Spitzentreffen von Regierung und Lehrervertretern in Sachsen : Vertrag über Lehrer-Generationenwechsel in Aussicht
Die sächsische Landesregierung und die Lehrergewerkschaften streben einen verbindlichen Vertrag zum Generationenwechsel bei den Lehrern im Freistaat an. Vertreter beider Seiten vereinbarten bei einem Spitzentreffen am Montag in Dresden, mit den konkreten Verhandlungen am 25. März zu beginnen. Die Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Sabine Gerold, sagte MDR 1 RADIO SACHSEN, bis dahin würden die Lehrer auf Warnstreiks verzichten.
Vor Verhandlungen gemeinsame Datengrundlage schaffen
Finanzminister Georg Unland erklärte, es gebe das gemeinsame Ziel, eine Vereinbarung abzuschließen und den Generationenwechsel an den Schulen vernünftig zu gestalten. Dafür sind vor dem offiziellen Verhandlungsauftakt noch Treffen auf der Arbeitsebene geplant. Den Angaben zufolge soll eine Kommission eine einheitliche Datenbasis schaffen, denn bisher unterscheiden sich die Zahlen der Gesprächspartner deutlich. Das betrifft zum Beispiel den Unterrichtsausfall oder den Lehrerbedarf. Während Kultus- und Finanzministerium schon an einem Datenabgleich gearbeitet haben, ist der Unterschied zu den Zahlen der Lehrergewerkschaften noch groß. Ihnen zufolge gibt es eine große Personallücke. Die Regierungsseite geht dagegen bisher davon aus, dass durch ihr Einstellungsprogramm ausreichend Lehrer vorhanden sind. Ein weiterer Streitpunkt ist die Gehaltseinstufung der Förder- und Mittelschullehrer.
Gespräche statt Proteste
Diese und weitere Themen sollten in den kommenden Verhandlungen ergebnisoffen diskutiert werden, sagte Unland zu. Das ist vor allem im Streit um Altersteilzeitregelungen für Lehrer eine neue Position, denn noch im Dezember hatte der Minister diese als "äußerst problematisch" bezeichnet. Die Gewerkschaften sahen dagegen in einer vertraglich geregelten Altersteilzeit die Voraussetzung, um ausreichend junge Lehrer einstellen zu können. Dieser und Forderungen nach mehr Stellen sowie besserer Bezahlung verliehen vergangenes Jahr Tausende Pädagogen mit landesweiten Streiks Nachdruck. Kultusministerin Brunhild Kurth steht in diesem Konflikt anscheinend in der Mitte. Zur Altersteilzeitregelung gab sie nach dem Spitzentreffen keine konkrete Stellungnahme ab. Stattdessen erklärte Kurth, es gehe darum, für ältere Kollegen Bedingungen zu gestalten, die die Arbeit attraktiv machen.
Wille zur Einigung vorhanden
Auch wenn das Spitzentreffen noch keine konkreten Ergebnisse brachte, sahen die Lehrervertreter nach den Gesprächen doch Fortschritte. Willi Russ vom Beamtenbund sprach von einer intensiven Diskussion und auch GEW-Landeschefin Sabine Gerold sah viele Schnittmengen und den Willen beider Seiten, zügig voranzukommen. Ihrer Meinung nach ist es möglich, schon im Vorfeld des kommenden Schuljahres erste Lösungen zu finden. Das Wunschziel der Lehrergewerkschaften ist dabei der Abschluss des Demografie-Tarifvertrags. Die Zeit dränge, mahnte Gerold, denn der ohnehin hohe Altersdurchschnitt bei den Lehrern in Sachsen steige mit jedem Tag.
