Kunst und Kultur

Neue Synagoge in Dresden : Die "Klagemauer" an der Elbe

Die Neue Synagoge in Dresden ist ein Bau, den die Dresdner mit gemischten Gefühlen aufnahmen. Bricht er doch mit seiner modernen kubistische Architektur mit dem barocken Gemütlichkeitsgefühl der Einwohner.

Eine originalgetreue Rekonstruktion der Alten Synagoge - analog der Frauenkirche - wurde damals ebenfalls diskutiert, kam aber nicht in Frage: Der ursprüngliche Platz war inzwischen zum Teil überbaut worden. 1997 erhielt das Architekturbüro Wandel, Hoefer, Lorch + Hirsch aus Saarbrücken/Frankfurt schließlich den Zuschlag für den Neubau in unmittelbarer Nähe des historischen Standortes.

Neues Haus an historischer Stelle

Der erste Spatenstich war am 9. November 1998. Auf dem schmalen Grundstück zwischen Straße und Carolbrücke entstanden zwei Häuser: die Synagoge und das Gemeindehaus. Dazwischen liegt ein Freiraum, auf dem Boden ist der Grundriss der Alten Synagoge sichtbar. Die Synagoge selbst ist ein fensterloser Würfel, der sich in den Himmel schraubt. Die 35 Schichten bestehen aus Formsteinen, sie drehen sich nach oben, bis sie die Ausrichtung für den Thoraschrein nach Osten - nach Jerusalem -  erreicht haben.

Für die Innengestaltung haben die Architekten ein ungewöhnliches Material gewählt: Von der Decke hängen golden schimmernde Metallnetze, sie überspannen die sich hier versammelnde jüdische Gemeinde wie ein Zelt.

Bestes Bauwerk Europas 2001

Es ist ein modernes Gemeindezentrum, das Gottesdienste und Zusammenkünfte für rund 300 Personen erlaubt. Darüber hinaus wurde Raum geschaffen für eine Bibliothek, ein Cafe und das Gemeindearchiv. Der Neubau kostet 22 Millionen Mark, finanziert durch Spenden, die Stadt Dresden und den Freitstaat Sachsen.

Die Architekten Wandel Hoefer Lorch + Hirsch erhielten für ihre Arbeit mehrere Preise: Den World Architecture Award 2001 als bestes Bauwerk in Europa und auch den Kritikerpreis des Verbandes für Architektur. Heute zehn Jahre nach der Weihe prägen beide Bauten – die imposante Neue Synagoge und das Gemeindehaus  - die Stadtsilhouette mit.

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2011, 14:10 Uhr

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Synagoge

Eine Synagoge hat drei Funktionen:
- Gottesdienst
- Studienort
- Versammlungsort der Gemeinde.

Die Synagoge ist ein Ort, an dem sich mindestens zehn jüdische Männer zum Gebet versammeln und die Thora sowie jüdische Lieder lernen.
In einer Synagoge steht die spirituelle Auseinandersetzung im Mittelpunkt und nicht die künstlerische Ausstattung. Basierend auf dem zweiten Gebot "Du sollst Dir kein Bild machen" befinden sich in Synagogen keine Gemälde und keine Skulpturen, sondern nur Symbole und Schriftzeichen.

Synagogen sind autonome Institutionen. Sie werden gegründet, organisiert, erhalten und kontrolliert durch jede beliebige Gruppe lokaler Juden, die eine Synagoge wünschen. Jede Synagoge ist unabhängig von anderen und wird durch eine gewählte Gruppe von Funktionären und Vorstehern geführt. Mädchen werden ab 12 Jahren und Jungen ab 13 Jahren durch eine feierliche Aufnahme vollwertige Mitglieder in der Gemeinde und haben somit alle Rechte und Pflichten.

Menschen anderer Konfessionen sind immer willkommen, eine Synagoge zu besuchen.

Freundeskreis Dresdner Synagoge

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