Kunst und Kultur

Karl-May-Museum Radebeul : Eintauchen in fremde Welten

Seit mehr als 100 Jahren hält der Sachse Karl May den Titel als meistgelesener deutscher Schriftsteller. Rund 100 Bücher schrieb er, die Schätzungen zufolge bis heute über 200 Millionen Mal gedruckt wurden. Vor den Toren Dresdens, in Radebeul, erinnert das Karl-May-Museum an diesen berühmten Sachsen. In seinem ehemaligen Wohnhaus ist die Ausstellung zum Leben und Werk untergebracht. In der Villa Bärenfett erfahren die Besucher anhand von mehr als 800 Objekten Wissenswertes über das Leben der nordamerikanischen Indianer.

Patty Frank sitzt mit einem Gewehr vor dem Kamin

Wilder Westen im Osten – das bietet das Karl-May-Museum in Radebeul. Die Geschichte des Hauses geht auf das Jahr 1928 zurück, als die berühmte Blockhütte "Villa Bärenfett" eröffnet wurde. Auf einer knapp 64 Quadratmeter kleinen Ausstellungsfläche konnten die Besucher damals in die Phantasiewelt des Abenteuerschriftstellers Karl May eintauchen. Sie bewunderten originale Indianertrachten, Schmuck und Gebrauchsgegenstände der nordamerikanischen Ureinwohner.

Bildergalerie: Villa Bärenfett im Karl-May-Museum Radebeul

Villa Bärenfett – Zwei Indianerkinder als Puppen Villa Bärenfett – Vitrine mit Federhauben Villa Bärenfett - Präparierter Waschbär

In der Villa Bärenfett erhalten Besucher einen Einblick in das Leben der Indianer Nordamerikas. Mehr als 800 Objekte dokumentieren Lebensstil und Kultur der Ureinwohner. [Bilder]


Auch heute kommen immer noch Zehntausende Besucher pro Jahr, um dem Mythos Indianer ganz nah zu sein. Die Ausstellung gilt als eine der bedeutendsten ethnographischen Sammlungen außerhalb Amerikas. Ausstellungsfläche und die Zahl der gesammelten Objekte hat sich freilich vergrößert. Besondere Attraktionen sind das Diorama "Heimkehr von der Schlacht", das Gemälde von der Schlacht am Little Bighorn sowie lebensgroße Indianerfiguren.

Bildergalerie: Historische Aufnahmen aus dem Karl-May-Museum

Klara May blättert in einem Buch Karl May steht vor einem Fenster Patty Frank sitzt in einer Gruppe von Kindern

Nach dem Tod Karl Mays haben seine Frau Klara May und der Artist Patty Frank dem Schriftsteller ein unverwechselbares Denkmal gesetzt. Tauchen Sie hier in die Geschichte des Karl-May-Museums ein. [Bilder]


Patty Frank unterhält Besucher im Blockhaus

Äußerst innovativ trieben die Witwe des Schriftstellers, Klara May, und der Artist Ernst Tobis, der sich Patty Frank nannte, das Gedenken an Karl May voran. Bereits ein Jahr nach seinem Tod, 1913, wurde die Karl-May-Stiftung gegründet. 1928 eröffneten die beiden die Villa Bärenfett. In dem Blockhaus fanden die Sammlungsobjekte Patty Franks und der Familie May einen würdigen Platz. Das Blockhaus löste damals einen wahren Besucheransturm aus. Tausende Menschen wollten sich der Wildwest-Illusion hingeben.

Verstärkt wurde das Interesse durch Patty Frank. Der ehemalige Zirkuskünstler war ein beliebter Unterhalter. Er verstand es hervorragend, Einheimische und Gäste mit lustigen und spannenden Indianergeschichten in seinen Bann zu ziehen. Patty Frank war seit seiner frühesten Jugend ein Verehrer des Schriftstellers Karl May. Die Abenteuergeschichten inspirierten ihn, indianische Kunst- und Alltagsgegenstände zu sammeln. Als Gegenleistung für die Bereitstellung seiner Sammlung gewährte ihm Klara May Wohnrecht in der Villa Bärenfett.

