Eine Schwarze Katze läuft durch eine Einfahrt.
Bildrechte: IMAGO

Stubentiger und Streuner Hat Leipzig ein Katzenproblem?

In vielen deutschen Städten gibt es eine Kastrationspflicht für Freigängerkatzen - allerdings nicht in Leipzig. Die Folge: Vor rund 25 Jahren vermehrten sich die Streuner unkontrolliert. Dann griff die Stadt durch. Ob die Aktion erfolgreich war, soll jetzt eine Untersuchung zeigen.

Eine Schwarze Katze läuft durch eine Einfahrt.
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Samtpfote und Miez werden sie genannt und von ihren Besitzern innig geliebt. Katzen haben schon immer einen guten Ruf: Zum Beispiel als Schädlingsbekämpfer gegen Mäuse und andere Plagegeister. Allerdings können sie auch selbst zur Plage werden. Denn es leben längst nicht nur Stubentiger in den Städten.

20.000 wildlebende Katzen

In Leipzig beispielsweise gab es 1992 Schätzungen zufolge rund 20.000 freilebende Katzen. Sie hatten keine Besitzer, streunten herum und vermehrten sich rasant. Ein Problem, das die Stadt mit einem Kastrationsprogramm in den Griff kriegen wollte.

Gabriela Leupold, Chefin des Leipziger Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamtes, erinnert sich: Pro Jahr wurden damals bis zu 1.000 wildlebende Tiere unfruchtbar gemacht. Inzwischen sind es jährlich nur noch etwa 350. Hat die Aktion also Wirkung gezeigt? Wie viele freilebende Katzen gibt es mittlerweile in Leipzig? Und wie sieht es mit deren Gesundheit aus?

Die unsichtbare Katze

Diese Fragen sind schwer zu beantworten. Zu dünn sei die Datenlage, meint Michael Sperlich, Chef des Tierheims Leipzig-Breitenfeld und des Leipziger Tierschutzvereins: "Das erste Problem ist, dass Sie die Tiere sichten müssen. Katzen haben ein großes Talent, sich unsichtbar zu machen. Das ist ja genau das Problem, warum man die Population so schlecht erfassen kann."

Eine Katze sitz inmitten von hohen Pflanzen und hält Ausschau.
Seit 1992 wurden in Leipzig rund 11.000 Streuner unfruchtbar gemacht. Damit wollte die Stadt die unkontrollierbare Vermehrung von Freigängern und wildlebenden Katzen in den Griff kriegen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eine Untersuchung der Universität und der Stadt will das ändern, sagt Gabriela Leupold: "Die Stadt Leipzig möchte einfach dieses Thema grundlegend untersuchen: Ob es tatsächlich objektiv begründbar eine Notwendigkeit gibt, hier eine Sonderregelung für die Stadt Leipzig treffen zu müssen."

Seit Oktober wird deshalb geforscht, erklärt Tierärztin Rebecca Großmann vom Institut für Tierhygiene und Öffentliches Veterinärwesen der Universität Leipzig. Sie schreibt ihre Doktorarbeit über die Streuner und deren Gesundheit: "Um den Gesundheitsstatus zu erfassen, werden die zur Kastration in die beteiligten Tierarztpraxen verbrachten freilebenden Katzen in Narkose klinisch untersucht und Proben entnommen." Im Labor wird anschließend geklärt, ob die Katzen Infekte oder Parasiten haben.

Futterstellen als wichtige Anlaufstelle

Um mehr über die Anzahl der freilebenden Katzen herauszufinden, sind die ehrenamtlichen Betreuer gefragt. Eine ganz wichtige Rolle spielen dabei die sogenannten etablierten Futterstellen. Das sind Orte, an denen die Streuner regelmäßig gefüttert werden, erklärt Gerd Möbius von der Veterinärmedizinischen Fakultät der Uni Leipzig: "Dort weiß man in der Region, was passiert: Da wandert beispielsweise ein neues Tier dazu, diese Katze hat man noch nicht gesehen. Und es ist wichtig, dass man diese Tiere auch über die Futterstellen einfängt und zur Kastration bringt."

Ein wichtiger Punkt bei der Untersuchung ist auch der Kastrationsstatus der Leipziger Stubentiger. Dafür haben die Forscher einen Fragebogen für Katzenbesitzer erstellt. Dieser enthält unter anderem Fragen zur Haltungsform und ob die Katzen gechipt und registriert sind. Mit Ergebnissen der Untersuchung können die Leipziger in rund zwei Jahren rechnen - so lange läuft das Forschungsprojekt noch. Und erst dann kann die Frage nach dem Katzenproblem in Leipzig wirklich beantwortet werden.

