Sachsen

Lehrermangel in Sachsen : Kritik am sächsischen Bildungspaket hält an

Das vom sächsischen Kabinett vor Weihnachten 2011 verabschiedete Bildungspaket stößt weiter auf Kritik. Der CDU-Bildungsexperte Thomas Colditz bezeichnete das Vorhaben Medienberichten zufolge als nicht akzeptabel. Die bis 2016 geplanten 2.200 Lehrerstellen und 2.050 Referendarplätze seien nicht ausreichend, sagte Colditz. Notwendig wären mindestens 1.000 neue Lehrer pro Jahr.

Colditz: Eigens ausgebildetes Personal halten

Bildungspolitiker Colditz kündigte an, dem Vorhaben seiner eigenen Partei im Landtag die Zustimmung zu verweigern. Die geplanten Maßnahmen zur Bekämpfung des Lehrermangels machten ihn "rat- und fassungslos", da die Dramatik der Angelegenheit "überhaupt nicht erfasst" werde. Er kritisierte weiter, dass nur die Hälfte der ausgebildeten Lehrer eine feste Anstellung bekommen kann, während Pädagogen aus den alten Bundesländern nach Sachsen kommen sollen. "Die, die wir haben, schicken wir weg und hoffen, es mögen welche kommen", sagte Colditz der "Sächsischen Zeitung". Positiv zu erwähnen sei lediglich die steigende Zahl an Referendarstellen.

Der sächsische Koalitionsausschuss hatte am vergangenen Mittwoch sein Bildungspaket präsentiert. Zuvor hatte sich der Ministerkreis - ohne Einbeziehung der Fachpolitiker - darauf geeinigt, in den kommenden fünf Jahren 200 Millionen Euro in neue Lehrer- und Referendarstellen fließen zu lassen. Festgeschrieben wurde das in einem zweiseitigen Papier mit dem Titel "Bildungspaket Sachsen 2020". Unmittelbar danach hatte es reichlich Kritik von allen Seiten gehagelt. Die SPD-Bildungsexpertin Eva-Maria Stange erklärte, die Pläne seien nicht inhaltlich unterfüttert. Der Linken-Fraktionschef André Hahn erklärte, Lehrerarbeitsplätze in Sachsen seien unattraktiv. Die Lehrergewerkschaft GEW sprach von "viel Schaum und ganz wenig Substanz". Der einzige tatsächliche Zuwachs sei bei den Studienplätzen und den Stellen für Referendare zu erkennen. Alles andere in dem Paket bedeute unter dem Strich Stellenabbau, sagte GEW-Landesvorsitzende Sabine Gerold. "Wenn in den nächsten acht Jahren rund 8.000 Lehrkräfte ausscheiden und in vier Jahren nur 2.200 neu eingestellt werden, kann ich beim besten Willen keinen Zuwachs erkennen", sagte Gerold.

Zuletzt aktualisiert: 27. Dezember 2011, 22:07 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

Eckpunkte des Bildungspakets Sachsen 2020

* insgesamt sollen 200 Millionen Euro investiert werden
* Zahl der Plätze für Studienanfänger soll von 1.000 auf 1.700 pro Jahr erhöht werden
* Zahl der Referendarstellen erhöht sich ab 2012 bis 2015 auf 2.050 (derzeit rund 1.000)
* Neueinstellungen bei Lehrern steigt bis 2016 in vier Stufen auf 2.200
* Lehramtsstudenten sollen intensiver betreut und frühzeitig an Schulen gebunden werden
* es sollen weniger Pädagogen in die Verwaltung abgeordnet werden
* ein Seiteneinsteigerprogramm ist geplant
* unter Führung der Universität Leipzig soll ein Bildungs-Campus entstehen; Grundschullehrer werden künftig in Chemnitz, Dresden und Leipzig ausgebildet
* ab dem Schuljahr 2013/14 soll die Oberschule die Mittelschule ersetzen

© 2014 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK