume", reduzierte die Zahl seiner Wohnungen von einst 10.000 um 3.200.

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2012, 14:31 Uhr

7. claudi:
@wange Genau wegen Leuten wie ihnen bin ich dankbar füs den Abbau Ost!
14.07.2012
20:11 Uhr
6. Jens Leopold:
...wieder ein großartiges soziokulturelles Projekt der KuFa, beispielhaft für die richtige Auseinandersetzung und Beschaeftigung mit dem Demographischen Wandel ueber Hoyerswerda hinaus!
14.07.2012
17:08 Uhr
5. blubb:
Ich finde es gut. Ich hatte neulich mal versucht die SPD in Hoyerswerda ausfindig zu machen, andere Parteien und die Stadtratsfraktionen. Das ist ein wahres Trauerspiel. Anscheinend gibt es da einen Nullkontakt zwischen Bürgern und Vertretung und das mit Mode :/ Ich meine man schaue sich das hochgelobte HoyTV an, nur Platitüden, entlaufene Tiere und Veranstaltungen. Wo bleiben Berichte zur Stadtpolitik und zur Entwicklung? Wer macht da überhaupt was und vor allem wo findet man diese Leute? Anscheinend tauchen die noch immer nur kurz vor den Wahlen auf...
14.07.2012
12:52 Uhr
4. Sascha:
es is sehr schade das hoy woy immer mehr wie ein dorf wird
13.07.2012
22:17 Uhr
3. wange:
ich habe vor 25 jahren in hoyerswerda gewohnt bin dort groß geworden,u.wohnte dort seid 1960 habe viele schöne zeiten erlebt,aber was jetzt aus hoyerswerda geworden ist ,ist eine schande,ich war schon immer gegen die grenzöfnung für mich gibt es nur eins DDR arbeiter u.bauernstaat,weg mit den kapitallismuß
13.07.2012
20:52 Uhr
2. Pittiplatsch:
In Hoyerswerda?! Super Idee, wenn man mal in die jüngere Vergangenheit guckt ...
13.07.2012
16:02 Uhr
1. Frank:
Ich würde diese Wohnblöcke stehen lassen und einer anderen sinnvollen Nutzung zu führen. Aktuell könnten Tausende syrische Frauen und Kinder, welche in Ihrer Heimat das Obdach verloren haben mit EU-Hilfe (Geld) dort untergebracht werden. Unser Nato-Partner die Türkei wird wohl bald mit der Unterbringung überfordert sein.
13.07.2012
15:53 Uhr

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