An ein Straßengeländer sind viele Fahrräder angeschlossen
Fahrradständer und Fahrradspuren sind oft Mangelware. Bildrechte: MDR/Robin Hartmann

Fördergelder bleiben liegen Kommunen bauen kaum Radwege

Es ist fast schon Lobbyarbeit für die schwarz-rote Landesregierung: Die sächsischen Grünen trommeln für Förderprogramme der Landesregierung zum Neubau von Radwegen. Eine Kleine Anfrage hatte ergeben, dass solche Mittel seit Jahren von Kommunen nur in geringem Maß abgerufen werden. Die Leidtragenden sind Radler, die sich mit den Autos auf den Straßen durch den Verkehr quälen müssen und dabei nicht selten gefährlich leben.

An ein Straßengeländer sind viele Fahrräder angeschlossen
Fahrradständer und Fahrradspuren sind oft Mangelware. Bildrechte: MDR/Robin Hartmann

Der Radwegbau in Sachsen stockt: Im Jahr 2016 wurden 80 Prozent der Fördermittel für den kommunalen Radwegebau nicht genutzt. Das geht aus einer Kleinen Anfrage der sächsischen Grünen an das sächsische Wirtschaftsministerium hervor. Damit wurden sechs Millionen Euro nicht abgerufen. Bereits 2015 verfielen nach Angaben der Grünen 85 Prozent der Mittel. Der Landtag hatte 2015 entschieden, dass im Jahr 2016 der Bau kommunaler Radwege mit acht Millionen Euro gefördert werden sollten. Davon wurden jedoch nur 1,62 Millionen Euro durch die sächsischen Kommunen für lediglich 13 Baumaßnahmen angefordert.

Dass die Staatsregierung seit Anfang 2016 den Bau kommunaler Radwege mit bis zu 90 Prozent fördert, scheint viele kommunale Verwaltungen noch nicht erreicht zu haben, glauben die Grünen und verweisen darauf, dass sich der Freistaat auch an Planungskosten für neue Radwege beteiligt.

Mittelsachsen ruft meiste Förderung ab

Mit 856.000 Euro floss mehr als die Hälfte der ausgezahlten Fördermittel in den Landkreis Mittelsachsen. Jeweils zwei Radwege wurden in Dresden, in den Landkreisen Leipzig, Meißen und Görlitz sowie in der Stadt Görlitz selbst gefördert. In den Landkreisen Nordsachsen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sowie im Vogtlandkreis wurde vergangenes Jahr jeweils nur ein Projekt gefördert. Gar keine Fördermittel für Radwege flossen in die Landkreise Zwickau, Bautzen, den Erzgebirgskreis sowie in die Städte Chemnitz und Leipzig.

Maßnahmen gegen Unfälle in Innenstädten

Radfahrer fährt neben einer Baustelle auf einer Kopfsteinpflaster-Straße
Radfahren in der Stadt ist oft eine echte Herausforderung. Bildrechte: MDR/Robin Hartmann

Grünen-Verkehrsexpertin Katja Meier sagte, die Radfahrer hätten sich in Sachsen die Innenstädte zurückerobert. Städte wie Dresden, Leipzig, Delitzsch, Eilenburg, Radebeul oder Großenhain verzeichneten inzwischen etwa 15 bis 20 Prozent Radverkehrsanteil bezogen auf alle zurückgelegten Wege. Meier fordert eine weitere Förderungen des "klimaneutralen, lärmfreien und kostengünstigen" Radverkehrs. "Sichere Radwege werden dafür dringend benötigt."

Besonders gefährlich sei das Radfahren in Innenstädten. "Im Jahr 2016 verunglückten insgesamt 3.881 Radfahrer", so Verkehrsexpertin Meier. 25 wurden dabei getötet und 837 schwer verletzt. Deren Zahl ließe sich durch Investitionen in die Infrastruktur senken. Nach Ansicht der Grünen fehlt es sowohl dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr als auch den Kommunen an Planungskapazitäten und Fachkräften, die sich ausschließlich mit Radverkehr beschäftigen. Positive Signale gibt es aus Dresden: Nach mehreren schweren Unfällen mit Radfahrern hat der Dresdner Stadtrat jüngst ein Radverkehrskonzept verabschiedet.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.05.2017 |16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Mai 2017, 12:33 Uhr