Grabungen in Kairo Leipziger Archäologen kommen Pharao Ramses näher

Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat in Kairo bedeutende Funde gemacht. Wie die Universität Leipzig mitteilte, entdeckten die Forscher um den Leipziger Ägyptologen Dietrich Raue in einem Grabungsfeld inmitten der Millionenmetropole unter anderem vollständige Reliefszenen aus der Zeit Pharao Ramses II., einen zweiten Tempel des bedeutenden Herrschers und Reste einer Statue seines Nachfolgers Ramses IV. Von Anfang September bis Mitte Oktober war Raue mit drei Studierenden nach Kairo gereist.

Bildergalerie Grabungen fördern bedeutende Funde zutage

Grabung Kairo
Bei den Grabungen mitten in Kairo haben die Wissenschaftler um den Leipziger Ägyptologen Dietrich Rauegleich mehrere Überaschungen erlebt. So fanden sie vollständige Relief-Szenen aus der Zeit Ramses II. Bildrechte: Ägyptisches Museum/Universität Leipzig
Grabung Kairo
Bei den Grabungen mitten in Kairo haben die Wissenschaftler um den Leipziger Ägyptologen Dietrich Rauegleich mehrere Überaschungen erlebt. So fanden sie vollständige Relief-Szenen aus der Zeit Ramses II. Bildrechte: Ägyptisches Museum/Universität Leipzig
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Auch einem Nachfahren Ramses II. kamen sie auf die Spur - mit dieser Sitzstatue Ramses VI., einem weniger bekannten Herrscher Ägyptens. Bildrechte: Ägyptisches Museum/Universität Leipzig
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Zu den Funden zählte auch diese Pfote einer kolossalen Sphinx. Bildrechte: Ägyptisches Museum/Universität Leipzig
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Vor allem von den in Stein gemeißelten Szenen erhoffen sich die Wissenschaftler Aufschluss über das Leben Ramses II. Bildrechte: Ägyptisches Museum/Universität Leipzig
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Zu klären gilt unter anderem, warum Ramses II. auf einer der Gesteinsplatten unter einem neuen Namen in Erscheinung tritt. Bildrechte: Ägyptisches Museum/Universität Leipzig
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Die schweren Gesteinsblöcke waren eine Herausforderung für das Grabungsteam. Bildrechte: Ägyptisches Museum/Universität Leipzig
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Zum Teil musste richtig schweres Gerät eingesetzt werden, um die bis zu 13 Tonnen schweren Blöcke anzuheben. Bildrechte: Ägyptisches Museum/Universität Leipzig
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Mit vereinten Kräften gelang es den vier deutschen Wissenschaftlern, ihren 15 ägyptischen Kollegen und den 90 Bauarbeitern, die wertvollen Funde zu sichern. Bildrechte: Ägyptisches Museum/Universität Leipzig
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Die Ausgrabungen inmitten der Millionenmetropole Kairo weckten auch das Interesse des Deutschen Botschafter in Kairo, Julius Georg Luy, und des Antikenministers Khaled el-Enany. Sie besuchten am 11. Oktober 2016 das Grabungsteam. Bildrechte: Ägyptisches Museum/Universität Leipzig
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Eine der größten Tempelanlagen der Antike

Das Grabungsgebiet liegt auf der einstigen Tempelanlage Heliopolis. Mit Ausmaßen von 1.100 mal 900 Metern gehörte sie laut Raue zu einer der größten der antiken Welt. Von 2700 bis ca. 300 v.Chr. war Heliopolis eine der Hauptkultstätten in Ägypten. Insbesondere die Pharaonendynastie der Ramsesiden nutze den Ort zur Verehrung des Sonnengottes Atum. Zugleich sei die Anlage für die Pharaonen Stätte der Repräsentation und Prachtentfaltung gewesen, erklärte Ägyptologe Raue.

Bereits im 8. Jahrhundert v.Chr. zerstörten die Perser bei einer Invasion Heliopolis. Ein zweiter Angriff der Perser im 4. Jahrhundert v.Chr. gab der prachtvollen Anlage den Rest: Heliopolis wurde von den Ägyptern als Kultort aufgegeben und versank in den Tiefen der Geschichte - und der Erde.

Retten, was zu retten ist

Ein bis zwei Meter unter dem Grundwasserspiegel stieß das Grabungsteam nun auf die wertvollen Überreste von Heliopolis. Es seien schwierige Arbeitsbedingungen gewesen, sagte Dietrich Raue. Nicht nur wegen der Lage der Fundstücke, denn auf dem Gelände will die Stadt Kairo schnellstmöglich ein komplett neues Wohnviertel bauen - mit Wohnhäusern, Schulen und Krankenhäusern. Unter großem Zeitdruck mussten die Archäologen daher handeln und retten, was noch zu retten war. Mit 15 ägyptischen Kollegen und 90 Bauarbeitern arbeiteten die Deutschen Hand in Hand. Raue sagte, es sei ein großer Verdienst der Experten vor Ort gewesen, dass sie es geschafft hätten, das Grabungsgebiet inmitten von Kairo mehrere Monate lang gegen Investoren und Baumaschinen zu verteidigen.

Forscher selbst überrascht

Der Einsatz hat sich für die Wissenschaftler gelohnt. Die gefundenen Reliefs bezeugen nach Angaben Raues wichtige Details zur Regentschaft und zum Glauben Ramses II. So sehe man auf auf einem Relief, wie Ramses eine Gazelle opfert und dafür Leben und Herrschaft erhält. Auch trete der Herrscher erstmals unter einem neuen Namen in Erscheinung. Zudem fanden die Forscher ein Portal, das auf einen zweiten Tempel von Ramses II. hindeutet.

"Wir dachten, das seien schon unsere größten Entdeckungen gewesen", sagte sich Raue. Doch dann stießen die Wissenschaftler noch auf eine Sitzstatue Ramses IV., einem weniger bekannten Nachfahren Ramses II., der um 1140 v.Chr. regierte. "Von ihm hatten wir noch nie etwas gefunden", freute sich Raue.

Da fragt man sich als Archäologe schon: Werde ich so etwas in meinem Leben noch einmal zu sehen bekommen?

Dietrich Raue, Ägyptologisches Institut der Universität Leipzig

Am 3. November will Dietrich Raue im Hörsaal 8 der Universität Leipzig einen Vortrag über die Grabung in Kairo und die dortigen Funde halten.

Zuletzt aktualisiert: 02. November 2016, 19:43 Uhr

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