Ein Lehrer steht im Untericht vor einer Tafel.
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Schule in Sachsen Lehrer dringend gesucht

Der letzte Schultag naht - Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth hat aber schon den ersten des neuen Schuljahres im Visier. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Sachsen will 1.400 neue Lehrer einstellen - so viele wie noch nie.

von Uta Deckow

Ein Lehrer steht im Untericht vor einer Tafel.
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"Wir absolvieren gerade das größte Einstellungsprogramm seit 1990", erklärt Brunhild Kurth. "Es ist nicht so, dass ich als Kultusministerin um weitere Stellen kämpfen müsste." Das sei ein Paradigmenwechsel, sagte die Politikerin im Gespräch mit MDR SACHSEN und der "Sächsischen Zeitung".

Zwei Monate vor Beginn des neuen Schuljahres sind nach Angaben der Ministerin 860 von 1.400 Stellen besetzt. Weitere Lehrer sollen in den nächsten Wochen eingestellt werden - die Sächsische Bildungsagentur führe derzeit Gespräche. Das Einstellungsverfahren werde in den Sommerferien und in der Vorbereitungswoche Anfang August fortgesetzt.

Vor allem Grund- und Oberschullehrer fehlen

Brunhild Kurth
Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth Bildrechte: dpa

Für die neuen Stellen haben sich etwa 2.800 Personen beworben. Nur 1.000 Bewerber sind ausgebildete Lehrer. Fast 600 von ihnen haben sich für den Schuldienst am Gymnasium beworben. Dort hat das sächsische Kultusministerium allerdings nur 100 Stellen zu besetzen. Die meisten Lehrer werden an Grund- und Oberschulen gebraucht - sachsenweit können jeweils rund 480 Stellen besetzt werden. Beworben haben sich allerdings nur 160 ausgebildete Grund- und 130 Oberschullehrer. An den Förderschulen liegen nach Angaben des Kultusministeriums 60 Bewerbungen für 175 Stellen vor. An den berufsbildenden Schulen können 159 neue Lehrer eingestellt werden.

Wir können nicht alle Stellen mit voll ausgebildeten Lehrern besetzen. Vor allem nicht mit Lehrern für unsere Grund- und Oberschulen.

Kultusministerin Brunhild Kurth

Die meisten Neueinstellungen entfallen auf die Region Dresden und Leipzig. Kurth wirbt daher besonders für die ländlichen Regionen. Allerdings sei es selbst schon für Städte wie Chemnitz schwieriger, Bewerber zu begeistern. "Gerade in den ländlichen Regionen aber wird Lehrern viel geboten. Inzwischen kommen Bürgermeister sogar mit geschnürten Paketen vom Kita-Platz über Grundstücksangebote bis hin zur Hilfe bei Jobs für den Lebenspartner, um Lehrer für ihre Region zu begeistern," so Kurth.

Ohne Seiteneinsteiger geht es nicht

In einem Brief hat Kurth am Dienstag die Schulleiter in Sachsen über die Situation informiert. "Das Thema Seiteneinsteiger wird in diesem Jahr größer sein als jemals vorher", sagte die Kultusministerin. "Die Anzahl ausgebildeter Lehrer ist einfach nicht auf dem Arbeitsmarkt verfügbar, zumal alle Länder Lehrer suchen." Auch die 1.000 Bewerber mit Lehramtsstudium werden vorraussichtlich nicht alle in Sachsen bleiben, weil sie sich mehrfach beworben haben.

Sachsen steht im Wettbewerb mit anderen Bundesländern. Aber gibt es nach Angaben der Ministerin auch Anfragen von Lehrern, die zurückkehren wollen. In fünf Fällen seien bisher Zulagen dafür gezahlt. "Unser Schulsystem hat ja bundesweit nicht den schlechtesten Ruf“, so Kurth. "Wir werben auch zielgerichtet in anderen Ländern für Sachsen, etwa in Bayern. Dort gibt es Überbedarfe." Einen Vorteil sieht sie darin, dass in Sachsen die Ferien früher beginnen, hier als auch früher eingestellt werde. Der Wettbewerbsnachteil: In Sachsen werden Lehrer nicht wie in den meisten anderen Bundesländern verbeamtet.

