Region Leipzig

Umstrittener Polizeieinsatz : Linke wollen politisches Nachspiel nach Drogenrazzia

Nach einer großangelegten Drogenrazzia im Leipziger Stadtteil Connewitz regt sich Kritik an dem Polizeieinsatz. Die Eltern der benachbarten Kindertagesstätte "Biedermann" werfen der Polizei vor, die Kinder verschreckt zu haben. Beamte des Sondereinsatzkommandos hätten in voller Montur und ohne Vorwarnung die Kita in der Biedermannstraße gestürmt und die Kinder ins Gebäude getrieben.

Kinder laufen schreiend weg

Die Leitung der Kindereinrichtung war im Vorfeld nicht über den Einsatz informiert worden. Polizeisprecher Uwe Voigt sagte, die Einsatzleitung habe kurz vor dem Zugriff drei Mal vergeblich versucht, die Kitaleitung telefonisch zu erreichen. Leiterin Anke Dieter sagte am Montag dem MDR, zu dem Zeitpunkt seien alle Kinder und Erzieher im Hof gewesen. Die Einsatzkräfte seien dann über die Mauer geklettert und hätten die Kinder angeschrien. "Die Kinder sind schreiend weggelaufen", erzählt Dieter. "Da sind Schäden entstanden, die so schnell nicht reparabel sind." Die Einrichtung will nun Beschwerde beim Innenministerium über den Einsatz einlegen. Unklar ist noch, ob es sich tatsächlich um SEK-Beamte gehandelt hat. Die Polizeidirektion Leipzig wies diese Aussage in Presseberichten zurück.

Linke fordern parlamentarisches Nachspiel

Horst Wawrzynski
Horst Wawrzynski scheidet Ende dieser Woche aus dem Amt.

Am Freitagnachmittag hatte die Polizei bei der Razzia in Connewitz kiloweise Marihuana sowie Waffen und Geld beschlagnahmt. Schwerpunkt des Polizeieinsatzes mit mehreren Hundertschaften war die Stockartstraße in dem linksalternativen Stadtteil. Vier mutmaßliche Drogendealer wurden festgenommen. Zwei von ihnen sitzen weiter in Untersuchungshaft.

Die Linken im sächsischen Landtag fordern ein parlamentarisches Nachspiel des Einsatzes. Die Abgeordnete Kerstin Köditz sieht in der "dubiosen Polizeiaktion" eine Folge der "verfehlten Personalpolitik" von Innenmnister Markus Ulbig. "Diese Aktion zeigt zunächst, dass zwei Polizeipräsidenten in einer Stadt nicht mehr Sicherheit für die Bürger bedeuten, sondern dass das Resultat darin besteht, dass der noch amtierende Präsident dem schon amtierenden Präsidenten seine künftige Arbeit gehörig erschwert." Köditz mutmaßt, dass mit dem Einsatz eine möglichst große mediale Aufmerksamkeit erreicht werden sollte. "Letztlich handelte es sich um eine reine Wahlkampfaktion Wawrzynskis und nicht um eine durchdachte Polizeiaktion."

Horst Wawrzynski scheidet in dieser Woche als Leipziger Polizeipräsident aus dem Amt, um für die CDU in den Oberbürgermeister-Wahlkampf zu ziehen. Sein Nachfolger ist der bisherige Landespolizeipräsident Bernd Merbitz. "Ich fordere Herrn Ulbig auf, gemeinsam mit seinem Parteifreund Wawrzynski in der nächsten Sitzung des Innenausschusses Stellung zu diesem fatalen Einsatz und seinen Folgewirkungen zu nehmen", erklärte Köditz.

