Neue Dauerausstellung : Im Kaisertrutz durch die Jahrhunderte wandeln
Nach der 3. Sächsischen Landesausstellung hat der Görlitzer Kaisertrutz seit Juli 2012 wieder für Besucher geöffnet. Das Kulturhistorische Museum der Neißestadt hat darin auf zwei von fünf Etagen eine neue Dauerausstellung eingerichtet. Unter dem Titel "Von der Steinzeit bis zum Biedermeier" bekommen Gäste Einblicke in die Kulturgeschichte von Görlitz und der östlichen Oberlausitz.
Wechselvolle Geschichte der Region
Der Rundgang beginnt im Untergeschoss mit Spuren, die eiszeitliche Jäger vor 14.000 Jahren in der Oberlausitz hinterlassen haben. Bedeutende Exponate zeugen von der wechselvollen Geschichte der Region, von den ersten Bauern der Steinzeit, von bronze- und früheisenzeitlichen Lausitzer Kulturen, von kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Deutschen, Polen und Böhmen um 1000 sowie von der Landnahme ab 1150 bis zur Gründung der Stadt Görlitz.
Im Erdgeschoss erzählen wertvolle Exponate vom Aufstieg der Stadt zur blühenden Handels- und Gewerbemetropole. Görlitzer Wolltuche fanden seit dem Mittelalter europaweit reißenden Absatz. Vom Reichtum der Bürger zeugen bedeutende Kunstschätze, wie z. B. mittelalterliche Altäre und Textilien. Im 16. Jahrhundert war Görlitz Wirkungsstätte bedeutender Humanisten wie Bartholomäus Scultetus oder Petrus Vincentius. Der Philosoph Jacob Böhme ist weltweit der bekannteste Görlitzer. Das Schaffen der Humanisten wird in der Ausstellung ebenfalls gewürdigt.
Die politische Wende zieht ein
Im kommenden Jahr soll die Ausstellung erweitert werden. Sie soll dann auch die Geschichte bis zur Zeit der politischen Wende in der DDR 1989 umfassen. Im obersten Geschoss werden außerdem Gemälde, Plastiken und Grafiken aus dem 20. und 21. Jahrhundert in einer Galerie der Moderne gezeigt. Eine Etage im Kaisertrutz bleibt Sonderausstellungen vorbehalten.
Von der Verteidigungsanlage zum Museum
Der Kaisertrutz ist eine von vier heute noch erhaltenen Basteien, die einst der Verteidigung der Stadt dienten. 32 solche Basteien besaß die Stadt im 15. Jahrhundert. Mit Kanonen bestückt dienten sie als Verteidigungsanlage zum Schutz des westlichen Teils der Stadt und der Handelsstraße Via Regia. Mit dem gegenüberliegenden Reichenbacher Turm war das Gebäude durch eine Mauer verbunden.
Seinen Namen erhielt der Kaisertrutz im Dreißigjährigen Krieg, als die Stadt von den Schweden besetzt war und den kaiserlichen Truppen "trotzte". Seit 1932 wird das Gebäude als Museum genutzt. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten zieht nun das Kulturhistorische Museum mit neuen, modernen Ausstellungen zur Kulturgeschichte der Stadt Görlitz und der östlichen Oberlausitz wieder ein.
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