Fußball | Randale
Brutaler Überfall hat Nachspiel
Nach dem brutalen Überfall von 50 Neonazis auf Fans und Spieler des Fußballvereins "Roter Stern Leipzig" beim Bezirksklassenspiel am Sonnabend in Brandis sind mehrere Untersuchungen eingeleitet worden. Neben einem Sportgerichtsverfahren gegen den FSV Brandis wurde eine Ermittlungsgruppe zur Identifizierung der Täter gegründet, zudem laufen interne Untersuchungen bei der Polizei.
Massive Kritik an Polizei - interne Untersuchungen angekündigt
Insbesondere die Polizei geriet nach dem Angriff massiv unter Druck. Nach Angaben des FSV Brandis hat die Polizei seit Wochen von dem geplanten Angriff gewusst. "Wir haben es der Polizei mitgeteilt, wurden aber allein gelassen", sagte FSV-Vizepräsident Michael Sommer dem MDR. Am Spieltag selbst waren lediglich acht Beamte vor Ort, die nach Zeugenaussagen nicht eingriffen. Verstärkung kam nach Berichten von Augenzeugen erst, als die Schlägerei bereits vorüber war. Landespolizeipräsident Bernd Merbitz kündigte am Montag nachmittag interne Untersuchungen an.
Der Sprecher der Polizeidirektion Westsachsen, Michael Hille, hatte sich zuvor immer wieder gegen die Vorwürfe gewehrt. "Dieses Spiel war für uns kein Problemspiel. Wenn wir Hinweise bekommen, dann reagieren wir", widersprach Hille den Aussagen, über die Angriffe informiert gewesen zu sein. Mittlerweile forderten Politiker mehrerer Parteien genaue Aufklärung darüber, ob die Polizei im Vorfeld Hinweise hatte oder nicht.
Brandiser Ordner verschaffen Zugang
Doch auch der FSV Brandis selbst muss sich Vorwürfe gefallen lassen, besonders dafür, dass die Rechtsextremen Zugang bekamen. "Wir haben diese grölende Truppe über einen Seiteneingang auf das Gelände gelassen, das war ein Fehler. Aber die waren so aufgebracht, dass wir sie auf keinen Fall hätten aufhalten können. Ich habe in die Gesichter von 50 Mördern gesehen", versuchte Vereinssprecher Gerd Große die Situation zu erklären. Einer der Brandiser Ordner soll sich nach Zeugenaussagen gar unter die Angreifer gemischt haben. Auch dies will der Sächische Fußballverband nun prüfen. "Man muss in Vereinen darauf achten, dass Menschen rechtsradikaler Gesinnung dort nicht mitwirken", appellierte der Präsident des Sächsischen Fußballverbandes, Lutz Mende.
Politische Dimensionen
Die Polizei hat indes eine achtköpfige Ermittlungsgruppe gebildet, um die Täter zu überführen. "Gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft ermitteln wir wegen schweren Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung - zunächst gegen Unbekannt. Wir gehen von einem politischen Hintergrund aus", sagte Hille am Montag. Grünen-Landtagsabgeordneter Miro Jennerjahn warnte: "Die Vorfälle von Brandis verdeutlichen, dass das neonazistische Potenzial in Sachsen auch im zunehmenden Maß eine Gefahr für die Demokratie ist."
Zuletzt aktualisiert: 27. Oktober 2009, 10:00 Uhr