Am Ende dieses Schuljahres werden 1.350 Lehrer aus dem Dienst ausscheiden. Zusammen mit den 815 im Frühjahr übernommenen Lehrkräften liegt die Zahl aller Neueinstellungen um mehr als 865 höher als die der Altersabgänge.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch in Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.06.2017 | Nachrichten | 20:00 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 13.06.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2017, 14:44 Uhr

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26 Kommentare

15.06.2017 22:41 CDU-Versagen auf ganzer Linie 26

Liebe Eltern,
schaut euch diese Misere ganz genau an, denn diese Partei (CDU) und damit die Bedingungen wählt IHR!!!!
Vollgestopfte Klassen, Schüler, die an andere entferntere Schulen geschickt werden müssen, Kinder mit Förder- oder Integrationsbedarf bekommen keine ausreichenden Bedingungen usw.
Hinzu kommen überlastete und resignierte Lehrer. Nicht etwa wegen der Kinder, sondern aufgrund der Bedingungen, Mehrarbeit und Druck an den Schulen, der vom Ministerium über die Bildungsagenturen zu den Direktoren an die Lehrer weitergegeben wird! Nachdem ich die letzten Jahre diskutiert, gestritten und argumentiert habe, schaue ich jetzt zu, wie das ganze System gegen den Baum fährt!!!
Und Schuld sind immer die Lehrer, die sich das falsche Bundesland raussuchen, die falschen Fächer oder Schulformen studieren, das falsche Gehalt fordern, in der falschen Stadt wohnen .....

15.06.2017 15:11 Fragender Rentner 25

Wird bei der Bildung auch soviel wie bei der Sicherheit gespart und wer sind wieder mal die Leidtragenden?

14.06.2017 16:56 Steffen FÖS 24

Wo Sachsen ist, ist vorn und wenn Sachsen hinten ist, ist hinten vorn.
Die sächsische Bildungspolitik ist ein Scherbenhaufen, verantwortlich die CDU geführte Landesregierung.
Seit der Wende kein Personalentwicklungskonzept, Fälschung der Unterrichtsausfallerfassung und Kürzungen in allen Bildungsbereichen, keine konstrunktive Zusammenarbeit mit den Lehrergewerkschaften und den Personalräten, Eltern- und Schülervertretungen.
In den Bildungsämtern herrscht Inkompetenz und Obrigkeitsdenken. Frau Kurth, es gibt so viele Schulen, die LehrerInnen suchen, nehmen Sie bitte alle Ihre Mitarbeiter und bewerben Sie sich doch als Quereinsteiger...!

14.06.2017 16:44 Sebastian 23

@6 Ich stimme ihnen ja zu das die Lehramtsstudiengänge aufgestockt werden müssen, aber auch hier muss differenziert werden. Wie im Artikel genannt gibt es für das Gymnasium massig Lehrer! (Mal von der Fächerkombi abgesehen) Auch hier wird am Bedarf vorbei ausgebildet. Denn wir brauchen vor allem Mittel, Grund und Förderschullehrer! Außerdem sollte die Ausbildung eben dezentralisiert werden. Warum ist der Bedarf in Leipzig und Dresden eher zu decken? Nicht nur weil die Städte toll sind, sondern eben auch weil hier die gesamten Lehramtsstudiengänge sind. In Westsachsen gibt es hingegen keine Ausbildung! Als die TU Chemnitz angefragt hat auch Oberschullehrer auszubilden, wurde das vom Kultus abgewunken. Brauch man sich also nicht wundern das vor allem Chemnitz und Zwickau problematisch sind!

