Sachsen

Warnstreik in Sachsen : Lehrer demonstrieren für bessere Bildungspolitik

Am Freitag sind landesweit 18.000 Lehrer und Erzieher einem Aufruf der GEW Sachsen und der dbb tarifunion zum Warnstreik gefolgt. Sie forderten unter anderem Verhandlungen über einen sogenannten Demografie-Tarifvertrag. 15.000 Pädagogen demonstrierten vor dem Landtag in Dresden, während im Plenum der Doppelhaushalt für 2013/14 eingebracht wurde. Bei der Regierungskoalition stießen dabei die Forderungen der Lehrer weitgehend auf taube Ohren.

Rund 15.000 Lehrer haben am Freitag vor dem Sächsischen Landtag in Dresden für eine andere Bildungspolitik demonstriert. Nach Angaben der Landtagsverwaltung war es die größte Demonstration, die bisher vor dem Parlament stattfand. Sie bildete den Höhepunkt des landesweiten Warnstreiks, zu dem die GEW Sachsen und die dbb tarifunion aufgerufen hatten. Gewerkschaftsangaben zufolge legten insgesamt 18.000 Pädagogen die Arbeit nieder. Das Kultusministerium sprach von mehr als 11.300 Streikteilnehmern und 855 betroffenen Schulen. Hier fand kein oder nur eingeschränkter Unterricht statt. Für die betroffenen Schüler gab es zum Teil Freiarbeit oder eine Notdienstbetreuung.

Altersteilzeit zu Gunsten junge Pädagogen gefordert

Die streikenden Lehrer waren unterdessen mit rund 140 Bussen aus allen Landesteilen zu der Zentralkundgebung nach Dresden gekommen. Dort forderten sie lautstark bessere Arbeitsbedingungen, höhere Gehälter und vor allem Verhandlungen über einen Generationen-Tarifvertrag. Dabei sollen neue Altersteilzeitregelungen das Einstellen junger Pädagogen ermöglichen. Auch der Generationenwechsel muss aus Sicht der Gewerkschaften organisiert werden. Das Durchschnittsalter der Lehrer liegt den Angaben zufolge an den allgemeinbildenden Schulen bei etwa 50 Jahren. Der Vize-Vorsitzende vom dbb Beamtenbund und Tarifunion, Willi Russ, erklärte, angesichts der sächsischen Haushaltspolitik würden die Belastungen für Lehrer weiter steigen und die Attraktivität des Berufs weiter sinken.

Unland lehnt Forderung ab

Der sächsische Finanzminister, Prof. Dr. Georg Unland (CDU)
Finanzminister Unland ist strikt gegen Altersteilzeit für Lehrer in Sachsen.

Anlass für die Proteste war der Auftakt der Haushaltsberatungen im Landtag. Während die Lehrer vor dem Haus demonstrierten, stellte Finanzminister Georg Unland den Etatentwurf für die Jahre 2013/14 vor. Dabei lehnte er erneut Verhandlungen für einen Generationen-Tarifvertrag ab. Durch Altersteilzeitregelungen würde Sachsen mehr Lehrkräfte verlieren als ausgebildet und eingestellt werden könnten, erklärte der Minister. Ziel müsse es sein, die Unterrichtsversorgung zu sichern, und nicht die Interessen einer kleinen Gruppe zu bedienen. Zugleich verwies Unland darauf, dass die Gewerkschaften noch vor wenigen Jahren vehement für die Aufhebung der Teilzeit und die Vollzeitbeschäftigung der Lehrer gekämpft hätten.

Viel Kritik und wenig Verständnis bei Regierungskoalition für Streik

Ein Plakat mit der Aufschrift "Heute Warnstreik" hängt am geschlossenen Tor des Bertolt-Brecht-Gymnasiums in Dresden
Vor vielen Schulkassen stand am Freitag kein Lehrer - die Regierung war darüber nicht begeistert.

