Von der Altartafel zum Kultbild : Dresden feiert 500 Jahre Sixtinische Madonna
Paris hat die "Mona Lisa", Dresden die "Sixtinische Madonna" – Raffaels Kultbild, das kurz nach da Vincis berühmtem Frauengemälde entstand, feiert in diesem Jahr sein 500-jähriges Jubiläum. Doch so berühmt wie heute war das Gemälde lange Zeit nicht. Bekannt wurde es erst nach seiner Ankunft in Dresden. Die Staatlichen Kunstsammlungen feiern den Geburtstag der Madonna seit Freitag mit einer Sonderschau.
"Die schönste Frau der Welt wird 500" - seit Monaten werben die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden für ihre wichtigste Sonderausstellung des Jahres. Im Mittelpunkt steht die "Sixtinische Madonna", Raffaels Meisterwerk, das auf Drängen des Kurfürsten August III. nach Dresden gelangte und von hier aus seinen Siegeszug um die Welt antrat. Nach der offiziellen Eröffnung am Freitag steht die Ausstellung seit Sonnabend den Besuchern offen.
Erstmals umfassende Schau zum Gemälde
Die Sonderausstellung zeichnet erstmals die ganze Geschichte des weltberühmten Meisterwerkes nach, von der Entstehung in der römischen Renaissance bis zum globalen Mythos in der Gegenwart. Die vier Ausstellungssektionen gliedern sich in die Themenbereich: "Raffael in Rom", "Der spektakuläre Ankauf der "Sixtinischen Madonna", "Auf dem Weg zum Mythos" sowie "Eine internationale Karriere: Die Engelchen in Kitsch und Kunst".
Wie der Direktor der Galerie Alte Meister, Bernhard Maaz, erklärte, werden rund 250 Exponate präsentiert, darunter viele hochkarätige Leihgaben aus zahlreichen Museen Europas. So seien beispielsweise weitere Bilder Raffaels oder anderer Künstler der Renaissance zu sehen. Erstmals vereint sind Raffaels schönstes Frauenporträt aus dem Palazzo Pitti in Florenz, der "Donna Velata" und die "Sixtinische Madonna". Die "Donna Velata" könnte nach Ansicht von Experten Vorlage und Modell der Sixtina gewesen sein. "Die Schau beleuchtet Entstehungsumfeld, Auftraggeber, Schicksale und Wanderung eines der bedeutendsten Gemälde der Menschheit", sagte Maaz. Zugleich werde das Nachleben der Sixtina in Kunst- und Kulturgeschichte, Literatur und Geistesgeschichte betrachtet.
Neuer Rahmen zum Jubiläum
Für die Sonderausstellung präsentiert sich die "Sixtinische Madonna" komplett neu. Sie hat einen neuen Rahmen, neues Glas und einen neuen Platz erhalten. Bei dem neuen Rahmen handelt es sich um eine äußerst aufwendig hergestellte Kopie eines oberitalienischen Tabernakelrahmens. Er löst den Neorenaissancerahmen ab, der das ehemalige Altarbild seit der Rückkehr nach Dresden 1956 umgab. Das rund 5,4 Quadratmeter große Kunstwerk zog zudem von seinem angestammten Platz im ersten Obergeschoss der Galerie Alte Meister ins Erdgeschoss, in den Gobelinsaal. Für Bernhard Maaz war es "ein historischer Moment", als er die Madonna erstmals an ihrem neuen Platz sah. "Diese Verwandlung war beeindruckend, sie in einem ganz neuen Glanz leuchten zu sehen."
Von der Klosterkirche in Sachsens Residenz
Ein eigenes Kapitel der Ausstellung ist dem Weg des Gemäldes aus einer italienischen Klosterkirche in die sächsische Residenz gewidmet. Briefe aus der Mitte des 18. Jahrhunderts belegen, wie Kurfürst August III. zwei Jahre lang darum kämpfte, das Bild in seine neue Gemäldegalerie nach Dresden zu holen. Mehrfach stand der Ankauf vor dem Scheitern. Für den Kurator der Ausstellung, Andreas Henning, der im Vorfeld der Schau mehrere Wochen in Rom forschte, ist dieser Punkt besonders spannend. "Das Überraschende ist, dass das Bild fast 250 Jahre unbekannt geblieben ist", sagt Henning. Bis 1754 hing es in der Klosterkirche Piacenza in der Nähe von Mailand. Über Agenten wurde August III. auf "den Raffael" aufmerksam, den er Henning zufolge unbedingt haben wollte, "um sich mit anderen europäischen Fürstenhäusern messen zu können". 25.000 Skudi-Omani soll der Kurfürst damals bezahlt haben. Das sei eine ungeheure Summe gewesen, betont Henning. Offenbar hätten beide Seiten um die Bedeutung des Bildes gewusst.
Mythos Sixtina ab 1855
In Dresden angekommen dauerte es dann aber noch einmal 60 Jahre, bis die Madonna einen herausragenden Platz in der Galerie eingenommen hat. "1855 begann der Mythos 'Sixtinische Madonna' mit der Öffnung des Sempergebäudes", erzählt Hennig. "Kein anderes Bild schien mehr vergleichbar zu sein."
Rund 100 Jahre später bangte Dresden ein zweites Mal um das Bild. Während des Zweiten Weltkrieges ausgelagert, wurde es 1945 nach Moskau gebracht. 1956 kehrte es schließlich unversehrt zurück. Auch dazu konnten die Kunstsammlungen wichtige Dokumente beschaffen, die der Öffentlichkeit nun zugänglich gemacht werden.
War es das mit der Sixtina?
Bis zum 26. August ist die Sonderausstellung in Dresden zu sehen, begleitet wird sie von einem umfangreichen Vortrags- und Aktionsprogramm. Für Kurator Andreas Henning war die Vorbereitung nach eigenen Aussagen vor allem Freude. Doch bei allem Spaß, insbesondere der Sammlung der meist amüsanten Marketingartikel mit den berühmten Engeln, sieht er auch einen ernsten Ansatz. "Der Parcour führt am Ende noch einmal zur Madonna. Dort wird die Frage aufgeworfen: War es das mit der Sixtina? Oder spielen nur noch die Engel eine Rolle?"
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Raffaels "Sixtinische Madonna"
- Raffaelo Santi malte das Bild 1512/1513 im Alter von 30 Jahren
- Hauptmotiv ist die Madonna mit dem Jesuskind, flankiert von Papst Sixtus II. und der Heiligen Barbara; am unteren Bildrand warten die zwei Engel, um die Hostie wieder mit in den Himmel zu nehmen; Besonderheit des Bildes ist der Hintergrund, auf dem unzählige Engelsköpfe gemalt sind.
- Auftraggeber war Papst Julius II.; das Bild war für die Klosterkirche San Sisto in Piacenza vorgesehen, wo es mehr als 200 Jahre relativ unbekannt hing
- Kurfürst August III. holte 1754, nach zweijährigen Verhandlungen, das Bild nach Dresden
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Sonderschau
Vom 26. Mai bis 26. August begehen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden das 500-jährige Jubiläum der "Sixtinischen Madonna". Zu sehen in der Galerie Alte Meister.