14.06.2017 16:43 Untermensch aus Dunkeldeutschland 22

Bei Millionen Arbeitslosen sollte dies sehr leicht sein. Vielleicht wären KIindergeld und andere Wahlgeschenke mal besser den Schulen gemacht worden. Aber wenn man von der Familie als Kern der Gesellschaft faselt. Dumme Kinder werden unweigerlich zum Kostenfaktor. Kluge Kinder zu Leistungsträgern. Dies geht aber nur, wenn das Kindergeld in die Schulen gesteckt wird.

14.06.2017 15:34 Atze 21

@Kathleen 14:
Ja, aber mit abgeschlossenem Studium.Die Leute wissen doch gar nicht, was sie erwartet.Wofür gibt es ein Studium? In der Regel muss man Didaktik, Erziehungstheorie usw. erlernen.Es ist auch sträflich, das berufsbegleitend zu machen! Da kommt man ganz schnell an die Grenzen und fällt aus und was dann mit der Klasse? Eltern sollten sehr kritisch bleiben.

14.06.2017 15:27 jackblack 20

Gott sei Dank habe ich von 1961-71 die polytechnische Oberschule besucht und danach eine 3- jährige Berufsausbildung mit Abitur absolviert, sodaß ich mit Schnitt 1,7 gut vorbereitet ein Ingenieurstudium beginnen konnte, hatte in all den Jahren keine 10 Stunden Unterrichtsausfall, aber die DDR war ja eine menschenverachtende Diktatur, wenigstens mit hervorragender Ausbildung !!!

14.06.2017 14:49 Barbara 19

Wer so eine Meinung hat wie die Kurth sollte man sofort ablösen von ihren Posten oder diese sollte sich sachkundig machen wie es zu DDR Zeiten im Bildungswesen war. also das heißt auf Deutsch
es müssen dviele dumm bleiben, nur die feinen Politiker Kinder sind auf einer Elite Schule, Lehrer
müssen ausgebildet sein, anders geht es garnicht.

14.06.2017 13:41 Sylvia, meine Tochter ist Grundschullehrerin 18

Meine Tochter ist ausgebildete Grundschullehrerin. Sie hat das erste und zweite Staatsexamen 2014 in Bayern abgelegt. Sie arbeitet seit 3 Jahren in Dresden als Grundschullehrerin. Es hat ihr dort gut gefallen. Aus persönlichen Gründen möchte sie nach Leipzig versetzt werden. Dem Antrag wurde nicht stattgegeben. Sie sah sich gezwungen zu kündigen und hat sich jetzt in einem anderen Bundesland beworben. Das Sachsen eine ausgebildete Lehrerin gehen lässt und lieber Quereinsteiger einstellt, ist für unsere Familie und Freunde nicht nachvollziehbar.

14.06.2017 13:01 Gehts noch 17

Mein zweiter Versuch zu diesem Thema: "Wir können nicht alle Stellen mit ausgebildeten Lehrern besetzen", so Kultusministerin Kurth. Sie ist seit 2012 in diesem Amt. Was hat sie bis heute, Juni 2017, auf die Reihe bekommen? Ist das das Einzige, was Sie an Ergebnissen vorlegen kann? "... können nicht alle Stellen mit ausgebildeten Lehrern ...". Noch ein Zitat von Frau Kurth, Sächs. Zeitung vom 14.06.2017: "... nicht genügend ausgebildete Bewerber, dass wir schulartfremd einstellen müssen und Seiteneinsteiger brauchen." Im Gegensatz dazu: @6 Tut nicht zur Sache: "Vor fünf Jahren ... in Dresden fünf und in Chemnitz zehn mal soviel Bewerber für ein Grund - lehramt wie freie Stellen gab. Das hier seit Jahren von der Politik gelogen wird, dass es nicht genügend Bewerber gibt, ist also schlicht gelogen!" Was nun Frau Kurth?
Eine Frage noch an die MDR-Redaktion mit der Bitte um eine Antwort: Warum wurde mein erster Beitrag zu diesem Thema nicht veröffentlicht? Was war dort inhaltlich falsch?