Landgericht Leipzig : Kino.to-Chef schweigt weiter zu Vorwürfen
Der mutmaßliche Gründer und Chef des illegalen Internetfilmportals kino.to hat am Dienstag vor dem Landgericht Leipzig weiterhin zu den Anklagevorwürfen geschwiegen. Die zum Prozessauftakt vor zwei Wochen angekündigte Erklärung blieb aus. Der Anwalt des Angeklagten begründete das damit, dass die Gespräche über einen sogenannten Deal bisher ohne Ergebnis geblieben seien. Möglicherweise würde sich sein Mandant Anfang Juni äußern.
Neuanfang in Spanien
Erstmals äußerte sich der Angeklagte dagegen zu seinem Lebenslauf. Er habe nach der achten Klasse die Schule abgebrochen. Grund sei die Mitgliedschaft seiner Mutter bei den Zeugen Jehovas gewesen. Er sei deshalb nicht bei der DDR-Kinderorganisation der Pioniere gewesen und habe nicht an Klassenfahrten teilgenommen. "Mir war dadurch alles verbaut", sagte der Angeklagte. Eigenen Aussagen zufolge habe er sich danach aber "gut hochgearbeitet". Nach einer Lehre als Spitzendreher habe er als Schweißer und Installateur gearbeitet und sei Geschäftsführer einer Baufirma geworden. Später habe er sich als Bodenleger selbstständig gemacht. 2005 zog er schließlich nach Spanien um. Als Grund gab er Schulden in Höhe von 30.000 Euro an. In Spanien gründete er eine Firma, um mit Werbung im Internet Geld zu verdienen.
Keine Klarheit über Verbleib der Einnahmen
Die sächsische Generalstaatsanwaltschaft wirft dem 39-Jährigen die massenhafte Verletzung des Urheberrechts vor. Er soll zwischen 2009 und 2011 mehr als 1,1 Millionen Links zu Filmen, Fernsehserien und Dokumentationen öffentlich zugänglich gemacht haben. Täglich seien bis zu 3.000 neue Links zu illegal kopierten Filmen dazugekommen. Pro Tag sollen den Ermittlungen zufolge bis zu vier Millionen Besucher die Seite geklickt haben. Damit gehörte sie zu den am meisten aufgerufenen Seiten weltweit.
Im Unterschied zu den anderen fünf Angeklagten, die im Dezember 2011 vor dem Amtsgericht Leipzig und im April vor dem Landgericht zu Haftstrafen verurteilt worden waren, legte der Hauptangeklagte bei den Ermittlungsbehörden kein Geständnis ab. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft soll er von allen Mitarbeitern und Beteiligten bei Kino.to am meisten profitiert und über Werbeanzeigen mehr als 6,6 Millionen Euro kassiert haben. Rund 1,6 Millionen Euro wurden laut Generalstaatsanwaltschaft an die Mitarbeiter gezahlt. Was mit dem übrigen Geld geschehen ist, konnte bisher noch nicht vollständig ermittelt werden. Ein Anwalt, der die Firma des Angeklagten vertritt, sagte, diese Zahlen seien zu hoch gegriffen.
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