Figaro im Konzert | 28.09.2012 | 20:05 Uhr - Original-Übertragung : Kurt Masur - Live aus dem Leipziger Gewandhaus
In der Nachfolge solch berühmter Persönlichkeiten wie Felix Mendelssohn-Bartholdy, Arthur Nikisch, Wilhelm Furtwängler und Hermann Abendroth trat Kurt Masur sein Amt als Gewandhauskapellmeister 1970 an und prägte den Klangkörper über fast 30 Jahre. Ohne ihn hätte es den Neubau des Konzerthauses am heutigen Augustusplatz nicht gegeben. Als Ehrendirigent blieb er dem Gewandhausorchester nach seinem Abschied 1996 verbunden. Bereits am 18. Juli feierte Kurt Masur seinen 85. Geburtstag. Jetzt folgt das Große Konzert! MDR FIGARO überträgt live.
Das Leipziger Gewandhausorchester ehrt seinen ehemaligen Kapellmeister und Ehrendirigenten mit drei Geburtstagskonzerten. Kurt Masur steht selbst am Pult. Aufführen wird er Prokofjews "Romeo und Julia"-Suiten, Tschaikowskys Fantasie-Ouvertüre "Romeo und Julia" sowie Gershwins "Porgy und Bess". MDR FIGARO überträgt das Jubiläumskonzert am Freitag live.
Zurück am Pult
Am 18. Juli 2012 feierte der Maestro seinen 85. Geburtstag. An große Auftritte war da nach dem schweren Sturz vom April, bei dem er sich ein Schulterblatt brach, nicht zu denken. Doch er ist zurück: Sein umjubeltes Comeback nach dem Sturz hatte Masur bereits Ende Juli mit dem Boston Symphony Orchestra im amerikanischen Tanglewood - ein Konzert vor 30.000 Zuhörern. Mitte September dirigierte er die Eröffnung des Usedomer Musikfestivals mit dem Baltic Youth Philharmonic Orchester vor 1.300 Zuhörern im Kraftwerk Peenemünde.
Mendelssohn und die verbindende Kraft der Musik
Und nach den beiden Leipziger Jubiläumskonzerten am Donnerstag und Freitag "in eigener Sache" tritt Kurt Masur gleich am Sonnabend wieder vor das Gewandhausorchester, diesmal zum Festkonzert anlässlich der Verleihung des Internationalen Mendelssohn-Preises an Harald Schmidt sowie an den Thomanerchor unter der Leitung von Thomaskantor Georg Christoph Biller.
Die undotierte Auszeichnung vergibt die 1991 von Masur begründete Stiftung bereits zum sechsten Mal. Unermüdlich setzt sich Masur für die Aufführung von Felix Mendelssohn-Bartholdy ein, dessen Werke er "kraftvoll-poetisch" und "zutiefst menschlich" nennt. Die Stiftung konnte durch Masurs Engagement auch die letzte Wohn- und Wirkungsstätte des einstigen Gewandhauskapellmeisters und Begründers des Leipziger Konservatoriums vor dem Verfall retten.
Präzision und Präsenz
Mit Masur tritt jedes Mal auch eine gewichtige Persönlichkeit der Musik- und Zeitgeschichte vors Publikum. Mit Blick auf die Rolle des Dirigenten meint er, die habe sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Einst sei der Dirigent eine "unantastbare Persönlichkeit" gewesen. Heute müsse er geistig und mit einer Konzeption führen. Das Publikum frage heute nach der Substanz eines Werkes.
In seiner internationalen Dirigierklasse an der Mendelssohn-Akademie in Leipzig vermittelt Masur seine Erfahrungen. Mit Sorge sieht er, wie der Spardruck immer mehr kleinere Orchester vernichte. Er spricht von einem "Verbrechen" und appelliert an die Verantwortlichen, die heilsame und verbindende Kraft von Musik zu erkennen.
Angaben zur Live-Übertragung
Figaro im Konzert | 28.09.2012 | 20:05 Uhr - Live
Sergej Prokofjew: "Romeo und Julia", Auszüge aus den Suiten 1 und 2 op. 64 a und b
Peter Tschaikowsky: Fantasie-Ouvertüre "Romeo und Julia"
George Gershwin: "Porgy and Bess"- A Symphonic Picture
Gewandhausorchester Leipzig
Leitung: Kurt Masur
Ausstrahlung in stereo und surround
115 min.
Mendelssohn-Preis 2012 für Harald Schmidt und die Thomaner
Der Moderator, Kabarettist und Schauspieler Harald Schmidt bekommt den Preis in der Kategorie "Gesellschaftliches Engagement". In der Begründung hieß es, die Vermittlung klassischer Musik nehme in Schmidts Wirken, zum Beispiel im Fernsehen und am Theater, eine entscheidende Rolle ein. Zudem habe sich Schmidt mehrfach zu Bartholdy, Bach, zum Thomanerchor und zur Musikstadt Leipzig
bekannt. Herausragend sei die Mendelssohn-Gala 2007 zum 80.
Geburtstag für Kurt Masur gewesen, die Schmidt mit Sachverstand und
großer innerer Anteilnahme für das Mendelssohnsche Erbe moderiert
habe. Seine zu diesem Anlass verbreiteten Spendenaufrufe für die Stiftung hätten dazu beigetragen, das Mendelssohn-Haus Leipzig zu entschulden und die Arbeit der Stiftung weltweit zu intensivieren.
In der Kategorie "Musik" geht der Preis an den Thomanerchor unter der Leitung von Thomaskantor Georg Christoph Biller. In seiner nunmehr 800 Jahre währenden Geschichte habe der Chor die Musikstadt Leipzig entscheidend geprägt und deren Geschicke mitbestimmt, hieß es zur Begründung. Die rege Konzerttätigkeit in der ganzen Welt hätte den Chor zu einem hoch geschätzten Kulturbotschafter Leipzigs werden lassen. Besonders in jüngster Zeit
fühlten sich die Thomaner und ihr Kantor dem Werk Mendelssohn
Bartholdys verpflichtet.
Kurt Masur und das Gewandhaus
Kurt Masur erwarb sich international nicht nur Ansehen als geschätzter und überaus durchsetzungsfähiger Dirigent. Er gilt auch als feinsinniger Diplomat, eine moralische Autorität. 1989 trug er mit seinem Appell zur Gewaltlosigkeit im Leipziger Gewandhaus maßgeblich zur friedlichen Revolution in der DDR bei.
1990 nahm Kurt Masur die Position des Musikdirektors des New York Philharmonic Orchestra an. Zum Jahreswechsel 1996/97 wurde er als Gewandhauskapellmeister in Leipzig verabschiedet und zum ersten "Ehrendirigenten" in der über 250-jährigen Geschichte des Orchesters ernannt. In New York, wo Kurt Masur von 1991 bis 2002 als Chefdirigent des Philharmonic Orchestra wirkte, machte er es wieder zu einem der "Big Five" in den Vereinigten Staaten. Im Jahr 2000 wurde er Musikdirektor des London Philharmonic Orchestra. 2002 übernahm Kurt Masur außerdem die musikalische Leitung des Orchestre National de France in Paris.
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