Chemnitz : Besucherrekord bei Tagen der Jüdischen Kultur
Die 22. Tage der Jüdischen Kultur in Chemnitz sind mit einem Besucherrekord zu Ende gegangen. Wie die Organisatoren am Montag mitteilten, kamen seit Mitte Februar mehr als 7.000 Gäste zu den 41 Veranstaltungen. Damit sei das selbst gesteckte Ziel von 4.000 Besuchern weit übertroffen worden. Der große Zulauf war demnach vor allem den städtischen Theatern zu verdanken. Allein ihre Aufführung der Oper "Vasco da Gama (Die Afrikanerin)" von Giacomo Meyerbeer sowie zwei Sinfoniekonzerte der Robert-Schumann-Philharmonie hätten mehr als 2.900 Menschen angezogen. Die anderen Veranstaltungen seien ebenfalls mit rund 92 Prozent gut ausgelastet gewesen.
Ausstellungs-Trio in Kunstsammlungen
Mit der zeitgleichen Eröffnung von drei Ausstellungen hatten am 16. Februar die Tage der Jüdischen Kultur in Chemnitz begonnen. Die Kunstsammlungen der Stadt erinnerten dabei an die Geschichte der Juden während der Nazizeit. In der ersten Ausstellung sind noch bis Mitte April 32 "Bilder der Erinnerung" zu sehen. Die in dunklen Tönen gehaltenen Gemälde des Malers Alexander Dettmar zeigen Synagogen in Deutschland vor ihrer Zerstörung - in Chemnitz selbst, aber auch in Dresden, Berlin, Duisburg oder München.
Ferne Zuflucht und Gesichter Israels
Die zweite Ausstellung beschäftigt sich mit dem Leben in der Jüdischen Gemeinde in Schanghai zwischen 1936 und 1949. In der chinesischen Stadt fanden damals etwa 20.000 Juden aus Deutschland und Österreich Zuflucht. Schanghai war eine der letzten Städte, in denen Juden bei ihrer Flucht kein Visum brauchten. Dokumente, Fotografien, Bücher und Zeichnungen des Leo Baeck Instituts New York veranschaulichen die damaligen Lebensumstände der Exilanten.
Die kleinste der drei Schauen umfasst gerade einmal sechs Werke. Es sind die "Jerusalem Faces" des Expressionisten Oskar Kokoschka (1886-1980). Eines ist das Gesicht von Golda Meir (1898-1978), der ersten Ministerpräsidentin Israels. Die Chemnitzer Kunstsammlungen erhielten die Künstlermappe mit den sechs Porträt-Lithografien und eine weitere Lithografie als anonyme Schenkung.
Lesungen von Knobloch und über Heym
Abseits dieser Ausstellungen boten die Tage der Jüdischen Kultur in Chemnitz ein vielfältiges Programm mit Konzerten, Liederabenden, Tanz, Filmen, weiteren Ausstellungen, Führungen und Diskussionen. So sprach die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, bei einer Lesung über ihr Leben und acht Jahrzehnte deutsch-jüdischer Geschichte. Die Lesung "Was es ist zu sein berühmt" wiederum widmete sich dem 2001 verstorbenen Schriftsteller Stefan Heym, der einer jüdischen Familie entstammt und vor 100 Jahren in Chemnitz geboren wurde.
Einladung ins Gemeindezentrum
Zu den musikalischen Höhepunkten gehörten ein Klezmerkonzert des Ensembles Harts un Neschome sowie Konzerte von Asamblea Mediterranea und des Kerem Trios mit der israelischen Sängerin Yeela Avital. Klezmer ist eine von der jüdischen Volksmusik geprägte Stilrichtung. Die Jüdische Gemeinde lud die Chemnitzer zu einer Purim-Party und zu einem öffentlichen Gottesdienst ein.
Die jüdischen Kulturtage werden von 18 Vereinen und Initiativen in der Stadt organisiert. Zu den bisherigen Auflagen kamen jährlich etwa 5.000 Besucher. Die 23. Auflage der Veranstaltungsreihe wird vom 8. bis 24. März 2014 stattfinden.
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