Quelle: MDR/kp

Über dieses Thema berichtete MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.11.2017 | 17:05 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 14.11.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2017, 21:22 Uhr

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7 Kommentare

15.11.2017 18:11 Walter 7

Ich finde derartige Diskussionen eher lustig.
Volle Population z.B. von Wölfen, Wildkatzen ... Aber Katzen sind es zu viele?
Welcher Grüner entscheidet über - gutes Tier, böses Tier , zu viel oder zu wenig?
Wenn schon freie Vermehrung, dann für alle.
Ok, die Stadt hat vollkommen recht. Ich wollte auf die Doppelmoral aufmerksam machen.
China macht mit 1 Kind Politik ähnliches.

15.11.2017 16:58 Lyn 6

Mein fetter Stubentiger streunt nicht.
Er befasst sich mit Begeisterung mit sehr viel kleineren Säugetieren, hat sie zum Fressen gern - und das ist auch gut so.
Er hat 1 Jahr bekommen. ....Vor dem kastrieren.

Katzenprobleme? Reisen Sie mal nach Essauira, eine Hafenstadt in Marokko. (Rechtschreibfehler bitte ich zu entschuldigen ). Dort sieht man die Straßen vor Katzen nicht mehr. Die Fischer haben soviel Abfall dass es nicht nur für die Möwen reicht. Sind alle gut genährt mit glänzendem Fell, eine wahre Augenweide. Ein Mäuseproblem hat das Städtchen sicher nicht.

15.11.2017 13:14 part 5

Offenbar ist der natürliche Futtervorrat auf vier Beinchen mit langem Schwanz doch wohl übergroß, sonst würden wohl die Population der Jäger nicht steigen. Leider haben die meisten Städte ein Hundeproblem gegen das die Politik aus Verlustangst vor Wählerstimmen nicht vorgeht. Eine Minderheit darf weiterhin die Mehrheit terrorisieren, während es freilebende Katzen schon immer gegeben hat. Ich warte schon auf den Tag an dem die Landwirte wieder medial von der Mäuseplage jammern. Die paar Singvögel fallen aber der Verringerung unserer Insektenpopulation zum Opfer, für die es wiederum andere Gründe gibt.

15.11.2017 10:09 Untermensch aus Dunkeldeutschland 4

Leipzig hat vor allem ein zweibeiniges Problem. 700000 Menschen sind auf eine Infrastruktur für 400000 Einwohner zu viele. Angesichts überfüllter und verkommener Schulen wäre es angebrachter, neben dem Zuzug die Geburtenzahlen zu drosseln.

15.11.2017 07:33 Leo Bronstein 3

@ NRW-Wessi (#1)
>u. d. Haltung v. Kampfhunden verboten<

Nur Restriktionen bei Kampfhunden?
Wie häufig habe ich sehen dürfen, dass >Herrchen<, oder >Frauchen< ihre Hunde weder mit Leine, erst erst recht nicht ohne Leine unter Kontrolle haben und zum Teil regelrecht vom stärkeren Köter hinterher gezogen werden.

.
>Katzen sind hingegen sehr saubere Tiere, da sie ihre Hinterlassenschaften vergraben.<

Und außerdem helfen sie noch fleißig mit die verdammte Singvogel Population möglichst klein zu halten.
Wer braucht schon Amseln, Sperlinge, Meisen, Rotkehlchen, ... oder deren Nachwuchs.
Da kann Jede und Jeder nachsichtig sein, dass das Spielzeug, wenn es sich nicht mehr bewegt einfach liegengelassen wird.
Und wenn der Rasen zu fest zum vergraben ist werden als Übersprungshandlung ähnliche Pfotenbewegungen gemacht, als würden sie ihren Kot vergraben, auch wenn er dann trotzdem auf dem Rasen liegenbleibt.

14.11.2017 23:11 Mark 2

Katzen sind so edle Tiere, wo liegt hier das Problem?

Gegen die ganzen Hundeführer, die ihre Hunde überall rumschnuppern lassen - auch ungefragt an Passanten - dagegen sollte die Stadt vorgehen.

Rollleinen komplett verbieten!

14.11.2017 20:23 NRW-Wessi 1

In Leipzig war ich noch nicht, daher kann ich mir auch kein Urteil über diese Stadt erlauben.
Schaue ich mich aber in anderen deutschen Städten um, so stelle ich eher ein Hunde-Problem, als ein Katzen-Problem fest.
Die Beweise dafür sind entweder unüberhörbar, oder sie liegen auf den Gehwegen und Straßen, sowie auf Waldwegen, wo sie gerade jetzt zwischen dem gelb-braunen Laub erst dann auffallen, wenn es zu spät ist.
Daher sollte die Hundehaltung eingeschränkt und die Haltung von Kampfhunden verboten werden. Katzen sind hingegen sehr saubere Tiere, da sie ihre Hinterlassenschaften vergraben.