Via Regia

Städte an der Via Regia : Bautzen – 1.000 Jahre Handwerk und Tradition

Bautzen ist eine Stadt der Superlative. Sie gehört zu den schönsten, ältesten und bedeutendsten Städten Sachsens. Und das seit mehr als 1.000 Jahren. Zu verdanken hat sie diesen Status vor allem ihrer topographischen Lage. Schon immer war sie Anziehungspunkt für Handelsleute und auch Zentrum der Macht.

Auch für die Handelsstraße Via Regia war Bautzen eine äußerst bedeutende Station. So gewährte die Stadt den Reisenden aufgrund ihrer geografischen Lage die besten Furten zwischen dem Sumpfland im Norden und dem Hochurwald im Süden. Wichtig für eine Furt waren allmähliche Auf- und Abfahrten zwischen der Hochebene und dem Flussübergang, trockene und stabile Ufer sowie niedrige Wasserstände und feste Flussböden.

Bautzen wurde von mehreren Straßen gekreuzt

Die mächtige Burganlage bot den Kaufleuten zusätzlichen Schutz. Vorteile zog Bautzen daraus, dass es Kreuzungspunkt anderer bedeutender Handelswege war, wie zum Beispiel der Frankenstraße, die in Bautzen mit der Via Regia verschmolz. Die Frankenstraße kam aus Nürnberg und führte über Hof, Zwickau und Bischofswerda bis in das Zentrum der Oberlausitz. Außerdem kreuzte die Böhmenstraße, die aus Brandenburg kommend nach Prag weiterführte.

Die Geschichte Bautzens lässt sich bis ins Jahr 800 v. Chr. zurückverfolgen. Ausgrabungen haben ergeben, dass es schon damals steinzeitliche Besiedlungsplätze gab. Im 3. Jahrhundert erfolgte die ostgermanische Besiedlung, 400 Jahre später kamen die slawischen Milzener in die Region. Vermutlich im 9. Jahrhundert begann der Aufbau der Stadt, die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1002. Mehr als 200 Jahre später, im Jahr 1213, erlangte Budysin – so der slawische Name – Stadtrecht.

Ab dem 13. Jahrhundert blühte der Handel

Im Jahr 1250 erwarb Bautzen die Rechte einer freien Kommune. In der Folge konnte der bereits florierende Handel weiter aufblühen. In der Stadt siedelten sich zahlreiche Handwerker an, so beispielsweise Tuchmacher, Gerber und Töpfer. Sie traten in engen Kontakt mit den Handelsreisenden der Via Regia.

Anders als beispielsweise in Leipzig oder Großenhain führte die Route allerdings nicht direkt durch die Stadt, sondern am nördlichen Stadtrand entlang. Von der Ortschaft Seidau kommend überquerte die Via Regia am Gerbertor die Spree, passierte den Schülerturm und führte am Wendischen Graben und über die Töpferstraße aus der Stadt wieder heraus.

Zölle - ein sehr einträgliches Geschäft

Hauptmarktplatz war der Holzmarkt, der sich inmitten der Handwerkersiedlung befand. Jährlich sollen laut Überlieferung 5.000 Pferdegespanne die Stadt passiert haben. Ein einträgliches Geschäft mit äußerst positiven Auswirkungen auf das Stadtsäckel. Denn Pro Pferd mussten beispielsweise acht Pfennig bezahlt werden, wobei jedes Gespann mit acht bis zwölf Pferden bespannt war. Um auf dem Markt zu handeln, waren gesonderte Steuern zu entrichten. Die daraus resultierenden Zölle und Abgaben brachten rund 500 Mark Silber ein – das waren mehr als die Steuereinnahmen aller Einwohner in einem Jahr.

Straßenschilder in Bautzen
Straßennamen verraten viel über die Geschichte einer Stadt.

Ähnlich der heutigen Probleme mit der Lkw-Maut sahen sich die Bautzner Stadtväter damals mit dem Problem konfrontiert, dass viele Händler die Zölle umgehen wollten. Sie versuchten, sich über Schleichwege an Bautzen vorbeizumogeln. Die Stadt setzte alles daran, dass zu verhindern, zumal sie 1431 das Recht zur Erhebung des Durchgangszolls erwarb und damit für den Straßenunterhalt selbst verantwortlich war. Enorme Bedeutung für die "Jagd der Zollflüchtigen" hatte die Äußere Stadtmauer. Ihr Verlauf verhinderte, dass die Pferdewagen ungehindert die Stadt passierten. Zudem gab es mehrere kurfürstliche Erlasse, die den genauen Verlauf der Via Regia vorschrieben.

