Nach dem Trauergottesdienst für den Dirigenten Kurt Masur am 14.01.2016 in der Thomaskirche in Leipzig (Sachsen) wird die Urne von seiner Witwe Tomoko Sakurai-Masur aus der Kirche begleitet
Masurs Familie hat sich nach Angaben der Stadt eine christliche Zeremonie gewünscht - in jener Kirche, die Masur selbst "immer wieder zu Momenten des Gebets und der Einkehr" aufgesucht hat. Bildrechte: dpa

Abschied von Kurt Masur Trauerfeier für den Leipziger Maestro

Der einstige Gewandhauskapellmeister Kurt Masur ist in Leipzig beigesetzt worden. Am Trauergottesdienst in der Thomaskirche nahmen zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesellschaft teil. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Südfriedhof. Musikalisch gestaltet wurde der Trauergottesdienst durch den Thomanerchor und das Gewandhausorchester.

Nach dem Trauergottesdienst für den Dirigenten Kurt Masur am 14.01.2016 in der Thomaskirche in Leipzig (Sachsen) wird die Urne von seiner Witwe Tomoko Sakurai-Masur aus der Kirche begleitet
Masurs Familie hat sich nach Angaben der Stadt eine christliche Zeremonie gewünscht - in jener Kirche, die Masur selbst "immer wieder zu Momenten des Gebets und der Einkehr" aufgesucht hat. Bildrechte: dpa

Mit einer Trauerfeier in der Thomaskirche haben die Familie, zahlreiche Weggefährten, Freunde und Vertreter aus Politik und Gesellschaft am Donnerstag Abschied von Kurt Masur genommen. Unter den Trauergästen waren die Oberbürgermeister von Leipzig und Dresden, Burkhard Jung und Dirk Hilbert, Sachsens Ex-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf, der erste demokratisch gewählte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz sowie die Geigerin Anne-Sophie Mutter. Am Nachmittag wurde der einstige Gewandhauskapellmeister auf dem Leipziger Südfriedhof im Kreis seiner Familie beigesetzt.

Pfarrer Hundertmark: "Masur war ein unbeirrbarer Humanist"

Thomaskirchenpfarrer Martin Hundertmark würdigte Kurt Masur als Mensch, der voller Kraft gelebt und mit Liebe zur Musik gearbeitet hat. Schon in früher Kindheit habe er ein "begnadetes Gehör und musikalisches Talent" bewiesen. Masur, so Hundertmark, habe sich stets durch Besonnenheit in den Momenten ausgezeichnet, in denen es darauf ankam. Nicht zuletzt sein Wirken in den Wendejahren habe ihn zu einem Helden gemacht, der er nie sein wollte. Seine Forderung im Herbst 1989 zur Gewaltfreiheit und Dialog habe bis heute nichts an Aktualität verloren. Hundertmark zeichnete den persönlichen Lebensweg Masurs nach - geprägt durch seine drei Ehen und die große Liebe zu seinen fünf Kindern und neun Enkeln. Masur sei ein "unbeirrbarer Humanist" gewesen, der an den Menschen und das Gute in ihm geglaubt habe, so Pfarrer Hundertmark.

Wir verneigen uns vor diesem großen Weltbürger.

Burkhard Jung, Oberbürgermeister Leipzig

Konzert zu Ehren Masurs am 16. April

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung sprach der Familie des Dirigenten sein Beileid aus und erinnerte an das vielfältige Schaffen Masurs. "Leipzig ist ihm Heimat geworden, nicht nur musikalisch." Masur habe sich auch "in jeder anderen Hinsicht" mit der Stadt verbunden gefühlt, so Jung. "Das ist von einem Kapellmeister nicht unbedingt zu erwarten." Masur habe dafür gesorgt, dass das Gewandhausorchester nicht nur weltweit anerkannt war, sondern auch seine Rolle in der Stadtgesellschaft eingenommen habe. Gerade beim Bau des Gewandhauses habe sich Masur als Motor bei den Funktionären wie auch Bauleuten verstanden. "Er schrieb Karten mit Anweisungen an die Bauleute mit der Unterschrift 'Euer Alter'", erinnerte Jung.

Bei allem was er tat, habe Masur sein Handeln seiner humanistischen und künstlerischen Überzeugung untergeordnet. Leipzig, so Oberbürgermeister Jung, werde niemals ohne das musikalische Vermächtnis Masurs auskommen. Gemeinsam mit der Witwe des Dirigenten, Tomoko Sakurai-Masur, werde die Stadt Leipzig nach Möglichkeiten suchen, diesem Vermächtnis eine Zukunft zu geben. Ein erster Schritt dahin sei ein Konzert am 16. April in Leipzig zu Ehren Kurt Masurs unter der Leitung von Michael Sanderling.

Als Nachfolger von Leonard Bernstein nach New York

Masur war am 19. Dezember im Alter von 88 Jahren in den USA verstorben. Der 1927 im niederschlesischen Brieg geborene Masur leitete mehrere international renommierte Orchester, darunter 26 Jahre lang das Leipziger Gewandhausorchester (1970 bis 1996) sowie die New Yorker Philharmoniker (1991 bis 2002) und das London Philharmonic Orchestra. Masur litt seit Jahren an Parkinson. Bei Stürzen zog er sich 2012 und 2013 Knochenbrüche zu.

