Flüchtlinge und Asyl in Sachsen Kurznachrichten am 06.01.2016


Brutaler Angriff auf Asylbewerber in Chemnitz

Die Polizei in Chemnitz sucht Zeugen für einen Angriff auf Asylbewerber in der Neujahrsnacht. Opfer der Attacke wurden ein gehbehinderter Tunesier und seine 13 und 16 Jahre alten Kinder. Die drei seien am Gablenzplatz von einer Gruppe Unbekannter zunächst ausländerfeindlich beschimpft worden. Dann sei der einen Rollator nutzende Vater mit Reizgas besprüht und zu Boden geschlagen worden. Seine 13-jährige Tochter wurde demnach mit Fußtritten maltraitiert. Die Opfer riefen die Polizei und den Rettungsdienst und wurden anschließend in ein Krankenhaus gebracht. Nach der Tat vermisste der 48-Jährige seinen Rucksack, in dem sich Medikamente, Handy und Geldbörse mit Bargeld befanden. Zum Zeitpunkt der Attacke hätten sich eine Menge Menschen am Tatort aufgehalten, hieß es.


Angriff auf Somalier - Politischer Hintergrund nicht ausgeschlossen

Das Operative Abwehrzentrum hat nach einem Messerangriff auf einen Somalier in Dresden die Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung übernommen. Wie die Polizeibehörde mitteilte, war der 19-jährige Asylbewerber einen Tag vor Heiligabend von zwei bislang unbekannten Tätern rassistisch beleidigt und anschließend mit einem Messer attackiert worden. Die Polizei sucht nun Zeugen, die sich zum Tatzeitpunkt in der Straßenbahn oder an der Haltestelle im Stadtteil Strehlen befanden. Das Opfer musste stationär behandelt werden, die Täter konnten unerkannt flüchten. Die Polizei schließt einen fremdenfeindlichen Hintergrund nicht aus.


Pläne zur Flüchtlingsunterbringung im Landkreis Leipzig

Der Landkreis Leipzig hat seine Pläne zur Flüchtlingsunterbringung in Böhlen, Borna und Markranstädt aktualisiert. Danach wird das Hotel Gutenberg in Markranstädt nun doch Flüchtlingsunterkunft. Noch vor einer Woche hatte man diese Pläne zurückgestellt, da die Stadt mit der Nutzung des Hotels ihre langfristigen Tourismuspläne gefährdet sah. Nun erklärte aber der Hotelbesitzer, das Haus wegen zu geringer Auslastung ohnehin schließen zu wollen. Ende Januar sollen nun dort die ersten Flüchtlinge einziehen. In Borna verzögert sich der Auszug von Flüchtlingen aus der Notunterkunft in der ehemaligen Berufsschule. Grund: Die neue Unterkunft in Lobstädt ist noch nicht fertig. In Böhlen wird das Aparthotel Flüchtlingsheim bleiben. Nachdem der Freistaat dort zum Jahresende mit seiner Erstaufnahmeeinrichtung auszog, übernimmt nun der Landkreis das Gebäude als Gemeinschaftsunterkunft für 200 Asylbewerber.


Ministerin verurteilt Zerstörung von Toleranz-Plakaten

Sachsens Wissenschafts- und Kunstministerin Eva-Maria Stange hat die Beschädigung von Toleranz-Plakaten an der Dresdner Palucca Hochschule für Tanz verurteilt. Die Zerstörung der Banner sei "ein Zeichen der Intoleranz und des mangelnden Respekts gegenüber den Mitarbeitern und Studierenden dieser weltweit angesehenen Einrichtung", erklärte Stange in Dresden. Unbekannte hatten während der Weihnachtsferien drei Außenbanner, die für Weltoffenheit und Toleranz werben, an der Dresdner Palucca Hochschule verwüstet. Ein Banner wurde komplett zerschnitten. Der erneute Angriff auf eine international anerkannte Institution schade dem Ansehen des Freistaates, erklärte Stange. Die Tanzhochschule stellte unterdessen Strafanzeige wegen Sachbeschädigung gegen Unbekannt.


Köpping fordert "null Toleranz" bei Frauenverachtung

Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping hat ein hartes Vorgehen bei sexuellen Übergriffen auf Frauen gefordert. Solche Taten seien durch nichts zu rechtfertigen, betonte die SPD-Politikerin mit Blick auf die Vorfälle in der Silvesternacht in Köln und anderen deutschen Städten. Respekt gegenüber Frauen sei nicht verhandelbar. "Es gibt null Toleranz bei Frauenverachtung, ganz gleich aus welchen Gründen sie zutage tritt." Das Thema Gleichstellung von Mann und Frau spiele deshalb in der Integrationspolitik eine wichtige Rolle. "Menschen aus anderen Kulturen müssen vom ersten Tag an erfahren, welche Regeln bei uns gelten, welche Rechte und Pflichten sie haben und welche Konsequenzen Verstöße gegen das Gesetz nach sich ziehen", sagte Köpping. Wer massiv kriminell werde, könne in Deutschland keinen Schutz erwarten.


Polizeigewerkschaft in Sachsen fordert Konsequenzen nach Köln

Angesichts der Vorfälle in der Silvesternacht in Köln hat die sächsische Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Cathleen Martin, eine schnellere Abschiebung straffälliger Asylbewerber gefordert. In einer an Bundeskanzlerin Merkel gerichteten Erklärung fordert sie: "Lassen Sie ihre Hilfsbereitschaft durch eine solche Gruppe von Straftätern in Köln nicht ausnutzen und ändern Sie unsere Asylgesetze". Diese Straftäter raubten den Beamten die Kraft, die täglichen Aufgaben ihrer Arbeit zu vollziehen. Martin forderte zugleich mehr Personal auch bei der sächsischen Polizei. Silvester waren nach Polizeiangaben vor dem Kölner Hauptbahnhof Frauen von Männergruppen umzingelt, sexuell bedrängt und ausgeraubt worden. Mittlerweile wurden über 100 Strafanzeigen gestellt. Nach Angaben von Augenzeugen und Opfern sind die Täter dem Aussehen nach größtenteils nordafrikanischer oder arabischer Herkunft.


Schlägerei in Leipziger Asylunterkunft

Bei einer Schlägerei mit rund 15 Beteiligten sind zwei Bewohner einer Leipziger Asylunterkunft verletzt worden. Ein 30 Jahre alter Marokkaner musste zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden, wie die Polizeidirektion Leipzig mitteilte. Außerdem zog sich ein Syrer Blessuren an einem Arm und einem Ohr zu. Ausgelöst hatten den gewalttätigen Streit offenbar drei Männer aus Marokko und Tunesien, die zwei syrische Frauen belästigt haben sollen.

Zuletzt aktualisiert: 06. Januar 2016, 17:54 Uhr