Ehrung : Leipziger Buchpreis geht an Kershaw und Snyder
Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung geht in diesem Jahr zu gleichen Teilen an die Historiker Ian Kershaw und Timothy Snyder. Das teilte die Stadtverwaltung am Freitag mit. In der Begründung hieß es, der Brite Kershaw und der Amerikaner Snyder hätten mit ihren Werken über Totalitarismus und deutsche Historie dazu beigetragen, ein tieferes Verständnis Europas für seine Schreckensgeschichte zu ermöglichen. Die Auszeichnung wird Kershaw und Snyder am 14. März zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse im Gewandhaus übergeben.
Werk über die Selbstzerstörung der Deutschen 1944/45
Aus der Menge der historischen Arbeiten zum Kriegsende rage Kershaws im vergangenen Jahr erschienene Studie "Das Ende. Kampf bis in den Untergang. NS Deutschland 1944/45" in ihrer umfassenden Darstellung, tiefgreifenden Analyse und anschaulichen Schilderung hervor, hieß es von der Stadt. Kershaw finde neue Antworten auf die Frage, warum die militärisch bereits besiegten Deutschen noch fast ein Jahr lang weiterkämpften und bis zur totalen Verwüstung des Landes durchhielten. Anhand zahlloser einleuchtender Beispiele lege er eine Fülle unterschiedlicher Ursachen für die Selbstzerstörung der Deutschen dar.
Hunger und Terror als Form des Massenmords analysiert
In seinem 2011 erschienen Buch "Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin" verbindet Snyder nach Angaben aus dem Rathaus genau recherchierte Daten über das deutsche und sowjetische Morden in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit der Erinnerung an individuelles Leid. Er erweitert die Vorstellung vom industrialisierten Massenmord, indem er Hunger und Terror als Todesursache für mehr als die Hälfte der Opfer in den Blick rücke. Dabei entgehe "Bloodlands" jederzeit der Gefahr des Abstumpfens: Hinter den unvorstellbaren Zahlen halte Snyder die Menschen und ihre einzelnen Schicksale stets sichtbar.
Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung wird seit 1994 jährlich verliehen. Das Preiskuratorium bilden das Land Sachsen, die Stadt Leipzig, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Leipziger Messe. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert.
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Die Preisträger
Timothy David Snyder, geboren 1969, US-amerikanischer Historiker, lehrt als Professor Geschichte
an der Yale University. Seine Forschungsschwerpunkte sind Osteuropäische Geschichte und Holocaustforschung.
Ian Kershaw, geboren 1943 in Großbritannien, lehrte als Professor für Zeitgeschichte bis zu seiner
Emeritierung an der University of Sheffield in England. Kershaw gilt als einer der bedeutendsten Experten
der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts.
(Kulturamt der Stadt Leipzig)
