Via Regia

800 Jahre Geschichte einer Handelsstraße : Rückblick: Die Sächsische Landesausstellung in Görlitz

In Görlitz ist am 31. Oktober 2011 die dritte sächsische Landesausstellung zu Ende gegangen. Sie stand unter dem Motto "Via Regia – 800 Jahre Bewegung und Begegnung". Hauptausstellungsort war der Kaisertrutz, eine mittelalterliche Kanonenbastei, die direkt an der Via Regia liegt. Geplant und durchgeführt wurde die Ausstellung im Auftrag des Freistaates Sachsen durch die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stand das Leben an der alten Handelsstraße Via Regia, der Austausch der Stadt Görlitz und der Region mit Europa bis ins 19. Jahrhundert. Dabei ging es nicht nur um den Warenhandel, sondern auch um den Austausch von Ideen und Informationen, Kunst und Kultur, Währungen und Sprachen. Die Ausstellung schlug auch einen Bogen in die Gegenwart, so wurden zum Beispiel die Beweggründe für das Unterwegssein von gestern und heute erkundet. Mit Görlitz als Ausstellungsort im Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und Tschechien erhielt die Ausstellung einen internationalen Charakter und zog so Gäste aus ganz Europa an, um ihnen die Besonderheiten der Region zu vermitteln. Die Ausstellung war viersprachig konzipiert: deutsch, polnisch, tschechisch und englisch.

Eine Ausstellungsfläche so groß wie vier Basketballfelder

Die Ausstellung gliederte sich in die Themenbereiche Aufbruch, Fundament, Markt, Mensch und Austausch. Auf rund 1.800 Quadratmetern wurden diese Themen mit etwa 450 Ausstellungsobjekten aus Deutschland, Polen, Tschechien und der Ukraine inszeniert, darunter Kunstwerke und Medieninstallationen.

Im Erdgeschoss des Kaisertrutzes wurde der Besucher zunächst mit dem Verlauf der Via Regia vertraut gemacht. Zahlreiche historische und aktuelle Landkarten, Luft- und Sattelitenaufnahmen zeigten, wie sich die Streckenführung seit der Ersterwähnung im 13. Jahrhundert über die folgenden Jahrhunderte hinweg entwickelt und verändert hat. Im Untergeschoss wurde die Frage nach dem Ursprung der Via Regia gestellt. Anhand archäologischer Funde wurde belegt, dass die Route entlang der Via Regia bereits weit vor dem 13. Jahrhundert als Verkehrsachse zwischen Ost- und Westeuropa von Bedeutung war. Außerdem ging es um die Besiedlung und Gründung der Stadt und den Ursprung des Kaisertrutzes.

Ausstellung Via Regia
MDR 1 RADIO SACHSEN

Via Regia: Ungewöhnliche Exponate

01.02.2011, 06:46 Uhr | 02:01 min

Im ersten Obergeschoss stand der Handel auf der Via Regia im Mittelpunkt. Was wurde gehandelt? Zwischen welchen Orten? Wie wurden die Waren transportiert? Und wie wirkte sich der Handel auf die Entwicklung der Stadt und der Region aus? Im 2. Obergeschoss konzentrierte sich die Ausstellung auf die Menschen, die auf der Via Regia unterwegs waren: Händler und Kaufleute, Siedler und Soldaten, Pilger, Boten und Migranten. Dabei standen Persönlichkeiten wie August der Starke und Napoleon ebenso im Fokus wie Buchbinder Philipp Erasmus Reich und Ballonfahrer Jean-Pierre Blanchard. Im 3. Obergeschoss ging es ebenfalls um den Austausch von Waren auf der Via Regia, aber dort standen nicht materielle Güter im Mittelpunkt, sondern Werte, Ideen und Traditionen. Die Ausstellung ging hierbei unter anderem der Frage nach, wie sich der Ideenaustausch in Literatur, Musik und Kunst niederschlug.

Die Stadt als Teil der Ausstellung

Die sächsische Landesausstellung zur Via Regia war nicht nur im Görlitzer Kaisertrutz untergebracht - die gesamte Stadt war Teil der Ausstellung. Audioguides führten die Besucher durch Görlitz. Und Toneinspielungen an verschiedenen Stellen der Straße sollten die Geschichte der Via Regia hautnah erlebbar machen. Geführte thematische Stadtrundgänge und mehrtägige Erkundungsreisen ergänzten das Veranstaltungsprogramm. Da ging es zum Beispiel auf einer "Tour ins Blaue" um die Tuchmachertradition der Stadt.

Schließlich beteiligten sich auch andere Museen der Stadt Görlitz mit eigenen Sonderausstellungen. Das Kulturhistorische Museum zeigte Kunst und Kultur des 18. Jahrhunderts. Das Senckenberg Museum für Naturkunde stellte die Via Regia als "Straße der Arten" vor und das Schlesische Museum widmete sich gemeinsam mit dem Lausitzmuseum Zgorzelec der Migration und dem Bevölkerungswandel in Görlitz/Zgorcelec von 1933 bis heute.

Vergangene Landesausstellungen

  • 1998 in Panschwitz-Kuckau: "Zeit und Ewigkeit – 128 Tage in St. Marienstern"
  • 2004 in Torgau: "Glaube und Macht – Sachsen im Europa der Reformationszeit"

Quellen:

  • Bildungswerk für Kommunalpolitik Sachsen e.V. (Hrsg.): Via Regia. Kulturstraße des Europarates. Aktuelle Trends und Entwicklungen. Dokumentation 44 (2010)
  • Stadt Görlitz
  • Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Zuletzt aktualisiert: 10. Juni 2011, 15:03 Uhr

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