Mehrere Mikrophone stehen auf einem leeren Pult vor dem Logo der Alternative für Deutschland
Bildrechte: MDR/Susan Minard

Aderlass AfD-Mitglieder suchen nach Alternative

In der sächsischen AfD sind weitere Mitglieder und Funktionäre auf Distanz zu ihrer Partei gegangen. So ist der stellvertretende Landesvorsitzende Sven Simon mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Vorstandsmitglied Ralf Nahlob legte nicht nur alle Funktionen nieder, sondern erklärte auch seinen sofortigen Austritt aus der AfD. Und auch Abgeordnete Andrea Kersten verlässt die Landtagsfraktion in Dresden.

Mehrere Mikrophone stehen auf einem leeren Pult vor dem Logo der Alternative für Deutschland
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Es geht ein Ruck durch die Reihen der AfD. Nachdem die bisherige Parteivorsitzende und Chefin des sächsischen Landesverbandes Frauke Petry am Montag nach der Bundestagswahl überraschend ihren Rückzug angekündigt hatte, suchen weitere Mitglieder nach einer Alternative zur Alternative für Deutschland.

Zweifeln und Unzufriedenheit

Der stellvertretende Landesvorsitzende Sven Simon erklärte, die Ausrichtung der AfD mache ihm Sorgen und lasse ihn zweifeln, ob er noch in der Partei sei, in die er eingetreten war.

Vorstandsmitglied Ralf Nahlob teilte in einer Presserklärung mit, er sei mit dem Kurs der sächsischen AfD mehr als unzufrieden. Vielen Protagonisten ginge es nicht mehr um Inhalte, sondern um Macht. Zugleich kritisierte er den Schulterschluss mit PEGIDA. Ihm sei wichtig gewesen, das Profil der AfD als bürgerliche und konservative Partei zu stärken und ein Abdriften an den politischen Rand zu verhindern. Da er die Entwicklung der Partei nicht mehr mittragen könne, gebe er seinen sofortigen Austritt bekannt.

Ebenfalls im Rückzug ist der Landesvorsitzende der Jungen Alternative Sachsens, Julien Wiesemann. Auf facebook teilte er mit, dass er gleichzeitig auch vom Amt des Beisitzers im Landesvorstand der AfD Sachsen zurücktritt. Die AfD mitsamt ihrer Jugendorganisation sei nicht mehr dieselbe, in die er 2013 eingetreten war, hieß es zur Begründung. Er wolle als einfaches Parteimitglied die Entwicklung in nächster Zeit beobachten.

Ankündigung umgesetzt

Unterdessen vollzieht Frauke Petry ihre Trennung von der AfD nun endgültig. Sie werde heute aus der AfD austreten und ihre Parteiämter niederlegen, kündigte ihr Sprecher an. Zur gleichen Zeit werde auch der Parlamentarische Geschäftsführer der sächsischen AfD-Landtagsfraktion, Uwe Wurlitzer, die Partei verlassen.

Abtrünnige bundesweit in der Kritik

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Jörg Urban, forderte die abtrünnigen Abgeordneten auf, ihr über die AfD-Liste erhaltenes Mandat zurückzugeben. Zur Landtagswahl hätten die Bürger AfD gewählt und somit ein Recht darauf, auch originäre AfD-Politik zu erhalten, sagte Urban.

AfD-Parteichef Jörg Meuthen ist nun bis zum für Anfang Dezember geplanten Bundesparteitag alleiniger Vorsitzender der Partei. Dann sollte ohnehin ein neuer Parteivorstand gewählt werden.

Jedoch steht noch nicht fest, ob der Delegierten-Parteitag tatsächlich wie vorgesehen in Hannover stattfinden kann. Denn aus der Mitgliedschaft gibt es den Wunsch, einen Mitgliederparteitag abzuhalten. Die angemietete Halle bietet aber voraussichtlich nicht genug Platz für die zu erwartende Zahl von Mitgliedern. Die endgültige Entscheidung darüber soll der Parteikonvent am 7. Oktober fällen.

Delegierte stimmen ab am 26.03.2017 beim Landesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) in Weinböhla (Sachsen).
Bildrechte: dpa

Quelle: dpa/afp/afd/MDR/gg

Über dieses Thema berichtet MDR Sachsen auch im Radio : MDR SACHSEN - das Sachsenradio| 29.09.2017 | ab 12:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 29. September 2017, 17:02 Uhr

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34 Kommentare

01.10.2017 12:58 Realist2014 34

@guantche: Und was haben die Illuminaten mit der Sache zu tun...

01.10.2017 11:40 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 33

@ 31. Fragender Rentner:
Wie im Beitrag dazu kommentiert: als 'gefährlich'.