CDU-Fraktionschef Steffen Flath erklärte sein Unverständnis für den Lehrerwarnstreik zu Beginn des Schuljahres. Es stimme, dass in anderen Bundesländern Pädagogen weniger arbeiten und mehr verdienen würden als in Sachsen. Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen gehe es den Lehrern im Freistaat aber auch besser, meinte Flath. Es wäre ungerecht, hier draufzusatteln. Auch Kultusministerin Brunhild Kurth verurteilte den Streik. Sie habe kein Verständnis dafür, dass zu Beginn des Schuljahres gleich Tausende Unterrichtsstunden ausfielen. Es sei viel Kraft darauf verwendet worden, damit der Schuljahresstart zufriedenstellend verlaufe. Das würden die Gewerkschaften nun torpedieren. Sie verstehe zwar auch das Anliegen der Lehrer, doch der Streik selbst sei unangebracht, erklärte Kurth.

Linken-Fraktionschef Rico Gebhardt sprach dagegen von einer "bildungspolitischen Irrfahrt" der CDU/FDP-Koalition. Diese wolle die besten Schulen mit den deutschlandweit am schlechtesten bezahlten Lehrern schaffen. "Das funktioniert nicht", betonte Gebhardt. Der ehemalige bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Thomas Colditz, äußerte ebenfalls Verständnis für die Forderung nach einer besseren Bezahlung. Sachsens Schulen lägen in bundesweiten Vergleichen an der Spitze. Das müsse honoriert werden, erklärte die Bildungspolitiker. Colditz war Ende vergangener Woche im Streit um eine zukunftsfähige Schulpolitik von seinem Amt zurückgetreten.

2020 gehen 9.000 Lehrer in den Ruhestand

Ursprünglich sollte nach den Plänen der Landesregierung die Zahl der Lehrer von rund 27.600 im vergangenen Schuljahr um fast 1.000 bis zum Schuljahr 2014/2015 gesenkt werden. Bis 2020 gehen zudem etwa 9.000 Lehrer in den Ruhestand. Die Schülerzahl dagegen steigt. Sie soll laut einer von der SPD-Fraktion veröffentlichten Prognose bis zum Schuljahr 2014/2015 von 373.100 auf rund 382.200 ansteigen und wird 2020 voraussichtlich bei 393.200 liegen. Nach langem Streit mit der Landtagsopposition und den Gewerkschaften besserte die Regierung deshalb nach. So sollen 100 Pädagogen zusätzlich bis zum Schuljahr 2014/2015 an den öffentlichen Schulen arbeiten. Den Gewerkschaften gehen die Pläne aber nicht weit genug.

Zuletzt aktualisiert: 07. September 2012, 19:56 Uhr

10. hmüller:
Mein Neffe hat als Erstklässler nach 4 Tagen Unterricht schon wieder frei. Die sächsischen Lehrer müssten für diesen Unfug mal nach Köln oder Berlin versetzt werden, da wüssten sie, wie Unterricht aussehen kann bei 80 %Migrantenkinder.
07.09.2012
17:27 Uhr
9. crabatellis:
In allen Bereichen läuft alles auf Eines hinaus, die Honorare und Löhne wurden nach dem Prinzip der Herkunft der Himmelsrichtungen verteilt! Westlöhne gleich gute Leistungen, Ostlöhne gleich schlechtere Leistungen... bloss peinlich, dass dies nicht dem Einheitsgedanken Deutschlands dient und sich bös rächen wird, an den Renten! Wieviel gut Verdienende gibt es, die nicht in Rentenkassen einzahlen? Sehr viele! Demgegenüber 8 Millionen Deutsche können überhaupt keine Rentenanwartschaften bilden weil sie von ihrer Hände Arbeit nicht leben können... Geschweige denn Ost -Renten und Westrenten, Stasirenten, Nazibeamtenrenten contra "Opferrenten... Was nicht mit Geld aufzuwiegen ist, die Verantwortung und deen persönlichen Einsatz der Lehrer, vor allen Dingen derer die hiergeblieben sind, wobei ich Verständnis dafür habe, wenn junge Lehrer sagen, fliehet dem Ort, wo Du nur Sklave- und nicht geachtet bist! Ost"(Sterbegeld)
07.09.2012
17:25 Uhr
8. insider:
Ist es fair, dass die Lehrer die verfehlte Personalpolitik von Herrn Flath und seinen Nachfolgern im kultus ausbaden sollen?
07.09.2012
16:32 Uhr
7. insider:
Ach ja... und dass die Lehrer jetzt die verfehlte Personalpolitik des Herrn Flath und seiner Nachfolger im Kultus ausbaden sollen, ist die größte Frechheit!
07.09.2012
16:18 Uhr
6. insider:
Derzeit werden die Lücken durch Abordnungen, Aufstocken der Klassenstärke und Zusammenlegen von Kursen gefüllt, ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der Kinder, Schulwege, auf Stabilität und Kontinuität, die für ein erfolgreiches Lernen erforderlich sind. Lehrern, die zwischen den Schultypen hin und her springen, die nicht in einer ihrer Ausbildung entsprechenden Schule eingesetzt werden und dafür dann noch bundesweit den niedrigsten Lohn erhalten, denen ständig neue Lehrpläne, Richtlinien und Verordnungen vorgesetzt werden und die trotzdem Tag für Tag ihr Bestes geben, wird nicht ein Mindestmaß an Respekt erwiesen. Ich möchte die Damen und Herren des Landtags sehen, wie sie für unser Gehalt im Alter von 67 die 26-28 Unterrichtsstunden vor 30 Schülern in Förder-, Mittelschulen oder Gymnasium im Vollbesitz ihrer psychischen und physischen Kräfte absolvieren. Ich denke aber, sie werden dann schon seit Jahren von ihren fetten selbstverordneten Landtags- und Ruhegehältern leben!
07.09.2012
16:05 Uhr
5. insider:
Die Betonung liegt auf Alters(!)-teilzeit. Die Zwangsteilzeit der vergangenen Jahre betraf hauptsächlich Kollegen, die in der "Blüte" ihres Lebens standen und gern ihr Potenzial ausgeschöpft hätten...
07.09.2012
16:02 Uhr
4. Uwe:
Irgendwie nerven einen die Lehrer. So schlecht kann das Bildungssystem doch gar nicht sein, wenn sachsen bei allen Bildungsstudien ganz vorn liegt.
07.09.2012
16:01 Uhr
3. Markus:
Sachsen ist als Wohnort für die Lehrer eher ungeeignet. Am besten geht man nach Westen, dort sind die Lehrer oft immer noch einbeamtet.
07.09.2012
14:44 Uhr
2. crabatellis:
Ich wünsche allen Lehrernvon Herzen viel Erfolg mit ihrer Protestaktion. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist weit mehr als nur Abarbeitung von starren L(ee)hrplänen. Es ist die Arbeit mit dem empathischen nichtraffgeilen Menschen der Zukunft!Verantwortungsvoll! Schon das Erkennen eines Problems ist Kreativität(welcher Partei auch immer)! Und daran hapert es gewaltig! Man kann ja auch die Arbeitslosen umerziehen zu Ost-Lehrern, die anderen gehen in den wegen Besserverdienst in den Westen? Oder wir schicken die Kinder gleich nach China ins Internat!Da solls billiger sein!
07.09.2012
12:53 Uhr
1. gitte:
Der Warnstreik ist vollkommen zurecht. Ich möchte jetzt nicht auf die vielen Details eingehen, die hier "faul" sind im Freistaat Sachsen... und ehrlich, ein Lehrer möchte ich auch nicht sein...
07.09.2012
12:16 Uhr

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