Kinostart am 16. Februar 2012 : Die Thomaner
Zwischen Bach und Fußball
Es ist ein Leben voller Kontraste, das die Jungen im Thomaner-Chor führen: Ein Leben zwischen Bachschen Kantaten und Computern, zwischen liturgischen Texten und Atheismus. Und genau das wollten die Filmemacher Paul Smaczny und Günter Atteln einfangen. Dabei ging es den beiden nicht nur um den Chor als ganzes sondern auch um die einzelnen Personen, die den Chor so einzigartig machen.
Der Dokumentarfilm begleitet Johannes, der als "Neuer" an das Internat kommt, wie er die neuen Gänge und Räume im "Alumnat" begutachtet, das ab jetzt sein zweites Zuhause sein wird. Dabei wird er von den älteren Thomanern begleitet, die für ihn verantwortlich sind.
Kein "normales" Internat
Denn anders als in normalen Internaten leben bei den Thomanern Jungen zwischen neun und neunzehn in einer Stube und die Älteren übernehmen einen großen Teil der Erziehung der jüngeren Schüler. Trotz der neuen Situation ist die Vorfreude bei dem Neunjährigen riesengroß. "Man weiß nicht, was auf einen zukommt. Aber man freut sich, jetzt im Thomanerchor zu sein. Das war nämlich schon immer mein Ziel", sagt Johannes.
Für die Eltern bedeutet das, dass sich die Kinder schon früh von ihnen lösen. Das weiß auch Oskar. Der Teenager lebt schon viele Jahre im Internat und meistert die Aufgabenfülle von Proben, Auftritten, Schulalltag und den Pflichten, die ihn die Alumnats-Hierarchie auferlegt. Ganz nebenbei übersteht er auch sein erstes "Verliebtsein" und steckt Sticheleien von Gleichaltrigen außerhalb der Schule weg.
Aber irgendwann wird man zu alt für den Chor und muss ihn verlassen. Für viele eine einschneidende Erfahrung. "Ich habe für mich gemerkt, dass die neun Jahre hier an sich sehr schön waren und mich zu dem gemacht haben, was ich jetzt bin", fasst der 18-jährige Stefan sein Leben in der Schule zusammen.
Religion und Fußball
An Hand der Jungen sind die Autoren noch anderen Fragen nachgegangen. Wie steht es eigentlich mit der Religion? Und wie wird der Widerspruch gemeistert, auf der einen Seite einer über 100 Jahre alten Erziehungstradition treu zu bleiben und dem Anspruch gerecht zu werden, "modern" zu sein? Auf der Suche nach Antworten begleiten die Filmemacher die Jungen ein ganzes Schuljahr, fliegen mit ihnen zu Auftritten nach Südamerika und lernen, warum Fußball an der Schule so wichtig ist - vor allem wenn es gegen den Dresdner "Kreuzchor" geht.
Die Thomaner - Herz und Mund und Tat und Leben
Regie: Paul Smaczny und Günter Atteln
Drehbuch: Günter Atteln
Schnitt: Steffen Herrmann
Kamera: Michael Boomers, Christian Schulz
Ton: Andreas Köppen, Toine Mertens
Filmmusik: Karl Atteln
Koproduktion: MDR/ Arte
In Zusammenarbeit mit: ARTE und NHK
Ab 16. Februar im Kino und im Herbst bei ARTE
Der Thomanerchor
Der Chor wird im Jahre 1212 auf Initiative von Markgraf Dietrich von Meißen gegründet. Von da an ist er fester Bestandteil der Stadt Leipzig. So übersteht er, dank der Spenden der Bevölkerung, den 30-jährigen Krieg, blüht unter Kantor Johann Sebastian Bach auf und bricht 1920 zu seiner ersten Auslandsreise auf. Heute leben rund 100 Thomaner im Alumnat und fliegen zu Auftritten rund um den Globus.
In diesem Jahr feiert der Chor sein 800-jähriges Bestehen.
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