Letzte Show vor dem Umbau : Dresdner Kulturpalast ist Geschichte
Zum Abschluss betrat einer der Dienstältesten die Bühne des Dresdner Kulturpalastes. Mit der Show des Brückenmännchens verabschiedete sich das Haus am Montag in seine dreijährige Umbauphase. 2015 wird sich der Kulturpalast in einem neuen Gewand zeigen. Begleitet wurde die letzte Show von Protesten gegen den geplanten Umbau. Der Verein Dresdens Erben brachte Trauerflor und einen Banner an. Die Mitglieder setzen sich für den Erhalt des Hauses in seiner jetzigen Form ein.
Brückenmännchen kommt wieder
Zur Verstärkung für die letzte Show hatte sich das Brückenmännchen den kleinen Vampir eingeladen. Der Dresdner Messechef Ulrich, der gleichzeitig Manager des Kulturpalastes ist, verspricht: "Das Brückenmännchen geht auch nach dem Umbau weiter." Er sei froh, dass eine fröhliche Kindershow die bisherige Ära des Kulturpalastes beschlossen hat. "Es ist ein gutes Zeichen, weil die Kinder den Kulturpalast nach seinem Umbau in Besitz nehmen sollen."
Gedrückte Stimmung
Mit der Schließung des Kulturpalastes wird auch die Konzert- und Kongressgesellschaft Dresden liquidiert. Die Gesellschaft hat bisher den Kulturpalast und das Schloß Albrechtsberg betrieben. Künftig wird die Messe Dresden diese Aufgaben mit übernehmen. Von den einst 60 Mitarbeitern suchen derzeit noch rund 20 nach einem neuen Job. Für Manfred Rank waren die vergangenen Wochen besonders schwer. Seit dem 20. Dezember 1971 gehörte der gelernte Polsterer zum Team. Damals hatte er als Veranstaltungstechniker gearbeitet. Zuletzt war er im Stofflager tätig, besserte unter anderem den Vorhang für die Brückenmännchenshow aus. "Die Schließung ist nicht schön", sagte Rank bei einem Besuch des MDR. "Es ist schlimm, wenn man hier arbeitet und alles um einen herum verschwindet."
In den vergangenen Wochen wurde im Kulturpalast schon Kehraus betrieben. Zahlreiches Inventar wurde verkauft, abgeholt, verschenkt. Wie zum Beispiel die Jehmlich-Orgel, die von einer Kirchgemeinde gekauft und abgeholt wurde.
Hoffen auf einen neuen Job
Wie Manfred Rank bedauert auch Matthias Richter das Ende des Kulturpalastes. Er war seit rund 16 Jahren als Techniker angestellt. Sein Platz war ein kleiner dunkler Raum neben der Bühne. Über einen Monitor verfolgte er von dort aus zahlreiche Shows – regelte auf Anweisung der Regisseure sämtliche Technik. Wie es mit ihm weitergeht, weiß er noch nicht genau. Doch er hat Hoffnung, bald einen neuen Job zu finden.
Auch Ulrich Finger hofft, dass seine Leute möglichst bald wieder Arbeit haben. Bis zum 31. August werden sie alle das Haus verlassen. Drei Mitarbeiter nimmt er mit, die sich um die Bilanzen kümmern werden. "Am 25. September erfolgt die Übergabe an die Stadt", erklärt Finger. Danach beginnt der Umbau.
Neue Mieter ab 2015
Wenn der Kulturpalast 2015 wieder öffnet, wird vieles anders sein. Die zahlreichen kleinen Räume, die jetzt zwischen Keller und Dachgeschoss liegen, werden zu größeren Flächen zusammengefasst. Die Bestuhlung wird reduziert und komplett gewechselt, der Saal wird umgebaut und eine Ebene sein. "Es wird eine ganz andere Raumaufteilung sein", erläutert Finger. Bei klassischen Konzerten werden die Besucher auch hinter der Bühne sitzen.
Hauptmieter wird die Philharmonie sein, die ein eigenes Stimmzimmer, Garderoben und Technikräume bekommt. Außerdem werden die Stadtbibliothek, die Herkuleskeule, die Stiftung Frauenkirche und die Dresden-Information einziehen. Baulich nicht verändert werden das Foyer und die Fassade. Beides steht unter Denkmalschutz.
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Kulturpalast Dresden
Der Kulturpalast Dresden wurde 1969 eröffnet. Es handelt sich um einen quaderförmigen Baukörper auf einer Grundfläche von 100 mal 70 Meter. Das Haus im Stil der Bauhaus-Moderne wurde nach den Plänen des Architekten Wolfgang Hänsch errichtet. Es wurde zwischen Altmarkt und Neumarkt gebaut.
Der Kulturpalast wurde für Konzerte, Shows, Musicals, Tagungen, Ausstellungen und Galas genutzt. Neben dem großen Festsaal gab es die Kongressetage Panorama, den Kongressbereich Forum, das Studiotheater, fünf Seminarräume sowie verschiedene Foyers.
Seit 2008 steht der Kulturpalast auf der Liste sächsischer Kulturdenkmale. Wegen erheblicher Brandschutzmängel war das Haus 2007 schon einmal geschlossen worden. Die Stadt besserte nach und erwirkte damit eine befristete Betriebsgenehmigung, die dieses Jahr nun endgültig ausläuft. Nach der Generalsanierung und dem Umbau soll der Dresdner Kulturpalast 2015 wieder öffnen.
Das Dresdner Brückenmännchen
Das Dresdner Brückenmännchen ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Beim Original handelt es sich um ein Sandsteinrelief, das sich an einem Pfeiler der Augustbrücke befindet. Es soll der Überlieferung zufolge den italienischen Baumeister Matteo Foccio darstellen, der in Dresden tätig war. Das Männchen trägt Kleidung aus dem 14. Jahrhundert. Heute gibt es mehrere Kopien der Plastik, das Original wurde im Laufe der Jahre stark beschädigt. Seit 1973 erinnert eine gleichnamige Kindershow im Kulturpalast an das berühmte Dresdner Brückenmännchen.