Bautzen im Sechsstädtebund

Am 21. August 1346 wurde ein Bündnis gegründet, welches für die Lausitz wegweisend für mehrere Jahrhunderte war. Dem Oberlausitzer Sechsstädtebund gehörten Bautzen, Görlitz, Kamenz, Lauban, Löbua und Zittau an. Der Bund diente vorrangige dem Schutz des Landfriedens im Oberlausitzer Gebiet. Anfangs musste es sich vor allem gegen das Raubrittertum wehren. Im Laufe der Jahre nahm die Bedeutung des Bündnisses stark zu und brachte auch den Städten wirtschaftlichen Aufschwung und politische Bedeutung.

Bautzen diente dem Bündnis als Vorort. Es hatte den Vorsitz inne und hatte im Rat die erste Stimme. Außerdem hatte die Stadt das Recht, die Post aller vereinten Städte zu kontrollieren. Das führte vor allem mit dem wirtschaftliche starken Görlitz immer wieder zu Konflikten. Der Landvogt hatte in Bautzen ebenfalls seinen Sitz. 1815 wurde der Sechsstädtebund im Zuge der Teilung der Lausitz durch den Wiener Kongress aufgelöst.

Hansesymbole an Fassaden
Als Handelsstadt erkaufte sich Bautzen das Recht, Hansesymbole als Zeichen des weltweiten Handels an die Fassaden anzubringen.

Welchen Ursprung der Name der Stadt hat, darüber sind sich die Historiker noch uneins. Er könnte vom altdeutschen Wort "Bod" oder "Bud" abgeleitet sein, was übersetzt "der Trotzer" heißt und sich auf die Burg als Grenzfestung beziehen kann. Eine andere Übersetzung für das Wort ist "Grenzort". Eine weitere Variante stammt aus dem Slawischen – "Buczina" bedeutet übersetzt "der Buchenwald". Möglich wäre auch, dass Bautzen nach dem slawischen Fürsten Budissentius benannt wurde, der die Stadt im 9. Jahrhundert gegründet haben soll. Einer Sage nach gab eine böhmische Herzogin der Türmestadt ihren Namen. Sie soll bei der Durchreise in der Nähe der Stadt ein Kind geboren haben. Ihr herbeigeeilter Mann soll sie gefragt haben: "Bude syn?" – "Ist es ein Junge?"

Türme der Stadt Bautzen
Wendischer Turm - Lauenturm - Nikolaiturm (v.l.) - Bautzen ist eine Stadt der Türme. Vor kurzem wurde auch der Nikolaiturm saniert, um ihn der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Er beherbergt die Ausstellung zur Bedeutung Bautzens an der Via Regia.

Bautzen heute: Eine perfekte Symbiose

Heute präsentiert sich Bautzen immer noch als altehrwürdige Stadt, die gekonnt Tradition und Moderne verbindet. Sie ist Kreisstadt des neuen Landkreises Bautzen, zwischen und in den historischen Gebäuden spielt sich quirliges Leben ab, zahlreiche Firmen haben sich angesiedelt und bieten den Menschen Lohn und Brot. Und – Bautzen liegt direkt an der Autobahn 4, die Via Regia des 21. Jahrhunderts, die symbolisch Ost und West miteinander verbindet.


Quellen:

  • Museum Bautzen; Ausstellung "Die via regia im Bautzener Land" im Nikolaiturm
  • Inge und Lothar Küken; "Die via regia - Kulturstraße mitten durch Europa"
  • Beteiligungs- und Betriebsgesellschaft Bautzen mbH; Textheft "Bautzener Geschichtspfad"

Ausstellung im Nikolaiturm

Das Museum Bautzen hat im Nikolaiturm eine Dauerausstellung mit dem Titel "Die via regia im Bautzener Land" eingerichtet. Die Ausstellung ist auf Voranmeldung zu sehen. Information und Buchung unter: 03591/ 49850 oder im Internet unter museum-bautzen.de.

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