Brennende Barrikade und Molotowcocktails

In der Nacht zum Sonnabend kam es schließlich zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Im Süden der Stadt errichteten Randalierer nach Angaben eines Polizeisprechers eine brennende Barrikade. Zudem hätten Unbekannte mehrere Molotowcocktails auf ein Polizeirevier geworfen. Feuer sei nicht ausgebrochen, weil die Brandsätze nicht zündeten. Das Hauptgebäude der Polizeidirektion sei zudem mit Farbbeuteln und Farbflaschen beworfen worden. Die Täter konnten unerkannt flüchten, verletzt wurde niemand.

Zuletzt aktualisiert: 16. Oktober 2012, 19:00 Uhr

24. interessent:
wenn bei einer drogenrazzia einsatzkommandos der polizei aktiv sind geht man naturgemaess auch von einer erhoeten chance eines schusswaffeneinsatzes aus. Wenn dann die entscheidung faellt eine kita mit im aussenbereich spielenden kindern aktiv einzubeziehen haben die fuehrungskraefte der polizei versagt! Das argument des polizeisprechers das es um sekunden ging ist in diesem fall desastroes und zeugt von erstaunlicher unfaehigkeit das risiko sachlich und verantwortungsvoll abzuwaegen. Peinlich fuer die behoerde und fuer leipzig
15.10.2012
22:47 Uhr
23. Enrico Pelocke:
Ich stimme 2 (1.Teil), 4, 5 und 9 bis 14 zu. Man sollte die Polizeibewerber überprüfen, ob sie nur ihre Gewalt ausleben wollen oder diese auch zurückhalten können, wenn sie unangebracht ist. @1+3+6+7 Wir regen uns nicht grundsätzlich gegen die Polizei auf, sondern über ihre Vorgehensweise gegen unschuldige. @7 Die Polizei soll nicht irgendetwas unternehmen, sondern sie soll Verbrecher unschädlich machen. Sind Kleinkinder Verbrecher? Was ist daran richtig, Kindern traumatische Erlebnisse zu schaffen? Ich kann mir nicht erklären, wie Gewalt gegen Kleinkinder unsere Sicherheit gewährt. Warum ist es richtig, Waffen gegen Kleinkinder einzusetzen? @15 Warum müssen wir dabei gewesen sein? Sehr selten waren die Kommentatoren beim Ereignis dabei. Wir nehmen trotzdem Anteil und denken, auch uns kann es treffen, wenn wir zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Dann können wir vielleicht nichts mehr posten, weil wir unter Schock stehen.
15.10.2012
21:52 Uhr
22. Enrico Pelocke:
@6 Welche Gesetze hat 2 nicht beachtet? Warum nennst Du 2 Müll? @3 Das Megafon würde auch Verbrecher warnen. Ein Telefonat reicht. Sicher wurde gegen Unschuldige zu hart vorgegangen! @1+3+7 Niemand regt sich auf, das was gemacht wurde, sondern dass die Gewalt sich gegen Unschuldige richtete, dass nicht Verbrecher dingfest gemacht wurden, sondern unschuldige Kleinkinder psychisch schwer geschädigt wurden. So schafft die Polizei die Arbeit für Polizei+Justitz+Psychiatrie und die Süchtigen von übermorgen, indem die Kinder zu Betäubungsmitteln greifen, weil sie den Schock nicht bewältigen können. Ist das vielleicht gewollt? Andere Menschen und ich dürfen auch nicht alles links und rechts umreißen und darf dabei meinen Mitmenschen keine traumatischen Erlebnisse schaffen.
15.10.2012
21:34 Uhr
21. puhh:
