Nachruf : Fotograf Günter Rössler ist tot
Sein Name steht synonym für Aktfotos der DDR. Günter Rössler war ein Star unter den DDR-Fotografen, seine Aktbilder im "Magazin" waren heißbegehrt. Sogar der "Playboy" druckte ihn. Am letzten Tag des Jahres 2012 starb er im Alter von 86 Jahren in Leipzig.
Der Mode- und Aktfotograf Günter Rössler ist tot. Der Pionier der Aktfotografie in der DDR, einst auch "Helmut Newton des Ostens" genannt, ist am Silvestertag im Alter von 86 Jahren in Leipzig gestorben. Das teilte der Berliner Jaron Verlag am Mittwoch mit. Berühmt wurde Rössler zu DDR-Zeiten mit seinen Bildern im "Magazin" und in der "Sibylle".
Nackt und emanzipiert, so sollten die Frauen sein, die der Leipziger portraitierte: Rösslers Ideal war geprägt von absoluter Natürlichkeit. Er fotografierte die Körper junger Frauen, ihre Gesichter, ihren Blick.
Fokus auf der Persönlichkeit der Frau
Models mochte er nicht, denn dieser Begriff hatte für den Fotokünstler einen negativen Klang. Er sprach immer von Mädchen.
"Models sind unpersönlich. Sie verkörpern ein Produkt, an dem man beliebig rumzerren kann", sagte Rössler. Ihm ging es in seiner Fotografie um die Atmosphäre, damit letztendlich die Persönlichkeit der Frau zum Vorschein kommen konnte.
Rössler wollte die Wahrheit der Frauen erforschen. Ihm kam es auf die natürliche Ausstrahlung an. Rösslers Grazien sorgten für ein schönes Selbstbild des nackten Ostens. Sie repräsentierten auch die kollektive FKK-Welle, die die DDR prägte.
Mädchen aus der DDR im "Playboy"
Das Handwerk der Fotografie lernte Günter Rössler schon in jungen Jahren. Nach der Kriegsgefangenschaft bei den Amerikanern war er zunächst in einem Fotolabor tätig. Dann studierte er an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Seit 1951 arbeitete er als freischaffender Mode- und Werbefotograf. Ab den 1960er-Jahren widmete er sich verstärkt der Akt-Fotografie. Rössler war 1979 der erste DDR-Fotograf mit einer Personalausstellung in Grimma und gehörte zu den Mitinitiatoren der berühmten "Akt-Pleinairs" in Höfgen bei Grimma. 1984 klopfte dann sogar das Erotikmagazin "Playboy" bei ihm an und veröffentlichte auf zehn Seiten "Mädchen aus der DDR". Am Ende kassierte die DDR, Rössler blieben 1.500 D-Mark.
Meisterhaftes Spiel mit Licht und Schatten
"In ihrer Nacktheit wirken die Mädchen nie verletzlich. Es sind starke Frauen, die mit ebenso lässigen wie natürlichen Gesten ihre Erotik als Aspekt ihrer Persönlichkeit zur Schau stellen, die in ihrer Selbstverständlichkeit gezeigt werden", beschrieb Rössler seine Arbeiten. Das meisterhafte Spiel des Fotografen mit Licht und Schatten, das aus dem Dunkel wie zufällig die helle Haut seiner Protagonistinnen auftauchen lässt, scheint ein wenig das Geheimnis des ewig Weiblichen zu lüften. Rösslers Frauen haben Gesichter, die Klugheit und Willen ausstrahlen. Real sozialistische Staatskunst im Sinne einer Inszenierung der entblößten Weiblichkeit in heldenhaften Posen findet man bei Rössler nicht. Seine nackten Mädchen sollen etwas Intimes ausstrahlen. Rössler ging es um den privaten Blick.
4 Kommentare
Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.



