Feuerwehrmänner stehen mit einem Transparent vor einem Einsatzfahrzeug. Auf dem Transparent steht - Feuerwehren helfen www.keiner-kommt.de -
Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Feuerwehr in Not Kameraden in Bad Lausick bitten Steinmeier um Hilfe

Die Kameraden der Feuerwehr in Bad Lausick sind für schnelle Hilfe bekannt: Wenn es brennt oder kracht, sind sie zur Stelle. Doch das klappt oft nicht mehr so gut wie es sollte. Die Feuerwehr braucht nun selber Hilfe.

Feuerwehrmänner stehen mit einem Transparent vor einem Einsatzfahrzeug. Auf dem Transparent steht - Feuerwehren helfen www.keiner-kommt.de -
Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

17 Uhr am Montagabend in Bad Lausick: Die Sonne ist längst hinter den Häusern verschwunden. Das Thermometer zeigt nur noch Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Und doch sind einige Bad Lausicker noch nicht auf dem Heimweg. Am Dr. Schützold-Platz harren fünf Feuerwehrleute seit anderthalb Stunden aus.

Nein, hier brennt es nicht. Und es hat auch keinen Unfall gegeben. Die Kameraden sind hier in eigener Sache. Denn die Not ist groß bei der Freiwilligen Feuerwehr, erzählt André Trautner von der Initiative "keiner-kommt.de": "Personalmangel ist das größte Problem, das wir haben. Im ländlichen Raum arbeiten die Feuerwehrleute außerhalb. Sie können am Tag gar nicht mehr nach Hause zu ihrer Feuerwehr kommen. Und dann haben wir relativ wenig Personal vor Ort, was zum Einsatz ausrücken kann. Das ist schlecht."

Kein Geld, kein Personal

Ein Mann schenkt ein Getränk aus einer gelben Thermoskanne in einen Becher.
Heiße Zitrone gegen kalte Hände: Die Bad Lausicker stehen voll hinter ihrer Feuerwehr - zeigt diese kleine Geste aus einem nahegelegenen Geschäft. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Hinzu kommt die schwierige finanzielle Lage. Für die Freiwilligen Feuerwehren sind die Kommunen zuständig. Und die haben immer klamme Kassen, meint Wehrleiter Tim Barczynski: "Die Kommunen müssen finanziell und personell so gut ausgestattet werden, dass sie das Tageseinsatzgeschäft von 6 bis 17 Uhr abdecken können, dass effiziente, gute Technik da ist, die mit wenig Leuten bedient werden kann. Und dass die Leute auf dem Bauhof oder in der Stadtverwaltung der Stadt Bad Lausick oder einer anderen Kommune arbeiten."

André Trautner meint: "Wir brauchen die überregionale, die überörtliche Unterstützung. Und genau deshalb haben wir uns diesen Termin heute rausgesucht, um vor Herrn Steinmeier und vor Herrn Tillich die Probleme ins Sichtfeld zu rücken."

Es ist natürlich kein Zufall, dass die Kameraden gerade an diesem Montagabend mit zwei riesigen roten Transparenten in der Kälte stehen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, dessen Frau Elke Büdenbender und Sachsens Noch-Regierungschef Stanislaw Tillich werden in der Bläser-Akademie erwartet. Und wenn sie dorthin wollen, müssen sie an den Feuerwehrleuten vorbei.

Die Großen in der Politik müssen ran

Die Hoffnung der Kameraden: Sie wollen die Gelegenheit nutzen, um auf die Bedürfnisse und Nöte der Feuerwehren aufmerksam zu machen. André Trautner meint: "Schön wäre es schon, wenn wir einen Förderer fänden, der das Ganze auf höherer Ebene ins Rollen bringt. Denn das schaffen wir alleine nicht. Wir hoffen da ein bisschen auf Frau Büdenbender - Herrn Steinmeiers Frau." Denn sie arbeite viel mit Stiftungen zusammen.

Feuerwehrleute stehen am Abend mit einem Transparent an einer Straße.
Als die Kolonne endlich vorbei fährt, ist es dunkel geworden in Bad Lausick. Dank reflektierender Schrift, sollten die Spitzenpolitiker das Plakat aber gesehen haben. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Die Transparente sind in Stellung, die Kameraden in voller Montur, nur lassen die beiden Politiker an diesem Abend auf sich warten. Geplant war ihre Ankunft für 16 Uhr. Doch die ersten Blaulichter der Eskorte blinken erst rund eine Stunde später am Dr. Schützold-Platz. Nach der langen Wartezeit geht dann alles ganz schnell: In nur wenigen Sekunden haben alle Fahrzeuge der Eskorte den Platz passiert. Ob Steinmeier, dessen Frau oder Tillich die Plakate gesehen haben, ist ungewiss.

Enttäuscht sind die Kameraden in Bad Lausick nach eigenen Angaben aber nicht: "Wir konnten uns präsentieren und jetzt heißt es abwarten. Vielleicht gibt es ja in den nächsten Tagen eine Rückmeldung - in welcher Form auch immer."

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch in Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.11.2017 | 07:17 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 13.11.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2017, 22:45 Uhr

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4 Kommentare

14.11.2017 16:46 Neu-Ossi 4

Als neu zugezogener kann ich Ihnen sagen, Fragender Rentner, dass das Problem auch im Westen besteht. Im ländlichen Raum in Schleswig-Holstein beispielsweise gibt es viel "Schlafdörfer", deren (heutige) Bewohner fast alle in der nahegelegenen Stadt arbeiten. So kommt es oft, dass die Feuerwehr Werktags nicht mals eine Löschgruppe (1/8, also Neun Leute) zusammenbekommt.

14.11.2017 12:30 Pattel 3

Ist echt so ,nur die Rentner bleiben und Fragen.

14.11.2017 12:27 Pattel 2

Ist echt so ,nur die Rentner bleiben in Fragen.

14.11.2017 11:00 Fragender Rentner 1

Das ist auch ein "großer" Erfolg der Bundesregierungen seit 1990, weil sie den Osten entvölkert hat und somit wenige Junge mehr hier sind und auch weniger Kinder nachkommenn !!!

Wieviele sind weggezogen, 2 oder 3 Mio. Menschen?