Das Auftreten des SEKs ist meiner Meinung nach unverantwortlich und (auch, wenn man zwei Augen zudrückt) es muss gesagt werden, dass die gesamte Aktion alles andere als verhältnismäßig ist. Ich möchte nicht wissen, wie viele 10000de, sogar 100 000 de von Euros da in wenigen Stunden verballert wurden. Ergebnis: 4 Verhaftete (nicht nur in Connewitz) wegen des Besitzes und Verkaufs von Marijuhana... Es werden neue Dealer kommen und wer Gras rauchen möchte findet so oder so einen Weg. Es handelt sich hierbei nicht um lebensgefährdente Drogen, sondern um "Drogen", die in anderen Ländern sogar zu medizinischen Zwecken eingesetzt werden. Und dazu Kinder in so ne unvorhersehbare Situation zu bringen, ist überhaupt nicht zu verstehen. Ich hätte sogar als Erwachsener Schiss, wenn plötzlich eine Gruppe Polizisten in voller Montour meinen Hof stürmen würden.
15.10.2012
21:00 Uhr
20. Randleipziger:
Die MDR Schlagzeile, die als erstes wahrgenommen wird, lautet: "SEK-Einsatz schockt Kindergartenkinder" Bedeutend weiter hinten im Beitrag und natürlich viel kleiner geschrieben steht dann das eigentlich Wichtige und der ausschlaggebende Punkt dieses völlig gerechtfertigten !!! Polizeieinsatzes: "kiloweise Marihuana sowie Waffen und Geld beschlagnahmt...., gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei...., Randalierer errichteten eine brennende Barrikade...., mehrere Molotowcocktails auf ein Polizeirevier geworfen. usw." Mit diesen Schlagzeilen sollen die Täter zu Opfer stilisiert werden und umgekehrt. Das ist (leider!!!) Leipzigs Politik und Journalismus anno 2012.
15.10.2012
20:22 Uhr
19. bunda:
Es ist offentsichtlich nicht alles in Ordnung gewesen. Wen jedoch erst jeder über bevorstehende Maßnahmen informiert werden soll, braucht die Polizei auch nicht mehr vor Ort erscheinen. Also jeder der etwas von der Polizei will, soll auf das Revier kommen. Es wird dann nur noch registriert " für die Statistik". Die hier dumme Wortmeldungen verfassen, sollen lieber mal mithelfen Brandstifter von Gartenlauben und PKW's hinter Gitter zu bringen. Da meine ich angebliche Anwälte, die sich nur proverlieren wollen.
15.10.2012
20:17 Uhr
18. joachim lissner:
berichtigung! es war nur eine flugzeugentführung ,wo der SEK unter einsatz des lebens massgeblich an der befreiung der geisseln beteiligt war. ich weiss nur noch das das flugzeug von palistäneser entführt wurde. ich weiss bloss nicht mehr wo und wann die entführung geschehen ist .vieleicht kann der MDR meine vergessensheitlücke wieder schliessen . ich wäre dem MDR sehr dankbar !
15.10.2012
20:07 Uhr
17. schoololdie:
Die Verfahrensweise verwundert mich überhaupt nicht mehr. Ein solcher Umgang mit Kindern egal welcher Alterstufe ist wahrscheinlich neuerdings Staatsreason in Kurfürstentum Sachsen. Ich war vor kurzem im Landtag Zeuge der Debatte über die Mittelschule Seifhennersdorf. Die Regierungskoalition bietet keinen Kompromiss an, obwohl sogar Herr Michael Kretschmer ein paar Wochen zuvor eine Alternative im Gespräch mit den Eltern vorschlug. Es war nachher sehr ruhig um seinen sehr vernünftigen Vorschlag. Wurde er dafür etwa "abgewatscht"? Weiter so, Sachsen-CDU! Von Margot Honecker lernen heißt siegen lernen, hurra, hurra, hurra!
15.10.2012
19:45 Uhr
16. Beobachter 2:
Der/die mattotaupa schreibt ja ganz schön fleißig gegen die total agressive Staatsmacht, mit der er/sie offbar große Probleme hat. Kein Problem sind dagen Waffen und Drogen in der Nähe des Kindergartens, sowie randalierende und brandstiftende Linkskriminelle im Leipziger Süden. Toll!!
15.10.2012
19:28 Uhr
15. N.:
Wer war eigentlich von all den Schreibern dabei? Etwas in die Welt gesetzt und los gehts...
15.10.2012
18:30 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

© 2013 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK