Delitzsch : Prozess gegen ehemaligen Stadtwerke-Chef hat begonnen
Vor dem Leipziger Landgericht hat am Donnerstag der Prozess gegen den ehemaligen Geschäftsführer der Technischen Werke Delitzsch, Lutz Mörtl, begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Kommunalmanager Bestechlichkeit und Vorteilsnahme in jeweils drei Fällen sowie Steuerhinterziehung in vier Fällen vor. Die sächsische Antikorruptionseinheit INES hatte vier Jahre gegen Mörtl ermittelt.
"Rechtsgespräch" nach Anklage-Verlesung
Nach der Verlesung der Anklage gingen das Gericht, Anklage und Verteidigung in ein sogenanntes "Rechtsgespräch". Wie MDR 1 RADIO SACHSEN berichtet, ging es dabei offenbar um die Bedingungen für ein Geständnis des Angeklagten. Eine Einigung habe es noch nicht gegeben, die Verhandlung über das Strafmaß werde am zweiten Verhandlungstag fortgesetzt.
Bestechung mit Braunbären-Abschüssen
In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft werden dem ehemaligen Manager zahlreiche Straftaten beim Bau und Betrieb eines Biomassekraftwerks im Delitzscher Industriegebiet Südwest vorgeworfen. So soll Mörl zwischen September 2004 und Juli 2005 das Verbrennen von Müll statt Altholz veranlasst haben. Zudem habe er einen Vertrag zu Ungunsten der Stadtwerke aufgelöst und dafür als Belohnung eine Jagdreise in die Taiga erhalten, einschließlich der Abschussgenehmigung für zwei Braunbären und der anschließenden Präparierung der Tiere im Wert von rund 14.000 Euro.
Bestechung bei der Auftragsvergabe
Kassieren wollte Mörtl laut Anklage bereits bei der Auftragsvergabe zur Errichtung des Kraftwerks. Über einen Verbindungsmann habe er Details zur Angebotsauswertung -einschließlich den Preisangeboten der Mitbewerber - an die Firma Alstom weitergegeben. Der weltweit agierende Konzern erhielt letztlich auch den Zuschlag für den Bau der Anlage. Im Endstadium der Verhandlungen soll der Angeklagte veranlasst haben, dass der Kraftwerksbauer einen Nachlass von 500.000 Euro gewährt, um sich den Zuschlag zu sichern. Diese Summe soll Alstom später an eine Firma des Verbindungsmannes von Mörtl gezahlt haben. Verabredet gewesen sei, dass sich nach Abzug der Steuern beide das Geld teilen. Im Zeitraum von Ende 2002 bis Mitte 2004 soll Mörtl tatsächlich rund 78.000 Euro erhalten haben. Aufgrund eines Zerwürfnisses zwischen ihm und seinem "Partner" sei dann aber kein weiteres Geld geflossen.
Die Konsequenzen aus der Ära Mörtl zog Delitzsch bereits 2007. Die für 60 Millionen Euro erbaute Anlage samt Holzkontor erwies sich als unrentabel und wurde verkauft. Seitdem hat es mehrere Eigentümerwechsel gegeben.

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