 Im Herbst 1989 gehörte er in der DDR zu den Unterzeichnern des Aufrufes "Keine Gewalt", mit dem Montagsdemonstranten und Staatsgewalt zum Dialog aufgefordert wurden. 1993 wurde Masur als möglicher Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten gehandelt.

Stanislaw Tillich
Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich "Mit Kurt Masur stirbt ein Dirigent des Volkes. Als Gewandhauskapellmeister hat er nicht nur das Orchester geführt. Er hat durch seine Persönlichkeit, seinen internationalen Ruf und seine große Beliebtheit mitgeholfen, die Demonstrationen 1989 zu einer friedlichen Revolution zu führen. Dafür sind wir Sachsen ihm für immer dankbar. Er bleibt in unserer Erinnerung als großartiger Dirigent und Weltbürger mit sächsischer Geschichte. Der Tod Kurt Masurs ist ein großer Verlust für Leipzig, Sachsen und die Musikwelt. Wir sind in Gedanken bei seiner Familie." Bildrechte: dpa

Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2016, 23:12 Uhr

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12 Kommentare

16.01.2016 06:04 Erhard 12

Wenn Kurt Masur heute auf Deutschland bzw. Sachsen schaut würde er sicher sagen: *Das es so kommt, habe ich auch nicht gewollt.* Trotzdem sind die Meisten Sachsen bzw. Deutsche ihm dankbar, dass er alles in seiner Kraft getan hat, dass die Wende *Ohne Gewalt* verlaufen ist.

15.01.2016 13:38 Nicht Leipziger 11

Einer der Besten seines Berufes und ein großer Leipziger ist für immer gegangen. Man kann wohl behaupten, ohne ihn hätte es die gewaltlose Revolution 1989 nicht gegeben. Ich verneige mich zutiefst. Eine Frage stellt sich mir dennoch, hätte er die OBMs aus Leipzig und Dresden wirklich gewollt ?

15.01.2016 13:04 Erhard 10

Wir haben Kurt Masur sehr viel zu verdanken. Vorallem, dass die Wende vom Sozialismus zum Kapitalismus friedlich verlaufen ist. An dieser Stelle sollten wir aber auch daran erinnern, dass die *Wende-Führer* von 1989 sehr kleinlaut geworden sind. Wenn man sie heute diesbezüglich anspricht, sagen die Meisten: *Das es so kommt, haben wir auch nicht gewollt.*

15.01.2016 12:25 Krause - Kunstliebhaber 9

Mein Gott! In letzter Zeit reißt es aber verdammt viele gute Köpfe von der Stange! Mit Kurt Masur wieder einen der hell strahlenden unter viel diffusem Licht! An ihm haben sich viele seiner Nachfolger messen lassen müssen - aber Einzigartigkeit zeichnet sich durch Unvergleichbarkeit aus. Helmut Schmidt, Lemmy Kilmister, Max Kruse, Edgar Froese... Ich verneige mich in tiefer Ehrfurcht vor Kurt Masurs Leben.

15.01.2016 11:21 Immerwieder89er 8

"Nicht zuletzt sein Wirken in den „Wende“-Jahren habe ihn zu einem Helden gemacht..." Wenn der Mann noch sehen könnte, was in Leipzig jetzt so los ist, was die politisch Verantwortlichen hier aus dieser traditionsreichen Stadt der friedlichen Herbstrevolution 1989 gemacht haben. Die haben ja sogar 25 Jahre lang "erfolgreich" verhindert, dass ein „Freiheits- und Einheitsdenkmal“ für die größte positive gesellschaftliche Leistung der Deutschen erreichtet wird.

15.01.2016 09:26 Renate 7

Mein herzliches Beileid all seinen Angehörigen.

Herr K. Masur war für Leipzig und der Musik-Welt ein Brillant. Ich verbeuge mich auch vor ihm.

Ein wunderbarer Mensch ist leider von uns gegangen.

R.I.P.

14.01.2016 22:02 Annerose Kegel 6

Prof. Kurt Masur und Prof. Herbert Kegel waren im Leben gut befreundet. Jetzt werden sie sich im Himmel treffen zu einem anregenden Gespräch über Musik.
Mein herzliches Beileid für die Familie.

14.01.2016 15:59 schelm 5

Kurt Masur war ein ganz Großer. Er hatte Visionen und konnte Menschen begeistern, weil er Sie mitnahm und Sie versuchte zu verstehen. Er wird unvergessen bleiben, er und sein Lebenswerk. Meinen Respekt und meine Achtung vor Ihm.

14.01.2016 14:37 Erhard 4

Er wurde zum Held der Wendezeit. Obwohl er nie Held ein sein wollte. Vorallem seine Devise: "Keine Gewalt" (auf beiden Seiten) trug dazu bei, dass die Wende ohne einen Schuß verlaufen ist. Wir haben in ihm einen >ganz Großen< verloren. Auch ich verneige mich vor diesem >großen Mann<. Er möge uns allen in guter Erinnerung bleiben.

14.01.2016 12:48 Klaus Suckrow 3

Mein Beileit der Famillie Und denen Angehörigen Kurt Masur er Wird immer im Herzen Bleiben