Interview "Ich verstehe Eltern, die sich Sorgen machen"

Problemwolf Pumpak scheint seinem Tod zu entkommen. Die Genehmigung für den Abschuss eines Wolfes läuft Sonntag ab. Für den Landesjagdverband geht das Problem mit den Problemwölfen aber weit über diesen Fall hinaus. MDR SACHSEN ist dazu mit Frank Conrad, Präsident des Landesjagdverbandes Sachsen, im Gespräch.

von Katrin Tominski

Frank Conrad
Frank Conrad, Präsident des Landesjagdverbandes. Bildrechte: MDR/Katrin Tominski

Sollten Wölfe abgeschossen werden?

Natürlich bedarf es einer gründlichen Prüfung zu Beginn. Wenn es jedoch Problemwölfe gibt, muss die Möglichkeit einer Selektion gegeben werden. Anders wird es nicht gehen. Je weniger wir handeln, desto mehr Probleme kann es geben.

Sind Wölfe wirklich so gefährlich?

Eigentlich bewegt sich der Wolf ja vom Menschen weg. Allerdings gibt es schon jetzt Wölfe, die 1,40 Meter hohe Zäune überwinden. Wenn Futterknappheit herrscht, wissen die Tiere, sich zu versorgen.

Sie spielen auf gerissene Schafe an?

Es geht nicht nur um Schafe. Ein Problem sind auch die Kinder. Bushaltestellen im ländlichen Raum liegen oft abgelegen, an Wald-und Wiesenrändern. Ich verstehe die Eltern, die sich Sorgen um ihre Kinder machen. Niemand kann einschätzen, was wirklich passiert. Ein Restrisiko bleibt.

Das klingt, als wäre der Wolf die große Gefahr direkt vor unserer Haustür?

Die Petition mit den über 90.500 Unterzeichnern zeigt, dass sich viele Menschen äußern, die sich nicht auskennen. Meist sind es Leute aus der Stadt, die nicht viel Ahnung von der Lebenswirklichkeit auf dem Land haben. Viele Kinder aus der Stadt haben in ihrem Leben noch nie Wildtiere gesehen. Der Staat muss viel mehr tun, um Kinder mit der Natur vertraut zu machen.

Sie plädieren für einen Abschuss der Problemwölfe. Wie soll das denn genau aussehen?

Wichtig ist, dass wir ganz sauber arbeiten. Wir sind nicht generell für das Totschießen der Wölfe. Zum Vorgehen gibt es bereits jetzt ein klares Instrumentarium. Es bedarf eines umfangreichen konstruktiven Monitorings. Werden Tiere festgestellt, die "entnommen" werden sollen, erhält ein Jäger den Auftrag. Dessen Name bleibt allerdings anonym.

Wie wollen Sie sicherstellen, dass der richtige Wolf getroffen wird?

Wir müssen vorher genau beobachten und ganz sorgfältig arbeiten. Es wird kein Jäger schießen, wenn er nicht ganz sicher ist, dass es sich auch um den jeweiligen betreffenden problematischen Wolf handelt.

Trotzdem haben Jäger Wölfe bereits nachweislich illegal erschossen!

Wer das macht, muss strafrechtlich ordnungsgemäß zur Verantwortung gezogen werden.

Wölfe in Sachsen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR 1 RADIO SACHSEN | Dienstags direkt | 14.02.2017 | 20:00 Uhr Podcast in der Mediathek

Zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2017, 16:34 Uhr

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17 Kommentare

17.02.2017 10:16 Humorist 17

Ich sage nur: das Chanson "Diplomatenjagd" von Reinhard May hören. Da ist alles gut beschrieben.
Jäger scheuen im Allgemeinen nicht einen immensen Aufwand materiell und zeitlich, um zum Schuß zu kommen. Wie einst die Fürsten. Denen geht es beim Konkurrenten Wolf nur um eines: sie wollen nicht gestört werden beim Rehe-Abknallen. So wie es den Taubenzüchtern nicht um Natur geht, wenn sie Greifvögel vergiften. Und den Land-und Spritzwirten nicht um die Pflege der Rebhuhn- und Hasenpopulation, wenn sie Glyphosat einsetzen und Wegraine planieren. Und unsere Obrigkeit ist denen allen mehr verpflichtet als dem Naturwohl.

17.02.2017 06:55 Katja Ley 16

und wer behauptet das? Natürlich ein Jäger. Die Unterschriften sind von Wolfs- u. Naturfreunden, die sich sicherlich seit Jahren mit diesen Tieren bechäftigen und sich für ihre Wiederkehr einsetzten, dies auch für andere Wildtiere wie den Luchs. Gerne wird aus Jägerkreisen alles was ihnen zuwider ist, in die Ecke "Ahnungslose" gestellt. Fakt ist aber, ALLES was zum Thema Wolf aus JÄGERKREISEN zB über die lokale Presse kommt, ist FALSCH und meist auch noch Hetzerisch! Jagd befindet sich nicht Umsonst gerade mehr denn je auf dem Prüfstand. Und zur Petition, es haben sich ja auch Nabu und Wolfsbotschafter geäussert und unterschrieben. Also "ahnungslose Städter" sind das meines Wissens nicht ;-). Liebe Jäger, zieht euch mal warm an!

16.02.2017 23:53 Apachi an Werner 15

Hallo Werner,
ich stimme Ihnen gerne zu,
es wäre jetzt die Zeit dafür die Hobbyjagd abzuschaffen.
Der Jäger sieht sich gern als Heger und Pfleger der Landschaften,
kann aber einen Wolf in Sachen Natur- und insbesondere Biodiversitätspflege nicht ersetzen.

Da aber auch andere Beutegreifer durch die
Jagdflinte ein schnelles Ende finden,
gibt es praktisch keinen Naturschutz,
obwohl die Jägerschaft als Naturschutzverein gilt,
so grotesk es klingen mag.

Also, Weg mit den Jägern..Freiheit für den Wolf..und selbstverständlich auch für andere wilden Tiere.

16.02.2017 21:52 Michael 14

Es ist einfach nur lächerlich alle Menschen die diese Petition unterschrieben haben über einen Kamm zu scheren. Ich glaube Herr Conrad würde es nicht gut finden, wenn alle Jäger einheitlich als Massenmörder bezeichnet würden oder?
Wölfe sind die natürlichen Feinde des Wildes das auch hier in Niedersachsen lebt. Dadurch würde der Jäger unnötig werden und das passt den Jägern natürlich nicht. Eine Möglichkeit zum umdenken und das Bild des Jägers in der Gesellschaft wieder in das "rechte Licht" zu rücken wurde ja erfolgreich verschlafen. Schauen Sie, Herr Conrad, mal in den Spiegel und überlegen Sie sich, ob dieser Kommentar von Ihnen ihrer Sache dienlich war. Ich denke sie dürften erkennen, das Sie die Jägerschaften ins Abseits katapultiert haben.

16.02.2017 15:33 Werner 13

Jetzt, wo wir wieder Wölfe in Sachsen haben und somit das Schalenwild natürliche Feinde, könnte man ja über eine Abschaffung der Hobbyjagd nachdenken!
Wäre in Bezug auf die Artenvielfalt in unseren Ökosystemen sicherlich vorteilhaft.

16.02.2017 09:55 Volker Vogel 12

Herr Conrad zeigt mit seiner Aussage wieder einmal, wie arrogant und egoistisch die Jägerschaft handelt. Zu unterstellen, die Unterzeichner der Petition gegen den Abschuss von Wolf Pumpak würden sich nicht auskenne mit Wölfen, ist eine Frechheit! Lesen Sie die Kommentare (auch von Jägern und Förstern übrigens) doch einmal durch. Die Jäger fürchten um ihre Pfründe, schließlich ist eine Jagdpacht ja auch nicht gerade billig! Und wenn die Jäger auch richtig schießen könnten, würden so viele Wildtiere auch nicht qualvoll enden, wie jene Wildsau! Und dann immer wieder diese Angstmacherei. Kinder sind da immer willkommen, gell Herr Conrad? Das Rotkäppchen ist ja nicht weit. Artenschutz ist für Sie ja wohl auch ein Fremdwort.

16.02.2017 09:34 Wolpertinger 11

@15.02.2017 18:41 Katja Ley
Gute Idee. Dann zeigen wir den Kleinen aber auch mal die Realitäten einer Hähnchenschlachterei oder eines anderen beliebigen Schlachtbetriebes. Vielleicht lernen sie dann von Klein an die Vorteile der täglichen "Bärchenwurst" zu schätzen.
Man mag zur Jagd stehen, wie man will: Tatsache ist, ein geschossenes Stück Wild, dass der Verwertung ,zB der Nahrung, zugeführt wird, hatte ein ungleich schöneres Leben, als die Millionen gezüchteten Schlachttiere.

16.02.2017 09:10 Normalo 10

Klingt voll futterneidisch. Bisher taten Jäger so, als müssten sie ja rumballern, da die wilden Raubtiere ja fehlen. Nun sind sie da, aber jetzt ist Rotkäppchen an der Bushaltestelle am Wald in Gefahr!!! Die Demagogie ist doch wirklich unterhaltsam.

16.02.2017 08:10 M.Neugebauer 9

Völliger Unsinn Herr Conrad,man merkt dass sie nicht realitätsnah sind und einfach festgefahren sind und keine vernünftigen Argumente bringen und zudem noch Unterzeichner der Petition beleidigen.95000 Menschen der Petition haben sich sicher mehr beschäftigt mit diesem Thema als sie denken. Zudem sind diese Leute sehr naturnah, schalten Sie bitte Ihr Gehirn ein.die Argumente sind absolut haltlos.Sie schieben auch noch die Kinder vor. Doch sie sollten mit Eltern ein Gespräch führen, deren Kinder alleine auf der Landstraße stehen müssen.

16.02.2017 06:56 Herbert 15 8

Das zeigt einmal wieder mehr wie wenig Ahnung eigentlich der Jäger von der Natur hat ! Ich kann mir nicht vorstellen dass ein Herr in seinem Alter noch realistische Augen auf die Natur werfen kann ! Ich wäre auch dafür problematische, verhaltensauffällige Jäger von der Jagd auszuschließen ! Beispielsweise müsste Alkoholkonsum in der Jägerschaft komplett abgeschafft werden !