Sachsen

Verfassungsurteil zu Ladenöffnungsgesetz : Sonntagsöffnung erlaubt - Waschanlagen bleiben zu

Das sächsiche Landesverfassungsgericht hat das Ladenöffnungsgesetz von CDU und FDP weitgehend bestätigt. Damit können sich die Sachsen weiter sonntags Filme ausleihen und an maximal fünf Sonntagen im Jahr auch einkaufen. Autowaschanlagen müssen dagegen, zumindest vorläufig, wieder einen Ruhetag einlegen. Die Kläger SPD und Linke sind enttäuscht über das erste Urteil eines Landesverfassungsgerichts zu verkaufsoffenen Sonntagen. Dieses war wegen seiner möglichen Signalwirkung bundesweit mit Spannung erwartet worden.

Sachsens Geschäfte dürfen auch weiterhin an bis zu fünf Sonntagen im Jahr öffnen. Das entschied der Sächsische Verfassungsgerichtshof am 21. Juni 2012 in Leipzig. Er bestätigte damit weitgehend das seit 20011 geltende novellierte Ladenöffnungsgesetz. Demnach können auch die Videotheken in Sachsen weiterhin sonntags ab 12 Uhr öffnen. Das ist nach Ansicht der Verfassungsrichter mit dem verfassungsrechtlich gebotenen Schutz der Sonntagsruhe vereinbar, auch weil auf die Hauptgottesdienstzeiten am Vormittag Rücksicht genommen wird. Bei der bisher unbeschränkt erlaubten Öffnung von Autowaschanlagen sei das allerdings nicht der Fall. Diese müssen dem Gerichtsbeschluss zufolge künftig sonntags geschlossen bleiben - es sei denn, die Landesregierung findet eine Regelung, die dem Sonntagsschutz Rechnung trägt.

Kläger enttäuscht, aber nicht völlig unzufrieden

PKWs stehen hinter einem Schild mit den Angaben der Öffnungszeiten an einer Waschstraße in Dresden und werden ausgesaugt
Autowaschanlagen dürfen in Sachsen vorerst nicht mehr sonntags öffnen.

Die Kläger von SPD und der Linken in Sachsen erzielten damit nur einen kleinen Teilerfolg und reagierten entsprechend enttäuscht. Die Parlamentarischen Geschäftsführer Stefan Brangs und Klaus Tischendorf erklärten, sie hätten sich ein noch weitergehendes Urteil gewünscht. Andererseits sei nun Rechtsklarheit für Handel, Verkaufspersonal, Kunden und Kommunen geschaffen worden. Erfreut sind Brangs und Tischendorf, dass die Kommunen nicht mehr willkürlich "besondere Anlässe" ausrufen können, um verkaufsoffene Sonntage zu ermöglichen. Hier müssen der ausführlichen Urteilsbegründung zufolge künftig strenge Maßstäbe für eine ausnahmsweise Ladenöffnung erfüllt werden. Das sei im Sinne des Sonntagsschutzes, des Familienlebens der im Handel Beschäftigten und vor allem kleinerer Handelsbetriebe zu begrüßen, erklärten die Parlamentarischen Geschäftsführer.

Ziel waren nur Ausnahmen für Polizei und Krankenhäuser

Der Sächsische Verfassungsgerichtshof in Leipzig
Sachsens Verfassungsrichter sehen im Ladenöffnungsgesetz generell keinen Verstoß gegen den Schutz der Sonntagsruhe.

43 Abgeordnete der SPD und der Linken in Sachsen hatten im Sommer 2011 Normenkontrollklagen gegen das novellierte Ladenöffnungsgesetz im Freistaat eingereicht. Nach ihrer Ansicht waren darin die gesetzlichen Bestimmungen im Hinblick auf Sonn- und Feiertage nicht eindeutig genug geregelt. Die Kläger verwiesen auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Dezember 2009. Danach muss die Ladenöffnung an einem Sonn- oder Feiertag in jedem Einzelfall gut begründet werden. Die Kläger stören sich besonders an dem Passus, in dem die verfassungsrechtlich geschützte Sonntagsruhe "aus besonderem Anlass" an einzelnen Tagen aufgehoben werden kann. Aus Sicht der Kläger bot diese Regelung keine Rechtssicherheit. Ihrer Meinung nach dürften Ausnahmen von der Sonntagsruhe nur für Dinge gelten, die unbedingt nötig sind - wie etwa die Arbeit in Krankenhäusern oder bei der Polizei.

