Postume Ehrung : Denkmal für Brigitte Reimann
Der Schriftstellerin Brigitte Reimann soll zu ihrem 80. Geburtstag am 21. Juli 2013 in Hoyerswerda ein Denkmal gesetzt werden. Wie der Vorsitzende des Hoyerswerdaer Kunstvereins Martin Schmidt mitteilte, werde die Enthüllung der "Großen Liegenden" im Zentrum der Neustadt Teil der Ehrungen für die Autorin sein. Etwa zehn Veranstaltungen seien geplant, darunter Vorträge, Lesungen und Spaziergänge auf Reimanns Spuren.
Nähe zum Hoyerswerdaer Arbeiter-Milieu
Die Verfasserin des Romans "Franziska Linkerhand" lebte von 1960 bis 1968 in der ostsächsischen Stadt. Dort pflegte sie enge Kontakte zu einer Arbeiterbrigade des Kombinats "Schwarze Pumpe", um der arbeitenden Basis nahe zu sein, wie es der "Bitterfelder Weg" vorsah. Nebenher arbeitete sie als Rohrlegerin.
Der Kunstverein sammelt noch Geld für das sogenannte Reimann-Zeichen. Rund 56.000 Euro kostet die Skulptur. Sie soll ihren Platz an einem Wasserbecken im neuen Stadtpark unweit der Lausitzhalle erhalten. Nach Angaben von Schmidt sind bislang etwa 30.000 Euro durch Spenden zusammengekommen.
Martina Gedeck als Reimann
Zahlreiche Ehrungen hielten schon in der Vergangenheit die Erinnerung an die jung gestorbene Schriftstellerin wach: Zu ihrem Siebzigsten im Jahr 2003 wurde in Hoyerswerda eine Bibliothek nach ihr benannt und in Neubrandenburg eine Gedenkstätte eingerichtet. Dem gesamtdeutschen Publikum ist sie vor allem bekannt durch die Fernsehproduktion "Hunger auf Leben" von 2004. Mit Martina Gedeck in der Hauptrolle wird hier ihr kurzes aber turbulentes Leben mit den vier Ehen und einem Selbstmordversuch nacherzählt.
Linientreu nur am Anfang?
Die lange Zeit aufrechterhaltene These, dass Reimann von ihrem Glauben an die Zukunft des sozialistischen Systems erst in ihren letzten Lebensjahren abrückte, bekam erst 2003 Brüche. Mit der Veröffentlichung ihres unvollendeten Erstlingswerks "Das Mädchen auf der Lotosblume" wird klar, dass Reimann sich von der Gesellschaft abgrenzte. Hier erzählt die Autorin mit vielen Tabuverletzungen von einer melancholischen Liebe. Die Texte waren in der damaligen DDR zu brisant, um veröffentlicht zu werden. So enthielten sie "viel Aufbruch, Widerspruch, Nichteinverstandensein", schrieb die Süddeutsche Zeitung. Doch auch in Romanen wie "Franziska Linkerhand" - 1974 postum erschienen - zeichnete Reimann ein illusionsloses Bild der DDR. 1973 starb Brigitte Reimann in Ostberlin an Krebs.
"Bitterfelder Weg" - Arbeiter und Bauern an der Seite der Künstler
Auf den sogenannten Bitterfelder Konferenzen von 1959 und 1964 wurde der Versuch gemacht, Literatur und Produktion einander näher zu bringen - Ulbrichts Forderung vom V. Parteitag der SED 1958 war Programm: "... in Staat und Wirtschaft ist die Arbeiterklasse der DDR bereits Herr. Jetzt muss sie auch die Höhen der Kultur stürmen und von ihnen Besitz ergreifen." Kunst, also auch Literatur, Arbeitsprozess und öffentliches Leben sollten sich verbinden.
Nach den Bitterfelder Konferenzen, auf denen sich Berufsschriftsteller und schreibende Arbeiter trafen, kam es zwar zu vereinzelter kultureller Zusammenarbeit von Schriftstellern und Betrieben, aber nur wenige Autoren waren gewillt, sich längerfristig in der Produktion umzutun. Kurzbesuche waren die Regel.
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