Bildergalerie: Impressionen aus dem Karl-May-Museum

Impressionen aus dem Karl-May-Museum Radebeul Impressionen aus dem Karl-May-Museum Radebeul Impressionen aus dem Karl-May-Museum Radebeul

Rund 60.000 Besucher kommen jährlich in das Radebeuler Karl-May-Museum. Sie tauchen ein in die phantastische Welt des erfolgreichsten deutschen Abenteuerschriftstellers. [Bilder]


Herber Rückschlag in Radebeul

Die politischen Veränderungen in Deutschland nach 1945 brachten auch dem Museum große Einschnitte. Zwar "überlebten" sämtliche Sammlungsgegenstände die Wirren nach dem Zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet. Doch die Kulturpolitik in der jungen DDR wandte sich gegen den Schriftsteller Karl May, den sie als suspekt empfand. Im Jahr 1956 kam es zu einer folgenschweren Entscheidung: Das Karl-May-Museum wurde in "Indianermuseum der Karl-May-Stiftung" umbenannt. Im April 1960 folgte dann der nächste Rückschlag, als die Karl-May-Stiftung und der Karl-May-Verlag getrennt wurden. Große Teile des Nachlasses wie das Arbeitszimmer Karl Mays, dessen Bibliothek und das Empfangszimmer gingen nach Bamberg, wo der Verlag inzwischen seinen Sitz hatte.

Erst mehr als 20 Jahre später, im Jahr 1985, erlangte die Karl-May-Stiftung ihre Eigenständigkeit zurück. Im Jahr zuvor wurde das Museum, quasi über Nacht, wieder in Karl-May-Museum zurückbenannt. Die Stiftung machte sich umgehend daran, die Villa "Shatterhand." im Sinne Karl Mays wieder mit Leben zu füllen. Im einstigen Wohnhaus des Literaten wurde die Ausstellung "Karl May - Leben und Werk" eröffnet. Mitte der 1990er- Jahre kaufte die Stiftung Arbeitszimmer, Bibliothek und Empfangszimmer wieder zurück, für rund 1,8 Millionen Euro. Sie sind heute wieder an ihrem Originalplatz in Radebeul zu sehen.

Bildergalerie: Leben und Werk Karl Mays in der Villa "Shatterhand."

Außenansicht Blick in das Sascha-Schneider-Zimmer. Blick auf mehrere Vitrinen.

Die Villa "Shatterhand." war einst das Wohnhaus Karl Mays. Heute beherbergt sie die Ausstellung zum Leben und Werk des Abenteuerschriftstellers. [Bilder]


Das Karl-May-Museum in der Zukunft

Heute, 100 Jahre nach dem Tod von Karl May, braucht das Museum wieder einen solch mutigen und vorausschauenden Ansatz. Zählte das Haus Ende der 1980er-Jahre bis zu 356.000 Besucher pro Jahr, pegelt sich die Zahl seit Jahren bei etwa 60.000 ein. Um im modernen Zeitalter auch die nachfolgenden Generationen anzuziehen, investiert das Karl-May-Museum rund vier Millionen Euro in eine völlige Neugestaltung. Neben einem modernen Besucherzentrum entstehen ein Abenteuerspielplatz und ein Gebäude für die Museumspädagogik. In den vergangenen Jahren veränderte sich das Museum auch inhaltlich. Es bietet zahlreiche Vorträge, Sonderausstellungen, Führungen und Veranstaltungen wie die Kindermuseumsnacht an.

Hintergrund: Die Geschichte des Karl-May-Museums

Das Karl-May-Museum in Radebeul hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Geprägt ist es vor allem vom Schaffen der Witwe des Schriftstellers, Klara May, und dem May-Verehrer und Artisten Patty Frank. [mehr]


Radebeul: Karl-May-Museum in Radebeul

1928 wurde das Karl-May-Museum in Radebeul eröffnet. Seitdem haben 7,8 Millionen Besucher die Ausstellung über das Wirken und Leben der nordamerikanischen Indianer gesehen. [mehr]


Zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2012, 17:34 Uhr

Sammlungsbestand des Karl-May-Museums

Die Sammlung des Karl-May-Museums Radebeul besteht aus:

* 3.000 völkerkundlichen Objekten (davon 2.000 aus Nordamerika, rund 400 aus Afrika+Asien und 300 aus Südafrika)
* 7.350 Bücher in drei Bibliotheken
* 100 Autographen
* 500 Gemälden und hochwertige Drucken
* 400 Plakaten
* 1.500 Fotos und Ansichtskarten
* 700 historische Zeitungen bzw. Zeitungsartikeln

Verwendete Literatur

* Informationen des Sächsischen Museumsbundes, Heft 37/2009.

*"Karl-May-Stiftung (Hrsg.)": Indianer Nordamerikas - Ausstellung im Blockhaus "Villa Bärenfett des Karl-May-Museums, Karl M Lipp Verlag München, 1992.

*Wolfgang Seifert: Patty Frank - der Zirkus, die Indianer, das Karl-May-Museum, Karl-May-Verlag Bamberg Radebeul, 1998.

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