Wirtschaftsminister sieht sich bestätigt

Sachsens Landesregierung hatte bislang die Öffnung von Videotheken und Autowaschanlagen verteidigt. Dabei verwies sie darauf, dass bei den Bürgern eine entsprechende Nachfrage zu beobachten sei. Das Anschauen von Filmen entspreche einer typischen sonntäglichen Beschäftigung, etwa vergleichbar mit dem Besuch eines Kinos oder Restaurants, argumentierten sie beim letzten Gerichtstermin Ende April. Die Sonntagsöffnung war ein Hauptthema von CDU und FDP im Landtagswahlkampf 2009. Entsprechend erfreut zeigte sich der FDP-Wirtschaftsminister Sven Morlok von dem Verfassungsgerichtsurteil. Abgesehen von den geforderten Nachbesserungen bei den Waschanlagen sei das Gesetz nicht infrage gestellt. Seit seinem Inkrafttreten habe es auch keine nennenswerten Konflikte, Beschwerden oder Rechtsstreitigkeiten gegeben. "Eine in der Praxis bewährte Regel hat Bestand", sagte Morlok.

Ziel sind arbeitsfreie Sonntage

An der Glasscheibe der Eingangstür eines Geschäftes in der Innenstadt von Dresden klebt ein Blatt Papier, auf dem "Geöffnet!!! Täglich - 10-20 Uhr - ausser Sonntag" steht.
Bis zu fünf Mal im Jahr können die Sachsen auch sonntags einkaufen.

Das sächsische Ladenöffnungsgesetz erlaubt an vier Sonntagen pro Jahr eine Ladenöffnung zwischen 12 und 18 Uhr. Im Falle eines lokal eng begrenzen Festes, zum Beispiel im Umfeld einer Firma oder in einem einzelnen Stadtteil, ist ein zusätzlicher fünfter Verkaufssonntag möglich. Zudem können Videotheken sonntags zwischen 12 und 20 Uhr öffnen, Autowaschanlagen unterlagen bisher keiner Einschränkung. Kirchen, Gewerkschaften, SPD und Linken ist das ein Dorn im Auge. Sie meinen, Sonntagsöffnungen brächten kaum ein Umsatzplus. Dagegen seien arbeitsfreie Sonntage aber ein erheblicher Gewinn für Familie und soziale Kontakte.

Das Urteil war die erste Entscheidung eines Landesverfassungsgerichts zu verkaufsoffenen Sonntagen. Mit Spannung wurde erwartet, ob das sächsische Gesetz als nicht "bestimmt genug" bewertet werden würde, weil die besondere Ausnahme für den Sonntag zu schwammig formuliert ist. Dies hätte Signalwirkung für die Entscheidung anderer Gerichte gehabt.

Zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2012, 19:17 Uhr

21. Dietmar:
Sind es nicht die Diener Gottes, die unbedingt den arbeitsfreien Sonntag wollen ? Haben wir vergessen, wer diese bezahlt? Vater Staat !
30.01.2013
19:11 Uhr
20. Hans:
Übrigens: warum Sonntagsruhe betrifft die Kirche nicht? Ich arbeite jeden Sonntag, spiele je zwei Gottesdienste, manchmal danach noch Hochzeiten. Warum sagt keiner, daß ein Organist am Sonntag nicht arbeiten darf? Wenn doch, dann wo liegt Unterschied zwischen der Arbeit eines Organisten oder eines Pfarrers und der Arbeit einer Autowaschanlagebedienung? Wir alle verdienen unseres Geld so gut, wie wir es können - beim Putzen oder auf der Orgelbank, wer was besser kann...
22.06.2012
22:27 Uhr
19. Hans:
Ich selbst besuche immer die Kirche. Trotzdem denke ich, daß das Auto für Sonntag schmutzig zu lassen keine gute Idee ist. Ich denke sogar, unserem Herrn Gott wäre es lieber, wenn die Autowaschanlagen auch sonntags zu benutzen wären. Oder - wenn doch, dann muß man wohl auch die Tankstellen sonntags schließen???
22.06.2012
22:19 Uhr
18. Fritz:
Es ist richtig, die Sonntagsruhe wieder herzustellen - nicht nur für Waschanlagen. Muss denn der Supermarkt bis 22:00Uhr geöffnet haben?Es gibt Berufszweige wo es einfach nicht anders geht, das am Wochenende gearbeitet werden muss - Autowaschanlagen gehören ganz bestimmt nicht dazu!! Wo es möglich ist, sollte man Sonntagsarbeit soweit wie möglich zurückfahren. Wie sieht es denn in den Familien aus? Vater hat Montag, Dienstag frei- Mutter Mittwoch Donnerstag und die Kinder Samstag Sonntag: Wann sitzen diese Familien mal gemeinsam am Frühstückstisch bzw. unternehmen mal etwas zusammen? Diese Entwicklung ist ganz sicher nicht gesund.
22.06.2012
20:55 Uhr
17. Jo. Wo.:
Feedback zu Sonntagsöffnungszeiten Für mich sind solche Regelungen überholt und passen nicht mehr in unsere Zeit. Kann man nicht Unternehmern die Freiheit lassen, wann sie öffnen wollen. Wenn kein Umsatz erbracht wird, dann wird kein Unternehmer am Sonntag öffnen. Außerdem gibt es genügen Menschen, die sonntags arbeiten müssen, wie Mitarbeiter des Gesundheitswesen, Polizei, Transportunternehmen, Energieversorgung, Rundfunkanstalten oder Feuerwehren. Dies sind natürlich nicht alle Menschen, die am Sonntag arbeiten müssen, aber dies belegt doch, dass man auch sonntags arbeiten muss. Warum will man Handel und Dienstleistungsunternehmen, wie Waschstraßen, dies verbieten?
22.06.2012
15:42 Uhr
16. Reiner202:
Ich sage nur eines,:Entweder es gibt eine Sonntagsruhe für alle,(ich meine für alle,auch für Pfaffen und alle im Rettungswesen,sowie für Arbeiter die in rollenden Schichten arbeiten)Mal sehen wie die Regierung dann redet wenn es nur noch Tote gibt bzw.die Wirtschaft am Ende ist.
22.06.2012
14:17 Uhr
15. Thomas Roethel:
Eins muss man der SPD und den Linken lassen, Sie versuchen wirklich alles um nicht gewählt zu werden! Ich frage was dieser Unfug mit der Sonntagsruhe soll, die Trennung von Staat und Kirche sollte eigentlich bekannt sein. Die Kirchen werden jetzt auch nicht voller werden! Auch ich muss Sonntag arbeiten und verstehe diese " geheuchelte " Aufregung nicht! Am besten keiner geht Sonntag arbeiten, denn können wir Gott dafür danken!
22.06.2012
12:05 Uhr
14. Codo:
Das sonntags die Läden zu sind ist doch ok. Da hat auch die Verkäuferin mal Zeit für sich. Was sie halt nicht kann ist ihr Auto waschen. Und das ist doch richtiger Dreck! Da wo man mal Zeit hat in aller Ruhe sein Blech zu putzen darf man es nicht und dass obwohl es dafür keine logisch nachvollziehbaren Gründe gibt.
22.06.2012
10:38 Uhr
13. carsten:
Jeder Gewerbetreibende soll selbst entscheiden, ob er am Sonntag öffnet. Die Tatsache, dass am Sonntag geöffnet werden darf, heißt nicht, dass geöffnet werden muss.
22.06.2012
10:05 Uhr
12. matze:
Eigentlich Schade, daß das Gericht den Sonntagsöffnungen nicht strengere Maßstäbe auferlegt hat. Was mich bei der ganzen Sache aber eigentlich am meisten aufregt, ist die Tatsache, das ausgerechnet die Partei, die mit dem C irgendwo auf christliche Werte setzt (setzen will), am hartnäckigsten den Sonntagsschutz aushöhlen will. Am Ende sind es die Linken und die SPD, die die christlichen Werte besser zu schützen versuchen als die große C-Partei. Von denen bin ich einfach nur maßlos enttäuscht. Die sollten das C aus dem Namen entfernen und das D gleich mit und statt dessen ein W und ein L für Wirtschaft und Lobbyismus reinschreiben. Aber WLU klingt schon irgendwie doof, oder?
22.06.2012
09:01 Uhr

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