Sachsen

Kunstsammlungen Zwickau : Pechstein lockt Kunstfreunde nach Zwickau

Peter Breuer, Robert Schumann, Max Pechstein - Zwickau hat Künstler verschiedener Genres von überregionaler Bedeutung hervorgebracht. Die Kunstsammlungen Zwickau bewahren deren Erbe und zeigen in Dauerausstellungen Werke von Weltruf. Im Jahr 2014 begeht das Stammhaus der Kunstsammlungen im früheren König-Albert-Museum sein 100-jähriges Bestehen. Neben den Kunstsammlungen gibt es in städtischer Trägerschaft noch das Geburtshaus Robert Schumanns, die Galerie im Domhof sowie die Priesterhäuser. Die sanierten Gebäude im Schatten des Doms gehören nach Angaben der Stadt zu den ältesten erhaltenen Wohnhaus-Ensembles in Deutschland.

Europäische und sächsische Kunst vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Holzschnitte, Grafiken, Gemälde und Arbeiten des Expressionismus sowie regionalgeschichtliche Exponate sind in den Kunstsammlungen Zwickau zu entdecken. Das Museum in städtischer Trägerschaft kann auf eine fast 100-jährige Geschichte verweisen. Kunst- und Geschichtsfreunde sammelten jedoch schon viel länger Exponate für öffentliche Präsentationen. Bereits vor Eröffnung des Museums vermittelte der 1864 gegründete Zwickauer Kunstverein den Ankauf von Werken für eine städtische Gemäldesammlung.

Schwerpunkt auf Pechstein als Sohn der Stadt

Die heutigen Sammlungen umfassen eine ständige Gemäldeabteilung mit Werken vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Hier sind zahlreiche Gemälde der dem Impressionismus und Jugendstil nahestehenden Professoren der Dresdner Kunstakademie, aber auch bedeutende Gemälde des 16. bis 19. Jahrhunderts aus den Niederlanden, Italien und Deutschland dauerhaft ausgestellt.

Einen Schwerpunkt bildet das Werk des gebürtigen Zwickauers und "Brücke"-Künstlers Max Pechstein. Sieben Gemälde und 120 Grafiken gehören dem Museum, zahlreiche Dauerleihgaben ergänzen die Ausstellungen.

Cranach, Dürer und regionale Kirchenkunst

Die umfangreiche grafische Sammlung wiederum umfasst Drucke von Cranach und Dürer, von Künstlern der Romantik, des deutschen Realismus, Werke französischer Karikaturisten und deutscher Impressionisten sowie Grafiken aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Einen überregionalen Ruf in der Kunstszene erwarb sich das Museum unter seinem damaligen Direktor Hildebrand Gurlitt (1895-1956) in den 1920er-Jahren. Das Museum zeigte frühzeitig Arbeiten der Neuen Sachlichkeit und des Expressionismus. Obwohl ein wesentlicher Teil von den Nationalsozialisten als sogenannte "entartete Kunst" beschlagnahmt wurde, bilden die damaligen Erwerbungen noch immer das Fundament der Sammlung.

Seit Herbst 2011 werden in der neu eröffneten Dauerausstellung "Im Himmel zu Hause. Christliche Kunst zwischen Gotik und Barock" mehr als 40 sakrale Skulpturen präsentiert. Darunter sind eindrucksvolle Marien- und Heiligendarstellungen sowie umfangreiche Altarwerke. Zu sehen sich Altarwerke und Figurengruppen der Zwickauer Bildschnitzer Peter Breuer, Leonhard Herrgott und Michael Heuffner.

Der Erhalt dieser Kunstwerke ist dem Altertumsverein der Stadt zu verdanken. Nach der Reformation im 16. Jahrhundert wurden religiöse Kunstwerke, die nicht den neuen reformatorischen Bildprogrammen entsprachen, aus den Kirchen entfernt. Obwohl das Ausmaß der Bilderstürmerei in Zwickau im Vergleich zu anderen Regionen sehr begrenzt blieb, wurden diese Werke in der sogenannten Götzenkammer der Marienkirche untergebracht und überdauerten so die Zeiten. Der Zwickauer Altertumsverein nahm sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Kunstwerke an, die dann auch mit der Eröffnung des Museums seit 1914 wieder öffentlich gezeigt wurden.

Mineralogische Sammlung baut Brücke zur Bergbautradition

In der Bergbaustadt Zwickau wagt das städtische Museum natürlich auch einen Blick unter Tage. Die mineralogisch-geologische Sammlung mit Mineralien, Edelsteinen und Pflanzenabdrücken umfasst insgesamt mehr als 16.000 Stücke. Sie dokumentieren anschaulich die enge Verbindung Zwickaus zum Bergbau in der Region. Zu sehen sind unter anderem die Gesteinsschichten aus einem Schacht. Der Bergbau selbst wird in den Priesterhäusern der Stadt gezeigt.

Älteste Bibliothek Sachsens

Im Gebäude der Kunstsammlungen ist neben dem Stadtarchiv zudem noch die älteste Bibliothek Sachsens untergebracht. Die Geschichte der Ratsschulbibliothek - so genannt, weil der Einfluss des Rates der Stadt auf die Geschicke der Schule unverkennbar war - ist auf das engste mit der bereits zum Ende des 12. Jahrhunderts gegründeten Zwickauer Lateinschule verbunden. Bedeutende Gelehrte ihrer Zeit, wie Stephan Roth, Georgius Agricola, Johann Zechendorf, Christian Daum und Christian Clodius leiteten als Rektoren diese Schule und nahmen auch wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Ratsschulbibliothek. Bibliotheksdirektor Lutz Mahnke sagte, dass die Existenz der Bibliothek bis 1498 nachgewiesen werden kann. Sie ist seit 500 Jahren eine öffentliche Bücherei. Die älteste Schrift stammt aus dem Kloster Lorch im heutigen Baden-Württemberg und wird auf das Jahr 830 datiert. 90.000 Bücher aus dem 250.000 Exemplare umfassenden Bestand, der bis heute durch Neuauflagen ergänzt wird, stammen aus der Zeit vor 1850.

Die Galerie im Domhof ist eine zeitgenössische Ergänzung zu den Kunstsammlungen. Dort sind überwiegend kleinere Ausstellungen regionaler Künstler zu erleben. Die Galerie wird zudem für Lesungen, Vorträge, Kleinkunstveranstaltungen sowie Aufführungen Neuer Musik genutzt.

Erinnerung an Komponisten: Geburtshaus Robert Schumanns ist seit 1956 Museum

Er ist der wohl berühmteste Sohn Zwickaus: der Komponist Robert Schumann. Sein Geburtshaus beherbergt heute ein Museum, ein Archiv, einen Konzertsaal und ist internationale Forschungsstätte. [mehr]


Baudenkmal: Priesterhäuser mit Jahrhunderte alter Geschichte

Im Schatten des Doms St. Marien haben die Zwickauer Priesterhäuser Jahrhunderte überdauert. Ein Deckenbalken wird auf das Jahr 1264 datiert. Das historische Gebäudeensemble ist für Besucher zugänglich. [mehr]


Zuletzt aktualisiert: 08. April 2014, 16:36 Uhr

© 2014 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK