Menschen bei der Veranstaltung mit der Bürgerinitiative Rückmarsdorf gegen Kiesabbau.
Die Bürgerinitiative "Rückmarsdorf" hat sich bei der letzten Info-Veranstaltung zum geplanten Kiesabbau den Bürgern vorgestellt. Bildrechte: Bürgerinitiative Rückmarsdorf/Detlev Duksch

Leipzig-Rückmarsdorf Protest gegen geplanten Kiesabbau

Aufregung in Leipzig-Rückmarsdorf. In dem Ortsteil am westlichen Stadtrand plant die Firma Günter Papenburg AG, in Sichtweite zweier Siedlungen Kies abzubauen. Die Anwohner wehren sich, sie befürchten Lärm und Dreck.

Menschen bei der Veranstaltung mit der Bürgerinitiative Rückmarsdorf gegen Kiesabbau.
Die Bürgerinitiative "Rückmarsdorf" hat sich bei der letzten Info-Veranstaltung zum geplanten Kiesabbau den Bürgern vorgestellt. Bildrechte: Bürgerinitiative Rückmarsdorf/Detlev Duksch

Die Stimmung unter den Bewohnern des Leipziger Ortsteils Rückmarsdorf ist angespannt. Grund ist die geplante Erweiterung des Kiesabbaufeldes Schönau. Ende September hatte die Firma GP Günter Papenburg AG den Plan zum neuen 47 Hektar großen Kiesabbaufeld vorgestellt. In Sichtweite der alten Rückmarsdorfer Wohnsiedlung und der Siedlung am Wachberg soll in den nächsten Jahren Kies abgebaut werden.

Protest formiert sich

Die Pläne haben viele Rückmarsdorfer aufgeschreckt. Inzwischen hat sich Protest formiert, hunderte Rückmarsdorfer unterzeichneten eine Protestnote zudem wurde eine Bürgerinitiative gegründet. Unter dem Motto "Mit uns ist kein Kies zu machen" soll Druck auf die Stadtverwaltung ausgeübt und damit die Pläne der Firma Papenburg verhindert werden. Vor allem wolle man die Bürger über den geplanten Kiesabbau informieren, so Raik Stelmach von der Bürgerinitiative, denn die Kommunikation von Seiten der Ortschaftsräte in dieser Sache sei bislang sehr dürftig gewesen. Viele Rückmarsdorfer befürchten negative Auswirkungen auf ihr direktes Wohnumfeld und das für die nächsten 20 Jahre. Die Pläne von GP Günter Papenburg sehen vor, in etwa 70 Metern Abstand zu den Grundstücken einen acht Meter hohen Lärm- und Schmutzschutzwall zu errichten, der das gesamte Abbaugebiet einfriedet. Auf der 47 Hektar großen Fläche zwischen Bahnstrecke, Miltitzer Straße und Bahnhofssiedlung soll bis zu 110 Meter tief gegraben werden, Abbauzeit: 15 Jahre. Danach soll die Fläche wieder renaturiert werden. Einziger Lichtblick: Damit das geförderte Material nicht durch den Ort abtransportiert werden muss, plant Papenburg über die Bahnstrecke eine Brücke zu bauen.

Noch keine Abbau-Genehmigung

Obwohl das Unternehmen im Vorfeld mehrfach beteuerte, dass das Projekt noch ganz am Anfang steht, dass weder eine Abbau-Genehmigung beantragt wurde noch der Planfeststellungsbeschluss läuft, beruhigt das nicht die Gemüter der Einwohner. Jeglicher Kiesabbau in dieser Gegend ist unerwünscht, so unisono der Tenor bei der letzten Informationsveranstaltung. Lärm, Staub und Dreck seien die Folge und Leidtragende die direkten Anwohner, erklärte Raik Stelmach.

Das angedachte Kiesabbaufeld bei Leipzig-Rückmarsdorf.
Das geplante Kiesabbaufeld bei Leipzig-Rückmarsdorf. Auf 47 Hektar will die Firma GP Günter Papenburg in den nächsten Jahren Kies abbauen. Bildrechte: MDR/Dirk Hentze

Zuständig für das Vorhaben Kiesabbau ist das Oberbergamt. Da die Pläne dem Bundesberggesetz unterliegen, wurde die Firma GP Günter Papenburg AG inzwischen von der Freiberger Behörde aufgefordert, eine Umweltverträglichkeitsstudie durchzuführen. Erst danach kann das notwendige Planfeststellungsverfahren eröffnet werden. Sollte das Bergamt den Kiesabbau genehmigen, will die Stadt Leipzig ihren Anteil an der Fläche – rund 20 Hektar – an Papenburg verkaufen. Die Stadt Leipzig teilte auf Anfrage mit, dass eine Kommune einen umfassenden und ausgewogenen Abwägungsprozess zu führen habe.

Das angedachte Kiesabbaufeld bei Leipzig-Rückmarsdorf.
Blick von der Miltitzer Straße auf das geplante Kiesabbaufeld bei Leipzig-Rückmarsdorf. Linker Hand die Gartensiedlung. Bis auf 70 Meter soll das Abbaufeld an die Häuser reichen. Bildrechte: MDR/Dirk Hentze

Auf der einen Seite steht die wachsende Stadt mit Ihren Bedarfen an Baumaterial und Arbeitsplätzen. Vor diesem Hintergrund unterstützt die Stadt Leipzig und speziell das Wirtschaftsdezernat grundsätzlich entsprechende Entwicklungen und Unternehmen. Auf der anderen Seite sind die Bedarfe der Anwohner und eine Klärung der Nachnutzung der Flächen abzuwägen.

Stadt Leipzig, Referat Kommunikation

Für das geplante Abbaufeld befindet sich dieser Prozess laut Stadt erst am Anfang und soll mit allen Betroffenen geführt werden.

Wie es jetzt weitergeht, ist offen. Nächste Woche wird das Thema Kies auch wieder bei der Ortschaftsratsitzung behandelt. Inzwischen wurde bekannt, dass ein Besitzer einer Teilfläche des geplanten Kiesabbaus nicht an Papenburg verkaufen wird - es ist die evangelische Kirchgemeinde Rückmarsdorf-Dölzig.

Karte des geplanten Kiesabbaufeldes in Rückmarsdorf

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2016, 14:48 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

1 Kommentar

09.11.2016 19:29 Roland b. 1

Aber hallo,
Hier sollen in Größenordnung bürgerliche Befindlichkeiten und Lebensqualitäten wirtschaftlichen Interessen eines Unternehmens geopfert werden.
Hier wird ein Produktbedarf prognostiziert, der nicht vorhanden ist.
Hier wird eine Politik von Ortschaftsrat und Stadt gegen die betroffenen Bürger (ca. 1000 ) gemacht.
Hier wird die Demokratie mit Füßen getreten.
So nicht!!!