Wer bei der Wahl von Rechtsextremisten 'rechts überholt' wird, hat offensichtlich zu wenig Ausgleich in der Mitte produziert.
Wer 'rechte Themen' verstärkt anspricht, macht genau das, was die 'Rechts-Überholer' von der Gesellschaft wollen: das Forcieren von 'rechten bis rechtsextremistischen Ideen'.

Inzwischen gilt es doch schon fast wieder als 'chique', ein bissl Rassismus ins alltägliche Leben zu streuen...
... in meinen Augen ein 'Riesen-Fehler'!

01.10.2017 10:34 Lutz Siedentopf 32

Kurz zu "maria" - genau richtig, es waren sogar 500. Völlig normal diese Entwicklung für eine junge Partei. Die Grünen z.B. haben das auch hinter sich.

01.10.2017 10:24 Fragender Rentner 31

@Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" zu 30

Nur gut das man immer schnell die "braune Karte" zieht.

Wie stufst du die Aussagen von den Herren Tillich und Haseloff ein, sowie diese Herren?

Wieviele denken ebenfalls so in der Union und trauen sich z.Z. nicht aus der Deckung?

30.09.2017 19:54 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 30

@ 28. Fragender Rentner:

Eine Alternative von der Alternative für eine Alternative... solange man sich nicht von Rechtsextremismus distanziert, kann man solange Alternativen ausrufen, bis man wirklich eine Alternative zu Braun ist.

Wir können ja gern von 'paradiesischen Zuständen' träumen, aber wenn man nicht ordentlich anpackt, muß wohl jemand anders für das Paradies sorgen...

Offensichtlich gibt es immer mehr, die in der 'blauen Richtung' eben keine 'vernünftige Alternative' mehr sehen.
Das ist schade für uns alle! Die ganze Energie, die in die 'blaue Sache' gesteckt wurde, nutzt nur noch den Rechtsextremisten.

30.09.2017 19:12 maria 29

Die AFD hat drei Tage nach der Wahl wieder ca. 300 Mitglieder dazugewonnen . Da machen die paar Abgänge nichts aus .

30.09.2017 15:27 Fragender Rentner 28

Zitat von Oben: AfD-Mitglieder suchen nach Alternative

Treten die jetzt in die Union ein, nach Hr. Tillich seiner Aussage?

30.09.2017 15:08 Einer geht und der nächste kommt 27

Was die Petry da abgezogen hat ist das aller Letzte.
Die blanke Wählertäuschung. Die Dame wird genauso untergehen wie ihr Luke von den man auch nichts mehr hört.

30.09.2017 11:01 Wieland der Schmied 26

Das übliche links-rechts-Gezerre bringt in diesem Fall und vermutlich generell keine Erkenntnis, schon gar nicht zu Petry. Petry ist in jeder Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung. Sie war der treibende Keil im Bündnis mit Höcke, um den wirtschaftsliberalen Lucke aus der Partei zu drängen, was man als den bisher stärksten „Rechtsruck“ der Geschichte dieser Partei sehen kann. Wenn sie jüngst versucht hat, Höcke und Maier als Wandelnde im Geiste Hitlers zu difammieren, dann ist das abgrundtiefe Gemeinheit und spricht ihr jedwede menschenführende Autorität ab. Einige Partioten wollen sie gesehen haben auf dem Wege zum Taschenberg-Palais Dresden, als die Bilderberger dort tagten. Ansonsten ist sie ein Redetalent seltener Güte und wird mit Steuermann Pretzell sicher wieder auf die Beine kommen. der Verrat an der AfD wird ihr aber als Pferdefuß anhängen. Wie sagte Hoffmann von Fallersleben: “Der größte Lump im ganzen Land das ist und bleibt der Denunziant.“

30.09.2017 09:57 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 25

Zitat "Ihm sei wichtig gewesen, das Profil der AfD als bürgerliche und konservative Partei zu stärken und ein Abdriften an den politischen Rand zu verhindern. Da er die Entwicklung der Partei nicht mehr mittragen könne, gebe er seinen sofortigen Austritt bekannt."
und Zitat "Die AfD mitsamt ihrer Jugendorganisation sei nicht mehr dieselbe, in die er 2013 eingetreten war [...]"

Diese Menschen hätten sich diese Überlegung vllt. ein paar Monate früher diese Entscheidung treffen sollen, um den Wählern auch die Möglichkeit der Entscheidung zwischen 'Protest' und 'Rechtsextremismus' zu geben.

Nun ist 'das Kind schon in den Brunnen gefallen'... bzw. einige Rechtsextremisten in den Bundestag.
D.h., wir alle finanzieren nun auch Rechtsextremisten mit 'staatlichem und stattlichem Salär'.

Da haben 'wir Deutschen' aber mal wieder richtig fein nachgedacht...